Unter Zufallsopfern am 31. Dezember sind vor allem Kinder

Gefährliche Silvester-Knaller: Arzt fordert Feuerwerks-Verbot für Laien

Silvester-Böller sind bei vielen Menschen sehr beliebt - und können sehr gefährlich werden.
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26. Dezember 2018 - 17:04 Uhr

Zwei Tote an Silvester 2017/2018

Möglichst laut und bunt soll es sein: Feuerwerk gehört für viele Menschen einfach zu Silvester dazu. Doch die beschäftigen auch Ärzte in deutschen Notaufnahmen. Jedes Jahr werden zum Jahreswechsel etliche Menschen ins Krankenhaus eingeliefert. Darunter seien viele Zufallsopfer, sagt Dr. Tobias Lindner, Oberarzt der Notaufnahme am Virchow-Klinikum der Berliner Charité. Auch viele Kinder werden verletzt- Deshalb fordert der Mediziner der Berliner Charité nun ein Verbot für Feuerwerkskäufe.

Kinder werden an Augen und Ohren verletzt

Sie feuern Raketen aus der Hand ab, werfen Böller aus dem Fenster, importieren Pyrotechnik aus dem Ausland oder halten Feuerwerkskörper besonders lange in der Hand. Oberarzt Lindner weiß, dass die "Straßenkämpfe" an Silvester nicht nur für die Beteiligten gefährlich sind - auch für Nebenstehende. Und vor allem für Kinder.

Immer mehr Kinder seien in den vergangenen Jahren an Silvester behandelt worden, meistens an den Augen und Ohren. Grund seien Knaller-Würfe, die zu Explosionen nahe dem Gesicht oder dem Ohr führen. Opfer hätten in solchen Fällen keine Chance, so Lindner.​

Lindner fordert Deutsche auf, öffentliche Feuerwerke zu genießen

Kinder an Silvester
Kinder sind häufige Zufallsopfer an Silvester.
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Die ersten Unfallopfer sehen die Notaufnahme-Teams schon vor dem 31. Dezember - sobald Feuerwerk zum Verkauf steht, sagt der Mediziner. Am Silvesterabend und an Neujahr kommen dann immer mehr Patienten mit Verbrennungen in die Kliniken.

Neben leichten Verletzungen kommt es häufig aber auch zu sogenannten Knalltraumata. Tobias Lindner erklärt, dass es durchs Knallen zu einem Pfeifen oder zu einem Taubheitsgefühl in den Ohren kommen kann. Diese Symptome ließen viele Menschen noch in der Nacht behandeln.

Deshalb - und weil es bei Silvester-Feiern immer wieder zu Angriffen auf Rettungskräfte käme - findet Lindner, dass Feuerwerk nicht in die Hände einer breiten Öffentlichkeit gehört. "Man sollte sich auf schöne Feuerwerke konzentrieren, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, so dass man das gemeinsame Erlebnis hat", sagt er.

Bessere Aufklärung statt generelles Verbot?

Zumal die schwersten Verletzungen beinahe ausschließlich durch illegale oder selbstgebastelte Böller passierten, das gaben Mediziner des Unfallkrankenhauses Berlin bekannt. Manche Städte nehmen dieses Problem selbst in die Hand. Zum Beispiel hat Düsseldorf bestimmte pyrotechnische Gegenstände in der Altstadt an Silvester verboten, darunter auch solche, die in Deutschland nicht zugelassen sind.

Joachim Windolf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie warnt zwar ebenfalls vor bleibenden Schäden. Ein generelles Verbot hält er allerdings nicht für sinnvoll. Womöglich griffen die Leute dann erst recht zu gefährlichen illegalen Knallern, mit schlimmeren Folgen, befürchtet er - und setzt stattdessen auf Aufklärung.