RTL News>News>

Gefährliche Arbeit im Jobcenter: Tödliche Messerattacke auf Gutachter

Gefährliche Arbeit im Jobcenter: Tödliche Messerattacke auf Gutachter

Noch kein Motiv bekannt

Bei einer Messerattacke im Jobcenter von Rothenburg ob der Tauber ist ein Gutachter ums Leben gekommen. Der 61-Jährige starb noch am Tatort an seinen schweren Verletzungen, wie die Polizei in Mittelfranken mitteilte. Nach ersten Erkenntnissen war das Opfer gegen Mittag von einem 28 Jahre alten Mann attackiert worden.

Bis in die Nacht hinein sicherten die Ermittler am Tatort die Spuren. Doch warum der Kunde des Jobcenters den Gutachter erstochen hat, ist bisher unklar. "Die Polizei gibt nur wenige Informationen heraus. Klar ist aber, der 28-jährige hat sich bei seiner Attacke hier im Jobcenter an der Hand verletzt. Angeblich als er von Mitarbeitern überwältigt wurde", berichtet RTL-Reporterin Ines Barth.

Es ist nicht der erste gewaltsame Vorfall in einem Jobcenter. In Frankfurt hat 2011 eine Frau einen Beamten mit einem Messer verletzt. Sie wurde anschließend von der Polizei erschossen. Im nordrhein-westfälischen Neuss hat 2012 ein Mann eine Mitarbeiterin erstochen. Und 2013 griff ein Kunde in Leipzig eine Mitarbeiterin mit einem Hammer an und verletzte sie schwer. Aus Sicherheitsgründen sind in vielen Jobcentern deshalb die Stühle festgeschraubt. Mit Notfalltasten am Computer können Berater Alarm auslösen und Hilfe rufen.

Noch größere Sicherheitsmaßnahmen sind bei einer solchen Arbeit kaum möglich, ohne grotesk zu wirken. "Es geht bei uns einfach darum, den um den Spagat zwischen Sicherheit und Bürgernähe hinzubekommen. Denn wir können unsere Kunden auch nicht vertrauensvoll hinter Panzerglas beraten", sagt ein Münchner Jobcentermitarbeiter.

Staatsanwalt geht von Mord aus

Bei dem getöteten Gutachter handelte es sich nicht um einen festen Mitarbeiter der Behörde, er wurde er in bestimmten Einzelfällen hinzugezogen. Inoffizielle Informationen, wonach es sich um einen Psychologen handelte, wurden nicht bestätigt. Die Leiche des Mannes soll nun obduziert werden.

Den Angreifer konnten die Ermittler noch nicht ausführlich vernehmen: Er wurde für eine Operation ins Klinikum Würzburg gebracht. Daher ist auch noch unklar, ob er mit dem Vorsatz, sein Opfer umzubringen, ins Jobcenter gekommen war oder sich spontan zu der Bluttat hinreißen ließ. Nach derzeitigem Stand geht der zuständige Staatsanwalt vom Tatbestand des Mordes aus. „Wir sind absolut betroffen und bestürzt“, sagte der Landrat des Kreises Ansbach, Jürgen Ludwig (CSU). Um die sieben Beschäftigten des Jobcenters habe sich sogleich ein Notfall-Seelsorger gekümmert. „Die Mitarbeiter sind eng zusammengerückt und geben sich Halt“, schilderte Ludwig.

Die Einrichtung soll nun zunächst geschlossen bleiben, Kunden werden an andere Dienststellen verwiesen. Jobcenter sind für die Vermittlung von Arbeitslosen zuständig und übernehmen auch die Abwicklung der Grundsicherung, die als Hartz IV bekannt ist und unter anderem Langzeitarbeitslosen ausgezahlt wird.