Doch ihr Freund stellt alle ihre Dates für sie nach

Sophie Clayton vergisst durch Gedächtnisverlust ihre große Liebe

30. Juni 2020 - 15:40 Uhr

26 Jahre Leben - auf einen Schlag ist die Erinnerung weg

Es ist ein bisschen wie im Film "50 Erste Dates" mit Drew Barrymore und Adam Sandler. Von einer auf die andere Sekunde hat Sophie Clayton (26) ihr gesamtes Leben vergessen und damit auch die Menschen, die sie mal geliebt hat. Schuld ist eine seltene Störung des Nervensystems. Doch ihr Freund Jonathan will die Liebe seines Lebens nicht aufgeben. Und schmiedet einen Plan: Er stellt bedeutende Dates ihrer Beziehung nach – zum Beispiel das romantische Picknick in ihrem Lieblingspark. Doch kann das klappen? Werden die beiden wirklich wieder ein Paar? Das sehen Sie im Video.

"Es war so schwer zu hören, dass sie nicht weiß, wer ich bin"

Begonnen hat alles im November 2019: Sophie machte sich gerade für die Arbeit fertig, als plötzlich ihre Nase anfing zu bluten. "Wir haben erstmal hysterisch gelacht, wir fanden es wirklich lustig. Dann fing sie an, sich am Auge zu reiben, nahm ihre Hand weg, und Blut tropfte aus ihrem linken Auge. Und an diesem Punkt wusste ich, dass die Lage ernst ist", erzählt ihre Mutter Julie Clayton im RTL-Interview. 
 
Sophie wurde sofort in St. George's Hospital in Tooting im Süden Londons gebracht, weil auch ihre linke Seite plötzlich gelähmt war. Doch schon da sind alle Erinnerungen der letzten 26 Jahre komplett aus Sophies Gedächtnis verschwunden. Auch ihren Freund Jonathan, mit dem sie zu dem Zeitpunkt zweieinhalb Jahre zusammen war, erkennt sie nicht mehr. "Das hat mein Herz gebrochen. Es war so schwer zu hören, dass sie nicht weiß, wer ich bin. Und dann gehen einem natürlich Gedanken durch den Kopf, was passiert, wenn sie mich nicht mehr mag, was passiert, wenn sie mich nicht mehr lieben will und nicht mehr mit mir zusammen sein will?", erzählt Jonathan.

Wieso hat Sophie ihr Gedächtnis verloren?

Im Krankenhaus machten die Ärzte daraufhin viele Tests, um die Ursache für den Gedächtnisverlust herauszufinden. Einen Schlaganfall und eine Meningitis konnten sie ausschließen. Nach zehn Tagen im Krankenhaus wurde klar: Sophie leidet an einer seltenen funktionellen neurologische Störung (FNS) - eine Erkrankung, bei der die Signale zwischen Gehirn und Nervensystem unterbrochen werden. In Sophies Fall hatte es einen kleinen Druck auf ihr Gehirn gegeben, und als das Nasenbluten diesen Druck löste, löste dies ihren Zustand aus. "Häufig werden solche Störungen durch Depressionen oder Stress ausgelöst", erklärt Sophie Clayton gegenüber der "SUN". "Aber ich habe nie darunter gelitten. Ärzte denken jetzt, dass es ein Geburtsfehler ist. Und das hätte mir jederzeit passieren können."

Auch diese Frau verlor ihr Gedächtnis. Schuld daran war ein Schlaganfall durch Präeklampsie bei der Geburt.

50 erste Dates - und ein Happy End?

Ob Sophie ihre Erinnerungen jemals zurück bekommt, ist völlig unklar. Sie muss alles wieder neu lernen: Gehen, Schreiben, Essen und sogar Sprechen. Doch ihre Familie steht zu ihr und begleitet sie durch die schwierige Zeit. Und auch Jonathan kämpft für die Liebe seines Lebens. Er schaut alte Fotos mit ihr an und stellt jedes einzelne Dates ihrer gemeinsamen Jahre nach, egal ob das romantische Picknick in ihrem Lieblingspark oder das Date an dem Abend, an dem er sie zum ersten Mal gefragt hat, ob sie seine Freundin werden will. "Eines unserer ersten Treffen war auf dem Weihnachtsmarkt in Bath. Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, brachte mich Jonathan dorthin zurück. Es tat auch weh, dass ich mich nicht an diese Erinnerungen erinnern konnte, die wir teilten, aber ich habe es geliebt, dass er sie neu erschaffen hat", erzählt Sophie. Wie die Geschichte weiter geht und ob sich Sophie erneut in ihren Jonathan verliebt hat, das sehen Sie im Video. 

Laut einer Studie kann Stress zu Gedächtnisverlust und Hirnschäden noch vor dem 50. Lebensjahr führen. Warum das so ist und wie Sie sich schützen können, erfahren Sie hier. 

Was ist eine Funktionelle Neurologische Störung (FNS)?

Als funktionelle neurologische Störungen (FNS) werden neurologische Symptome bezeichnet, die nicht durch eine Schädigung von Organsystemen (z.B. durch Multiple Sklerose, Schlaganfälle oder bei einer Epilepsie) erklärt werden können. Menschen mit FNS können eine Vielzahl von Symptomen aufweisen, darunter:

  • Schwäche und abnormale Bewegungsmuster (z. B. Zittern, abnormale Haltung der Gliedmaßen, Gangprobleme)
  • Anfälle abnormaler Bewegung / Bewusstseinsveränderung, die epileptischen Anfällen ähneln
  • Sensorische Probleme
  • Kognitive Probleme
  • Seh- und Sprachprobleme

Die Symptome entziehen sich der bewussten Kontrolle, sie sind weder vorgetäuscht noch eingebildet. Man geht heute davon aus, dass FNS häufig in der Folge einer gesteigerten Verletzlichkeit, wie etwa nach Unfällen, körperlichen Erkrankungen und belastenden Lebensereignissen auftreten.

Menschen mit FNS scheinen die Fähigkeit zu verlieren, ihren Körper normal zu kontrollieren oder darauf zuzugreifen. Die "Grundverdrahtung" des Nervensystems ist intakt, aber wenn Menschen mit FNS versuchen, sich damit zu bewegen, zu fühlen oder zu denken, können sie es nicht normal steuern. Nach Schätzungen leiden in Deutschland bis zu 400.000 Menschen daran.

Quellen: AOK, Sheffield Teaching Hospitals, Medical News Today