Galatasaray Istanbul im Champions-League-Check

Seine Tore brachten Galatasaray überhaupt erst ins Viertelfinale: Burak Yilmaz.
Seine Tore brachten Galatasaray überhaupt erst ins Viertelfinale: Burak Yilmaz.
© dpa, Str

09. April 2013 - 19:20 Uhr

Nach drei Jahren Abstinenz schaffte es der türkische Traditionsverein als Meister wieder auf die ganz große Bühne des europäischen Fußballs, doch nach einem katastrophalen Start schien das Abenteuer Champions League schon wieder vorbei. Auf nur einen Punkt aus den ersten drei Vorrundenspielen folgten drei Siege, die den erfolgreichsten Verein vom Bosporus noch sensationell in das Achtelfinale katapultierten.

Dort galten die 'Aslanar' (Löwen) gegen Schalke eigentlich als Außenseiter, doch durch die Verpflichtungen von Altstar Didier Drogba und Wesley Sneijder begann beim Revierclub das große Zittern – zu Recht: Durch großen Kampf und einer gehörigen Portion Glück gewann 'Gala' das Duell gegen Schalke und lässt seine fanatischen Fans nach dem UEFA-Cup-Sieg 2000 vom größten Triumph der Vereinsgeschichte träumen. Im Viertelfinale wartet mit Real Madrid jetzt allerdings ein ganz, ganz dicker Brocken.

Taktische Ausrichtung

Im Gegensatz zu fast allen europäischen Top-Clubs spielt Galatasaray nur mit einem klassischen Sechser. Dadurch ist die Mannschaft von Trainer Fatih Terim zwar in der Offensive schwieriger auszumachen, beim Umschalten von Angriff auf Abwehr fehlt damit aber auch eine zusätzliche Absicherung. Hamit Altintop und auch Selcuk Inan interpretieren ihre Rollen so offensiv, dass 'Gala' einerseits ein in die gegnerische Hälfte verlagertes Spiel gegen den Ball an den Tag legen kann, dafür andererseits aber auch offen wie das oft zitierte Scheunentor ist.

Der Star der Mannschaft: Burak Yilmaz

Nach den Transfers von Sneijder und Drogba feierten Fans, Medien und Verantwortliche die beiden als Heilsbringer, doch der Erfolgsgarant in der 'Königsklasse' trägt einen anderen Namen: Burak Yilmaz. Der Angreifer ist die Lebensversicherung der Gelb-Roten, erzielte in acht Spielen acht Tore und ist gemeinsam mit Cristiano Ronaldo (Real Madrid) der treffsicherste Spieler dieser Champions-League-Saison. Spiel- und zweikampfstark, immer anspielbar, dazu eiskalt vor dem Tor – der 1,88 Meter große Türke bringt alle Voraussetzungen für einen Top-Stürmer mit.

Neben Burak Yilmaz schwingt sich im Mittelfeld der Brasilianer Felipe Melo als Taktgeber auf. Der 29-Jährige lenkt das Spiel, kann den tödlichen Pass zum Mitspieler bringen, zerstört aber auch immer wieder das gegnerische Spiel. Während die Abwehr auf wackeligen Füßen steht, hat 'Gala' mit dem Uruguayer Fernando Muslera ein Keeper zwischen den Pfosten, der den Gegner zur Verzweiflung treiben kann – fragen Sie mal auf Schalke nach.

So läuft es in der heimischen Liga

Die Chancen stehen gut, dass 'Gala' auch im kommenden Jahr wieder in der 'Königsklasse' vertreten ist. Mit vier Punkten Vorsprung auf den Stadtrivalen Fenerbahce liegt die Terim-Truppe an der Spitze der türkischen Beletage. Genau wie in der Champions League lässt der Trainer auch in der Liga keinen Hurra-, sondern ergebnisorientierten Fußball spielen. Galatasaray stellt weder die beste Offensive noch die beste Abwehr, überzeugt aber im Kollektiv. Das reicht in einer schwachen SüperLig, in der außer Fenerbahce und Besiktas Istanbul nur noch Fallobst spielt, wohl zum Titelgewinn.

Zweifelhafte Geschäftsphilosophie: Was kost' die Welt? Her mit den Stars!

Die Philosophie ist nicht neu, trotzdem aber umstritten: Wie auch bei Fenerbahce gibt es bei Galatasaray im Hintergrund einige Herrschaften, die Spendierhosen tragen. Nach dem Motto 'Was kost' die Welt? Her mit den Stars!' werfen die Türken das Geld förmlich aus dem Fenster, um Erfolge einzufahren.

Dass namhafte Profis wie Melo, Sneijder oder Drogba in Istanbul angeheuert haben, liegt nicht etwa an der sportlichen Perspektive, sondern an den satten Gehaltzahlungen. Um eine Vorstellung zu bekommen: Ein 35 Jahre alter Drogba soll für eineinhalb Jahre zehn Millionen Euro einstreichen, Herr Sneijder verdient jährlich etwa acht Millionen Euro. Damit sich die teuren Einkäufe refinanzieren, wird Galatasaray wohl dauerhaft in der Champions League vertreten sein müssen – eine gefährliche Strategie, Borussia Dortmund als mahnendes Beispiel aus Deutschland lässt schön grüßen.

Fazit

Obwohl Galatasaray bisher Großes geleistet hat, sind die Türken der schwächste Vertreter unter den besten acht Mannschaften in Europa. Mit Spielern wie Melo, Sneijder, Drogba oder Burak Yilmaz haben die 'Löwen' in der Offensive zwar Potenzial, doch Spiele und Titel werden bekanntlich in der Defensive gewonnen – die Achillesferse der 'Löwen'. In der Abwehr fehlt es eigentlich schon an der Qualität, um überhaupt die Gruppenphase zu überstehen, doch bisher hatte 'Gala' schlichtweg so ein Glück, dass man sich nun gegen Real Madrid messen darf.

Sport.de-Tipp

Die beiden Spiele gegen die 'Königlichen' dürften allerdings zur Lehrstunde für die Mannschaft vom Bosporus werden. Zwar haben die Türken den Vorteil, erst auswärts antreten zu dürfen, es muss aber befürchtet werden, dass den 'Löwen' schon dort alle Zähne gezogen werden – zu stark ist die Offensive der Madrilenen. Am Ende wird sich Galatasaray auf die Schulter klopfen, überhaupt so weit gekommen zu sein.