Ex-Flugbegleiterin erklärt wichtige Regeln

Ganz schön unheimlich! Aus diesem Grund müssen Sonnenblenden bei Start und Landung geöffnet sein

Eine junge Frau sitzt im Flugzeug auf einem Fensterplatz und schaut aus dem Fenster in den Himmel.
Bei der Landung sollten die Sonnenblenden immer geöffnet sein - und das hat einen guten Grund!
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von Svenja Hoffmann

„Bitte öffnen Sie die Sonnenblenden!“ Eine Aufforderung, den jeder Fluggast schon mehrfach gehört haben dürfte. Doch was hat es mit dieser Bitte der Flugbegleiter auf sich? Und warum wird das Licht während Start und Landung eigentlich ausgeschaltet, obwohl es draußen dunkel ist? Wir erklären, was hinter diesen und weiteren wichtigen Flugzeug-Regeln steckt.

Bitte öffnen Sie die Sonnenblenden

Man hat es sich am Fenster gemütlich gemacht und die Sonnenblende heruntergezogen, damit das grelle Licht den Schlaf nicht stört – doch dann kommt ein Flugbegleiter und bittet, die Sonnenblende wieder hochzuschieben. Was steckt dahinter?

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Tatsächlich sind Start und Landung während eines Fluges die beiden Phasen, die das größte Sicherheitsrisiko bergen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sowohl die Situation innerhalb als auch außerhalb des Fliegers stets überwacht wird. Während die Flugbegleiter von ihren Plätzen aus jederzeit einen guten Blick in die Flugzeugkabine haben, ist ihr Blick nach außen sehr eingeschränkt – lediglich ein kleines Flugzeugfenster steht ihnen zur Verfügung. Deswegen ist es umso wichtiger, dass auch die Passagiere während Start und Landung freie Sicht nach außen haben, um die Flugbegleiter umgehend informieren zu können, sollten sie draußen eine Gefahr bemerken – beispielsweise Rauch oder Feuer, das von den Triebwerken ausgeht. Die Passagiere sind somit die „erweiterten Augen“ der Flugbegleiter.

Interessant: Auch während eines Fluges kann es vorkommen, dass Flugbegleiter durch den Flieger gehen und die Gäste bitten, die Verdunklungen vor den kleinen Flugzeugfenstern zu verstellen. Doch anders als bei Start und Landung werden Passagiere dann gebeten, die Blenden zu schließen. Meist passiert das, wenn während eines Nachtfluges früh die Sonne vor dem Flugzeugfenster aufgeht. Die Crew möchte gewährleisten, dass Passagiere so lange wie möglich schlafen können und nicht von den ersten Sonnenstrahlen des Tages geweckt werden.

Wir werden das Licht in der Kabine jetzt abdunkeln

Ein weiterer Sachverhalt, der ebenfalls vor Start und Landung zu beobachten ist: Das Kabinenlicht wird abgedunkelt oder zum Teil sogar vollständig ausgeschaltet. Und das, obwohl es draußen dunkel ist. Warum das so ist?

Man muss wohl eher sagen, weil es draußen dunkel ist. Denn auch das Ausschalten der Kabinenbeleuchtung dient der Sicherheit. Durch diese Maßnahme soll sichergestellt werden, dass sich die Augen von Besatzung und Passagieren an die Lichtverhältnisse außerhalb des Flugzeuges gewöhnen. Sollte es nämlich zu einem Notfall kommen und das Flugzeug müsste evakuiert werden, könnte es sonst zu einer Desorientierung kommen. Sobald die kritische Phase vorüber ist, wird das Kabinenlicht wieder eingeschaltet. Das ist auch der Moment, ab dem Crew und Fluggäste ihre Sitzplätze wieder verlassen dürfen.

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Bitte nicht stören, jetzt wird es ernst

Besonders in größeren Maschinen gibt es Flugbegleitersitze, die sich inmitten der Passagiere befinden. Hier setzen sich Crew-Mitglieder während Start und Landung hin, wenn auch sie sich nicht durch den Flieger bewegen dürfen – eine gute Gelegenheit für umsitzende Passagiere, die Besatzung mit Fragen zu löchern. Oder etwa nicht?

Tatsächlich haben Flugbegleiter in der Zeit, wo sie „nur sitzen“, eine wichtige Aufgabe zu erledigen – auch wenn das nicht im klassischen Sinne sichtbar ist. Während der risikoreichen Phase des Starts und der Landung muss die Besatzung jederzeit auf einen möglichen Notfall vorbereitet sein, muss innerhalb von Sekunden reaktionsfähig sein, Kommandos und Handgriffe abrufen können. Daher gehen Flugbegleiter, während sie auf ihren Jumpseats (so nennt man die Flugbegleitersitze) sitzen, jegliche Szenarien durch. Sie rufen im Kopf Evakuierungskommandos ab und gehen Besonderheiten der Flugzeugtür durch, in deren Nähe sie sitzen. Denn Tür ist nicht gleich Tür: Unterschiedliche Türen verfügen teilweise über unterschiedliche Notrutschen, die jeweils anders bedient werden. Auch Kommandos variieren von Tür zu Tür. Es liegt also nicht daran, dass Flugbegleiter sich in dieser Phase nicht mit den Passagieren unterhalten möchten, wenn sie sich nicht auf ein Gespräch einlassen, sondern vielmehr daran, dass sie in dieser Phase nur eines im Kopf haben: die Sicherheit ihrer Fluggäste.

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