Spieler infiziert

Corona-Superspreaderin von Garmisch-Partenkirchen: Ganzer Fußballverein muss in Quarantäne

18. September 2020 - 11:03 Uhr

Trainer: "Das macht einen schon sehr wütend"

Quarantäne missachtet und andere gefährdet: Der Fall der möglichen Superspreaderin von Garmisch-Partenkirchen zieht immer weitere Kreise. Nun musste ein ganzer Fußballverein in Quarantäne, weil einer der Spieler positiv auf das Coronavirus getestet worden ist – wahrscheinlich hatte er zuvor Kontakt zu Yasmin A. (26). Die Spur führt ins "Edelweiss Lodge and Resort". Unterdessen gab der Landrat von Garmisch-Partenkirchen bekannt, dass von 700 weiteren Tests nur drei positiv ausfielen.

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Coach sauer über "grob fahrlässiges Verhalten"

Die mutmaßliche Superspreaderin lebt und arbeitet im Edelweiss Lodge and Resort Garmisch, einer Urlaubs- und Erholungseinrichtung der US-Streitkräfte.
Im "Edelweiss Lodge and Resort" in Garmisch Partenkirchen arbeitet Yasmin A.

Die 26-jährige Amerikanerin lebt seit anderthalb Jahren in Garmisch-Partenkirchen, arbeitet im "Edelweiss Lodge and Resort", einem von US-Streitkräften betriebenen Erholungshotel für amerikanische Soldaten und deren Familien. Dort soll es inzwischen 24 Infizierte geben – unter ihnen auch ein Spieler des 1. FC Garmisch-Partenkirchen, der hier wie Yasmin A. angestellt ist. Nun müssen er und seine 13 Teamkollegen sowie Betreuer und Trainer in häusliche Quarantäne. Und das mitten in der Vorbereitung für den Wiedereinstieg in die Saison. Nun muss virtuell trainiert werden, bis am 26. September das erste Spiel ansteht.

Dass Yasmin A. munter durch Kneipen zog, obwohl sie Symptome hatte, obwohl das Ergebnis eines Coronatests noch ausstand und obwohl sie sich eigentlich in Quarantäne begeben sollte, dafür hat der Trainer des Vereins kein Verständnis. Wie so viele andere in Garmisch-Partenkirchen auch, die nun mit den Folgen leben müssen. Es dürfen sich nur noch maximal fünf Personen im öffentlichen Raum treffen, Privatfeiern wurden auf 50 Personen begrenzt, alle Bars müssen nach 22 Uhr schließen.

"Das ist natürlich der absolut schlimmste Fall der eintreten kann, sportlich gesehen", so FC-Coach Christoph Saller im RTL-Interview. "Da wird man durch ein so grob fahrlässiges Verhalten persönlich betroffen, das macht einen schon sehr sehr wütend."

Drei von 700 weiteren Corona-Tests positiv

Ob die Covid-19-Infektionen in Garmisch-Partenkirchen tatsächlich allesamt auf das Konto der 26-Jährigen gehen, muss nun geklärt werden. Nach dem Corona-Ausbruch seien in den letzten Tagen 1.000 weitere Tests durchgeführt worden, erklärte Anton Speer, Landrat von Garmisch-Partenkirchen. Nur bei drei von bisher 700 ausgewerteten Proben sei das Ergebnis positiv gewesen. Die Ergebnisse von 300 Tests stünden noch aus. Bei den positiv getesteten Personen handelt es sich dem Landrat zufolge um Mitarbeiter und Gäste einer Bar, in der sich auch die anderen positiv getesteten Personen angesteckt hatten.

Der Landrat appelliert an "alle jungen Leute, die zu diesem Zeitpunkt in den Bars unterwegs waren", sich testen zu lassen. "Nach unserem Kenntnisstand sind alle positiv getesteten Personen in Quarantäne", so Speer. Die Ermittlungen gegen die 26-Jährige laufen. Insgesamt gibt es aktuell 59 bestätigte positive Fälle.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Yasmin A.

Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen die Frau, die möglicherweise zur "Superspreaderin" (deutsch: Superverbreiterin) wurde. Es gehe um den Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung.

Doch schon jetzt werden Stimmen laut, die eine harte Bestrafung fordern. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dazu dem "Bayerischen Rundfunk", die Frau habe bei ihrer Kneipentour "besonders rücksichtslos gehandelt". Es sei wichtig, dass deutlich gemacht werde: "So geht es nicht. Wir sind nicht bereit das hinzunehmen und zwar nicht wegen formalen Gesetzesvollzugs, sondern weil hier Menschen in ihrer Gesundheit gefährdet werden, wenn sich andere so aufführen." Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte Konsequenzen. "Garmisch-Partenkirchen ist ein Musterfall für Unvernunft. Dieser Leichtsinn muss auch Konsequenzen haben." Es sei sinnvoll, mit "hohen Bußgeldern" zu agieren.