Gedenken an unsere Corona-Toten

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ruft die Aktion #lichtfenster ins Leben

Das am 22.01.2021 zur Verfügung gestellte Foto zeigt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der mit einem Licht in einem Fenster von Schloss Bellevue ein Zeichen des gemeinsamen Gedenkens setzt und zur Aktion #lichtfenster aufruft. | Handout
Das am 22.01.2021 zur Verfügung gestellte Foto zeigt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der mit einem Licht in einem Fenster von Schloss Bellevue ein Zeichen des gemeinsamen Gedenkens setzt und zur Aktion #lichtfenster aufruft. | Handout
© picture alliance/dpa/Bundespresseamt |, dpa, Jesco Denzel

25. Januar 2021 - 8:48 Uhr

Von Heike Boese

Allein in Deutschland hat das Corona-Virus bisher mehr als 50.000 Tote gefordert. Und es ist jetzt schon traurige Gewissheit, dass es noch mehr werden. Viele, zu viele, der Todesopfer sind allein gestorben, isoliert in Pflegeheimen und auf Intensivstationen, angeschlossen an Beatmungsmaschinen und Überwachungsmonitore. Jetzt ruft der Bundespräsident eine Gedenkaktion ins Leben: Er fordert die Menschen in Deutschland auf, jeden Abend eine Kerze ins Fenster zu stellen, in Erinnerung an die Menschen, die nun wegen Corona nicht mehr unter uns sind.

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Für die Öffentlichkeit sind die Corona-Toten eine statistische Größe

dpatopbilder - 19.01.2021, Nordrhein-Westfalen, Dülmen: Ein Sarg mit einem Verstorbenen mit der Aufschrift "Covid 19" und dem Zeichen "Biohazard" wird von einem Bestatter in das Krematorium "Feuerbestattungen Dülmen" eingeliefert. Foto: Rolf Vennenbe
Ein Sarg mit einem Verstorbenen mit der Aufschrift "Covid 19" und dem Zeichen "Biohazard"
© dpa, Rolf Vennenbernd, ve tba

Aus Angst vor einer Ansteckung und damit weiteren Ausbreitung des Virus durften Angehörige nicht zu ihren sterbenden Großeltern, Müttern und Vätern, Männern und Frauen, in einigen Gott sei Dank wenigen Fällen auch nicht zu ihren Kindern. Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und inzwischen Vorsitzender der CDU, hat in einem Interview kurz vor Weihnachten die Angehörigen der Toten um Verzeihung für diese grausame Konsequenz politischer Entscheidungen gebeten. "Das ist ein Schaden, den wir nicht wieder gutmachen können. Irreparabel. Nicht korrigierbar."

Neben der individuellen Trauer um Angehörige, Freunde und Bekannte werden die Toten von der großen Öffentlichkeit bisher nur als statistische Größe zur Kenntnis genommen. Uns interessiert mehr die Zahl der Neuinfektionen und die sogenannte Inzidenz, die besagt, wieviel Neuerkrankungen es pro 100.000 Einwohner und Woche gibt. Erst wenn diese Inzidenz unter 50 fällt, besteht Hoffnung auf ein Ende der Einschränkungen durch den Lockdown. Wir zeigen mehr Interesse an unserem eigenen Leben als am Tod fremder Menschen. Das ist nicht kalt, nicht herzlos, das ist sehr menschlich.

Stellen Sie eine Kerze in Ihr Fenster

Deshalb ist es Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass der Toten anständig gedacht wird – im Kleinen wie im Großen. Der Bundespräsident hat die Initiative #lichtfenster ins Leben gerufen, die die Deutschen auffordert, bei Anbruch der Dunkelheit eine Kerze ins Fenster zu stellen. Für Frank-Walter Steinmeier ist diese Kerze "ein Licht der Trauer, der Anteilnahme, des Mitgefühls".

Bei ntv.de erklärt der Bundespräsident seine Motivation für diese Aktion: "Wir zeigen unser Mitgefühl mit denen, die einsam sterben und denen, die um sie trauern. Wir trauen mit ihnen und wollen zeigen, wir stehen zusammen – gerade in diesen dunklen Zeiten. Dafür steht das Licht, das uns den Weg in hellere Tage weist." Steinmeier selbst wird eine Kerze in das Fenster über dem Eingangsportal von Schloss Bellevue stellen – für jeden sichtbar im dunklen Berliner Winter. Zunächst bis Ende Januar.

Steinmeier kündigt zentrale Gedenkfeier an

Gleichzeitig kündigt der Bundespräsident eine zentrale Gedenkfeier für die Corona-Toten an. Wie dieses Gedenken aussieht, hängt dann vor allem vom Infektionsgeschehen ab. Die Bundeskanzlerin und der Bundestagspräsident werden sicher dabei sein und auch die Vertreter der Kirchen, wahrscheinlich auch Angehörige von Verstorbenen und Ärzte und Pfleger. Das alles steht noch nicht fest.

Für so einen traurigen Anlass gibt es keine Blaupause, auf die das Protokoll zurückgreifen kann. Auch ein genaues Datum steht noch nicht fest. Nach Ostern soll es sein, wenn die Tage wieder heller sind und die dunkelste Zeit überstanden ist.

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