Gasleck an Nordsee-Plattform: Umweltsprecher warnen vor "Bohrloch der Hölle"

28. März 2012 - 22:56 Uhr

Es strömt weiter hochexplosives Gas aus

Dramatischer Kampf mit dem Gas in der Nordsee: Nach der Evakuierung einer Gas- und Ölförderplattform vor der schottischen Küste wächst die Sorge vor einer Umweltkatastrophe.

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Nach der Evakuierung einer Gas- und Ölförderplattform vor der schottischen Küste wächst die Sorge vor einer Umweltkatastrophe.
© dpa

An der Bohrinsel 'Elgin' des Betreibers Total strömt nach offiziellen Angaben weiter unkontrolliert giftiges, hochexplosives Gas aus. An der Wasseroberfläche breitete sich ein Ölfilm aus. Die Behörden richteten eine Sperrzone um die Bohrinsel ein, die etwa 240 Kilometer von der Stadt Aberdeen entfernt liegt. Umweltaktivisten sprechen von einem "Bohrloch der Hölle".

Die norwegische Umweltgruppe Bellona sprach von einem Horrorszenario. "Das Problem ist außer Kontrolle geraten", sagte Bellona-Chef Frederic Hauge. Bevor die Arbeiter auf der Plattform in Sicherheit gebracht worden seien, hätten sie sich 14 Stunden um eine Eindämmung des Problems bemüht. Auch Greenpeace zeigte sich alarmiert und kritisierte die britische Regierung, die die Ausbeutung von besonders tief gelegenen Rohstoffvorkommen in der Nordsee mit speziellen Anreizen noch gefördert habe. Das Gasfeld von 'Elgin' liegt etwa 6.000 Meter unter dem Meeresboden.

Der Ölkonzern Royal Dutch Shell evakuierte seine nahegelegene Förderplattform Shearwater. Nach Angaben von Total könnte es bis zu sechs Monate dauern, bis das Leck gestoppt ist. Der Vorfall weckte Erinnerungen an die Explosion der BP -Förderplattform 'Deepwater Horizon' und die anschließende Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko vor knapp zwei Jahren.

Mit Spezialtechnik gegen Umweltkatastrophe

Der britische Umweltminister Charles Hendry bescheinigte dem Konzern und den Behörden ein gutes Krisenmanagement. "Bislang sind alle Vorschriften eingehalten und die richtigen Schritte eingeleitet worden." Es seien keine größeren Mengen Öl in die Umwelt gelangt. Der Ölfilm auf der Meeresoberfläche sei kleiner als ein Olympia-Schwimmbecken. Dennoch nehme die Regierung die Lage ernst.

Die Behörden richteten eine Sperrzone um die Bohrinsel ein. Schiffe dürfen demnach nicht näher als zwei Meilen (rund 3,2 Kilometer) an die Plattform heranfahren. Flugzeuge, die tiefer als 1.200 Meter fliegen, dürfen nicht näher als drei Meilen (rund 4,8 Kilometer) an die Bohrinsel herankommen. Damit ist der Einsatz von Hubschraubern praktisch unmöglich.

Für die Öffentlichkeit an Land besteht nach Angaben der Behörden aber keine unmittelbare Gefahr. Das ausströmende Gas enthalte aber giftigen Schwefelwasserstoff, weshalb Personen direkt am Leck gefährdet seien. Dies dürfte auch der Grund gewesen sein, weshalb Total die Plattform bereits am Sonntag evakuieren ließ und die 238 Arbeiter vor Ort in Sicherheit brachte. Nach Angaben der Behörden wird sich das nach faulen Eiern riechende Gas mit der Zeit in die Atmosphäre verflüchtigen.

Mit Spezialtechnik will Total gegen eine drohende Umweltkatastrophe vorgehen. Der Konzern habe das Überwachungsschiff 'Highland Fortress' in Stellung gebracht, sagte ein Total-Sprecher. Das Schiff verfüge auch über ein ferngesteuertes Mini-U-Boot, mit dem Unterwasseraufnahmen gemacht werden können. Diese Technik sei aber bisher nicht zum Einsatz gekommen, sagte ein Total-Sprecher.

Aus allen Konzernbereichen zusammengezogene Experten berieten derzeit darüber, wie das Problem in den Griff zu bekommen sei. In Frage komme eine Entlastungsbohrung, die aber bis zu sechs Monate dauern könne. Auch ein sogenannter "Kill" mit einer Schlamminjektion komme in Betracht. Eine Entscheidung, für welche Methode sich der Konzern entscheide, sei aber noch nicht getroffen. Bestes Szenario sei, dass der Gasfluss von alleine versiege, hieß es.

An der 'Elgin'-Plattform förderte Total täglich neun Millionen Kubikmeter Gas, was drei Prozent der britischen Gesamtfördermenge von Erdgas entspricht. Zudem wurden an der Bohrinsel täglich 60.000 Barrel Leichtöl gewonnen, was rund 5,5 Prozent der britischen Gesamtfördermenge von Erdöl entspricht. Nach der Evakuierung der Plattform zog der Gaspreis an.

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