Parabene während der Schwangerschaft

Aufgepasst, werdende Mütter: Diese Kosmetik kann Babys dick machen

Schwangere sollten bei der Wahl ihrer Kosmetika vorsichtig sein
© iStockphoto

19. Februar 2020 - 19:37 Uhr

Kosmetik-Gefahr während der Schwangerschaft

Schwangere sollten auf kosmetische Produkte, die Parabene enthalten, verzichten. Ärzte fanden jetzt heraus, dass durch das Auftragen von parabenhaltiger Kosmetik das Kind im Mutterleib dauerhaft geschädigt werden kann. Durch den Zusatzstoff besteht die Gefahr, dass das Kind langfristig zu Übergewicht tendiert, warnen die Ärzte.

Fettleibigkeit bei Kindern ein immer größer werdendes Problem

In Europa und Nordamerika ist mittlerweile jedes dritte Kind übergewichtig oder sogar fettleibig, mahnen die Ärzte der Berliner Charité und der Universität Leipzig. Laut ihnen ist dies aber nicht nur auf genetische Veranlagungen oder einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen. Sie nehmen an, dass auch hormonelle Faktoren Einfluss nehmen können. Insbesondere während sensibler Entwicklungsphasen wie der Schwangerschaft, seien die Auswirkungen von Butylparaben auf den Gesundheitsverlauf eines Menschen nicht zu unterschätzen.

Parabene stehen häufig in der Kritik. Warum sie so gefährlich sind und in welchen Produkten sie zu finden sind lesen Sie hier.

Mädchen eher gefährdet als Jungen

Für die Langzeitstudie beobachtete das Forschungsteam 414 Mutter-Kind-Paare. Die Ärzte fanden heraus, dass etwa ein Viertel (26%) der Frauen während der Schwangerschaft parabenhaltige Kosmetika verwendete, wie beispielsweise Hautcremes. Ihr Urin enthielt drei Mal mehr Parabenverbindungen als das der übrigen Teilnehmerinnen.

Die Folge: Deren Kinder hatten nach der Schwangerschaft bis zum Alter von acht Jahren ein doppelt so hohes Risiko für Übergewicht. Zudem bestand bei Mädchen eine größere Gefahr als bei Jungen. Das könnte daran liegen, dass Butylparaben östrogenartig wirken, vermuten die Ärzte.

Mäuse bestätigten die Ergebnisse

Hierbei nahmen die Tiere genauso viele Butylparaben zu sich wie die schwangeren Probandinnen. Der weibliche Nachwuchs der Mäuse nahm nach der Geburt stärker zu als der männliche Nachwuchs – und fraß auch deutlich mehr.

Die Forscher fanden heraus, dass im Gehirn der Mäuse durch das Butylparaben ein Gen herunterreguliert wird, was für das Sättigungsgefühl wichtig ist. Dadurch würde bei dem Embryo eine epigenetische Veränderung stattfinden, die dafür verantwortlich ist, dass das natürliche Sättigungsgefühl langfristig gestört wird.

"Dadurch nehmen diese dann mehr Nahrung auf", bestätigt Tobias Polte der Universität Leipzig. "Bei der Gewichtsentwicklung spielen natürlich noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle, wie etwa eine hyperkalorische Ernährung, sowie mangelnde Bewegung. Dennoch scheinen Parabene in der Schwangerschaft einen Risikofaktor für die Entstehung von Übergewicht darzustellen."

Forscher raten von parabenhaltigen Produkten während der Schwangerschaft ab

Zwar hat die EU-Kommission bereits vor fünf Jahren die Höchstkonzentration von bestimmten Parabene im Windelbereich, wie z.B. in Babycremes, deutlich gesenkt - darunter fallen unter anderem auch die Werte für Blutparaben. Doch die Forscher raten bereits während der Schwangerschaft zur Vorsicht.

"Werdende Mütter sollten während der sensiblen Phasen von Schwangerschaft und Stillzeit mit Blick auf die künftige Gesundheit ihre Kindes unbedingt auf parabenfreie Produkte zurückgreifen", empfiehlt Irina Lehmann von der Berliner Charité. Oft sind die Kosmetika bereits als parabenfrei markiert. Als Alternative kann man auch die App Tofox zur Hilfe nehmen, mit der Kosmetik- und Alltagsprodukte auf Schadstoffe überprüft werden können.

Unklar ist bisher, wie lange Parabene auf das Gewicht der Kinder Einfluss nehmen oder ob diese auch weitervererbt werden. Die Kinder aus der Studie werden dafür weiter beobachtet. Allerdings konnte bereits nachgewiesen werden, dass andere Substanzen in Körperpflegemittel den Pubertätsbeginn des Kindes beeinflussen können.

"Ohne Parabene" bedeutet nicht "ohne Konservierungsstoffe"

Prinzipiell sollten Konsumenten immer vorsichtig sein bei der Wahl ihrer Kosmetikprodukte. Laut der Weltgesundheitsorganisation gibt es mehr als 800 Chemikalien in Kosmetika, die die natürliche Wirksamkeit von Hormonen stören und so körperliche Schäden hervorrufen können. "Generell sollten Verbraucher daher möglichst naturbelassene Produkte bevorzugen", betont Helmut Schatz von dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Auch in vielen herkömmlichen Handlotionen werden Inhaltsstoffe wie Weichmacher, Parabene und Erdöl-Nebenprodukte verwendet und der Haut eher schaden als nützen. Wir verraten, welche Alternativen es gibt.