Ganz Europa in Schockfrost-Starre

10. Februar 2016 - 12:57 Uhr

Es bleibt bis mindestens Mitte Februar kalt - Kälterekord in Bulgarien

Das Hoch 'Cooper' macht es sich richtig gemütlich über Kerneuropa – es wird sozusagen tierisch sibirisch! Die Kältewelle, die aus dem Osten zu uns herübergekommen ist, macht keine Anstalten zu weichen. Europa wird ein Eisschrank. Nach den derzeitigen Wettermodellen bleibt uns die Kälte dank des nächsten Hochs 'Dieter' bis mindestens zum zweiten Februar-Wochenende erhalten.

Stralsunder Hafen
In Stralsund ist der Hafen zugefroren. Auch auf der Oder geht nicht mehr viel. Die Kälte hat Europa bei Temperaturen bis minus 20 Grad im Griff.
© dpa, Stefan Sauer

Allerdings werden die kommenden Tage die mit Abstand kältesten. Zweistellige Minusgrade sind keine Seltenheit, vor allem im Osten und im Süden Deutschlands. Über Schnee kann es 20 Grad unter null werden. Wegen der anhaltenden Minusgrade ist die Oder weitgehend zugefroren. Die Schifffahrt wird dort teilweise eingestellt. Die Autofahrer haben sich bisher gut auf die Kälte eingestellt, es gab nur vereinzelt Unfälle durch Glätte.

Da die Kältewelle aus Sibirien kommt, ist die Luft sehr trocken, klassisch kontinental. Es wird also kaum Niederschläge geben, daher hält sich die Glätte auch in Grenzen. Allerdings hat das stabile Hoch schon viele Obdachlose in Europa das Leben gekostet. In der Ukraine starben inzwischen mindestens 30 Menschen bei bitterem Frost, wie das Zivilschutzministerium in Kiew mitteilte. Hunderte Menschen liegen im Ausrichterland der Fußballeuropameisterschaft 2012 mit Erfrierungen in Krankenhäusern. Die Behörden schlossen über 3.200 Schulen - mehr als 400.000 Schülern hatten kältefrei.

In Sibirien geht alles seinen gewohnten Gang – bei minus 54 Grad

Auch gen Mittelmeer krallte sich die sibirische Kälte fest. Bei Werten bis minus 29 Grad wurde in ganz Bulgarien die zweithöchste Warnstufe ausgerufen. Hinzu kam noch eine Grippewelle - an mehr als 450 Schulen fiel der Unterricht aus. Medien berichteten über mindestens acht Erfrorene seit dem Kälteeinbruch am Wochenende. Am kältesten war es in der Kleinstadt Knescha im Nordwesten des Balkanlandes. Damit wurde ein Rekord aus dem Jahr 1942 übertroffen.

Im Norden Griechenlands sackte die Quecksilbersäule auf minus zwölf Grad, wie das Wetteramt mitteilte. Zahlreiche Schulen in Mittelgriechenland blieben geschlossen. Viele Fähren fielen wegen stürmischer Winde in der Ägäis aus. In Athen herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt. In der Metropole, in der auch wegen der Finanzkrise 20.000 Menschen obdachlos sind, wurden Hallen geöffnet, damit diese Menschen Zuflucht finden können.

In Polen machte die Kälte der Wasserversorgung für Tausende Menschen den Garaus: Der Frost hatte Wasserrohre bersten lassen. Betroffen waren vor allem Altbauten. So waren im oberschlesischen Kluczbork seit dem Morgen etwa 7.000 Menschen ohne Wasser. Auch in Warschau mussten mehrere Siedlungen ohne Wasser auskommen. Nachdem bereits in den vergangenen Tagen zehn Menschen erfroren waren, wollte die Stadtverwaltung in der Nacht zum Mittwoch an mehr als 40 Haltestellen der Busse und Bahnen Feuerstellen zum Wärmen aufstellen.

In Sibirien selbst ist die Kälte nichts Ungewöhnliches. In Oimjakon, am sogenannten 'Kältepol', herrschen derzeit Temperaturen von minus 54 Grad. Die Menschen dort verkaufen Milch in Form von Eisblöcken, Flüsse werden zu Straßen für LKW. Wenn man bei dieser Kälte heißen Tee in die Luft schüttet, gefriert der Tee sofort und fällt als 'Kristall-Feuerwerk' zu Boden.