Gaddafi gegen Exil, aber für Waffenstillstand

Tausende Menschen fliehen aus Libyen über dir Grenze nach Tunesien.
© dpa, Mohamed Messara

09. Februar 2016 - 12:33 Uhr

"Niemand kann mir vorschreiben, mein Land zu verlassen"

Nach wochenlangen westlichen Luftangriffen und festgefahrenen Bodenkämpfen wirbt der libysche Machthaber Muammar Gaddafi für eine diplomatische Lösung. "Libyen ist für einen Waffenstillstand bereit, der aber nicht einseitig sein kann", sagte Gaddafi in einer am Samstag ausgestrahlten Fernsehansprache.

Einen Gang ins Exil lehnt er indes ab. "Niemand kann mir vorschreiben, mein Land zu verlassen, und niemand kann mir untersagen, für mein Land zu kämpfen", erklärte Gaddafi in einer am Samstag ausgestrahlten Fernsehansprache. Zudem verlange er Verhandlungen mit der Nato. Libyen könne seine eigenen Probleme lösen, sobald die Luftangriffe der Allianz eingestellt würden.

Nach Wochen mit schnellen Landgewinnen und Rückschlägen auf Seiten der Gaddafi-Truppen und der Aufständischen ist es zu einer Pattsituation gekommen. Weder Rebellen noch Regierungstruppen können einen entscheidenden Durchbruch erzielen. Die Nato, die mit Luftangriffen Zivilisten schützen soll, beobachtet die Entwicklung mit Unruhe. Die Rebellen fordern ein stärkeres Eingreifen. Kritiker monieren, die Allianz überschreite das UN-Mandat und wolle Gaddafi töten.

Die Nato hat in scharfer Form die Bedrohung ihres Mitgliedstaates Italien durch Libyen zurückgewiesen. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen teilte am Samstagabend in Brüssel mit, er verurteile die von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi ausgesprochene Drohung gegen Rom. Gaddafi hatte im Fernsehen laut italienischen Medienberichten gesagt: "Zwischen uns und Italien herrscht offener Krieg."

Über 2.000 Menschen flüchten nach Lampedusa

Unterdessen sind weit mehr als 2.000 Flüchtlinge überwiegend aus Libyen sind binnen eineinhalb Tagen auf der italienischen Insel Lampedusa gelandet. 715 Migranten kamen allein am Samstag bei sehr starkem Wind und hohem Seegang an, berichteten italienische Medien.

Einem weiteren Flüchtlingsboot mit rund 600 Menschen an Bord eilten am Samstag zwei Schiffe der italienischen Küstenwache sowie ein Schlepper zur Hilfe. Von dem Boot war ein Notsignal abgegeben worden, weil die Wellen Wasser ins Schiff spülten. Die Italiener wollten dabei helfen, das Boot sicher nach Lampedusa zu bringen.

Die 715 Flüchtlinge des bereits bei Lampedusa angekommenen Schiffes wurden direkt mit Booten zum Weitertransport auf eine Fähre gebracht, weil die Wetterlage ein Anlegen im Hafen unmöglich machte. Die übrigen über 1.500 Migranten dort sind im Aufnahmelager der Insel untergebracht und sollen ebenfalls mit der Fähre verlegt werden.

Die Flüchtlingscamps in Tunesien an der Grenze zu Libyen sind überfüllt. Seit Kriegsbeginn sind laut Organisation für Migration rund 285.000 Menschen aus Libyen nach Tunesien gekommen, wo nach der Jasminrevolution am staatlichen Neuaufbau gearbeitet wird. Mehr als 173.000 von ihnen stammen aus anderen afrikanischen Staaten. Rund 25.000 Familien aus Libyen sind laut UN privat bei Tunesiern untergekommen.