Gefährliche Krankenhauskeime: 15.000 Tote im Jahr sind vermeidbar

21. September 2015 - 19:47 Uhr

Antibiotika wirken bei vielen Keimen nicht mehr

In Deutschland infizieren sich jedes Jahr rund 600.000 Menschen an multiresistenten Krankenhauskeimen, 15.000 davon sterben an der Infektion. Das sind fast fünf Mal so viele Tote wie im Straßenverkehr. Die unsichtbare Gefahr im Krankenhaus kann jeden treffen. Besonders gefährlich: Antibiotika wirken bei einigen Keimen nicht mehr. Darum kommt es immer häufiger vor, dass Patienten sterben, obwohl die eigentliche Behandlung oder Operation gut verlaufen ist.

15.000 Tote pro Jahr durch Krankenhauskeime
Jedes Jahr sterben in Deutschland 15.000 Menschen durch Krankenhauskeime.
© dpa, Britta Pedersen

Eine Infektion mit multiresistenten Keimen ist schnell passiert. Das Klinikpersonal hat viel zu tun, häufig muss es schnell gehen. Da werden simple Hygieneregeln im stressigen Krankenhausalltag schon mal vernachlässig. Die meisten Infektionen wären wohl vermeidbar, wenn sich die Pflegekräfte öfter die Hände desinfizieren würden.

Im Klinikalltag bleibt kaum Zeit für die Handdesinfektion

"Es ist sehr häufig die Regel, dass auf den Stationen nicht genügend Pflegekräfte vorhanden sind, dass man sich beeilen muss, dass viele Arbeiten gleichzeitig erledigt werden müssen, was natürlich das Einhalten der Hygiene nicht einfach macht", erklärt Dr. Petra Wegermann. Sie ist Chefärztin der Anästhesie und ärztliche Direktoren der Asklepiosklinik in Weißenfels.

Durch die Verschärfung der Hygienevorschriften sind Infektionen hier zurückgegangen. Die Klinik hat dafür speziell einen Krankenhaushygieniker eingestellt. Durch Desinfektion der Hände vor und nach jedem Patientenkontakt kann das Risiko einer Infektion ganz einfach minimiert werden. Doch im Alltag ist das nicht immer ganz einfach. Ärzte und Pflegepersonal arbeiten unter hohen Zeitdruck, weil zu wenig Personal eingeteilt wird und sie von einem Patienten zum anderen hetzten.

Das 'Aktionsbündnis für Patientensicherung' fordert darum einen Stellenschlüssel von einer Pflegekraft für höchstens zwei Patienten auf der Intensivstation, und einer Pflegekraft für sieben Patienten in allen anderen Abteilungen. Viele Kliniken können das allerdings kaum umsetzten, wie Wegermann erklärt: "Tatsache ist, dass wir alle in den Krankenhäusern das natürlich nicht mehr so leben können. Bedingt durch unsere Vorgaben und durch das Abrechnungssystem werden die Personalressourcen in den Krankenhäusern immer knapper."

Auch die Weltgesundheitsorganisation 'WHO' schlägt Alarm. Bis zum Jahr 2050 könnte sich die Zahl der Todesopfer durch Krankenhauskeime weltweit von derzeit 700.000 auf 10 Millionen ausbreiten. Schuld sind die tonnenweise in der Massentierhaltung eingesetzte Antibiotika. Dazu kommt, dass Antibiotika zu häufig bei vergleichsweise harmlosen Krankheiten verschrieben werden. So werden multiresistente Keime geradezu gezüchtet.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, ist eine weltweit einheitliche Strategie notwendig. Die Aktion 'Saubere Hände' in der Asklepiosklinik in Weißenfels ist ein erster wichtiger Schritt, um vermeidbare Infektionen in Zukunft zu verhindern.