G20-Gipfel: Dritte Krawallnacht im Schanzenviertel - Polizei greift hart durch

20. Juli 2017 - 11:43 Uhr

De Maizière verteidigt Vorgehensweise

Die Randale nimmt kein Ende. Der G20-Gipfel ist vorbei, Donald Trump, Vladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan waren schon längst wieder auf dem Heimweg, da flogen in Hamburg erneut Flaschen und Steine.

"Haut ab"

Polizisten stehen am 09.07.2017 in Hamburg im Schanzenviertel hinter einer brennenden Barrikade. Am 07. und 08. Juli kamen in der Hansestadt die Regierungschefs der führenden Industrienationen zum G20-Gipfel zusammen. In der Nacht zum 08.07 eskaliert
Auch in der Nacht zu Sonntag brannten wieder Barrikaden.
© dpa, Daniel Bockwoldt, dbo

Vor allem im Schanzenviertel lieferte sich die Polizei in der Nacht zu Sonntag stundenlang ein Katz-und-Maus-Spiel mit Hunderten Krawallmachern. Wieder Barrikaden, wieder Wasserwerfer und Tränengas, wieder brennende Autos. Der gewalttätige Protest hält Hamburg auf Trab.

Die Polizei meldete mehrere Festnahmen. Wieder wurden Polizisten verletzt. Wenn die Hundertschaften anrückten, zerstreuten sich die Gruppen oft und versteckten sich in Nebenstraßen. Sobald die Polizei sich aus einer Straße zurückzog, bauten sie neue Barrikaden auf und zündeten wieder Mülleimer an.

Mehrere Vermummte warfen Flaschen auf Häuser, aus denen ihnen "Haut ab" entgegengerufen wurde. In mehreren Stadtteilen wurden der Polizei zufolge Autos in Brand gesetzt. Schwer bewaffnete Spezialeinsatzkräfte der Polizei zogen zeitweise am Rande des Schanzenviertels auf, griffen aber nicht ins Geschehen ein. Zum Morgen beruhigte sich die Lage deutlich. In der Nacht zum Samstag war es im Schanzenviertel zu schweren Krawallen und Plünderungen von Geschäften gekommen. Die Randalierer hatten zunächst mehrere Stunden lang freie Hand, bis die Polizei mit einem massiven Aufgebot samt Spezialeinsatzkräften einrückte.

Polizei greift frühzeitig durch

Bundesinnenminister Thomas de Maizière verteidigte die Vorgehensweise der Polizei. "Bei diesem Ausmaß an völlig enthemmter Gewalt, die nur darauf gerichtet ist, willkürlich möglichst große Schäden auch bei völlig unbeteiligten Bürgern zu verursachen, kann trotz aller Konsequenz und auch bei bester Vorbereitung nicht jede Ausschreitung erfolgreich sofort unterbunden werden", sagte er der 'Bild am Sonntag'. Man habe erst "robuste Kräfte heranführen" müssen.

Jetzt, in der dritten Nacht der gewalttätigen Proteste, griff die Polizei frühzeitig durch. "Unbeteiligte sollten sich unbedingt aus dem Bereich entfernen", warnte sie. Die Räumung der Straßen im Schanzenviertel wurde mit Angriffen auf Einsatzkräfte begründet. Zudem seien bei einer Sparkassen-Filiale Fenster zu Bruch gegangen. Der S-Bahn-Verkehr in der Innenstadt war erneut zeitweilig gestört, dann wurden alle Sperrungen aufgehoben.

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Diskussion um Hamburg als Austragungsort geht weiter

Im Schanzenviertel hatten sich am Samstagabend wieder mehrere hundert Menschen versammelt. Die Polizei sprach von etwa 600 Personen, die sich auf dem Neuen Pferdemarkt und in der Straße Schulterblatt aufhielten, wo es am Vorabend zu den Krawallen gekommen war. Seit Beginn der Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg seien 144 Personen festgenommen und 144 weitere in Gewahrsam genommen worden. 

Die Diskussion um Hamburg als Austragungsort des G20-Gipfels ging weiter. "Aus unserer Sicht eine Fehlentscheidung, die von Anfang an umstritten war", erklärte die Gewerkschaft der Polizei Bayern. Mit dem Ausmaß an Hass und Gewalt habe niemand gerechnet: "Unsere Einsatzkräfte, auch aus Bayern, mussten um Leib und Leben fürchten." Unter anderem de Maizière hatte zuvor die Kritik an der Auswahl Hamburgs zurückgewiesen: "Es können nicht Demonstranten bestimmen, wohin die Bundeskanzlerin Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt einlädt."

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) warnte, dass die Hamburger Krawalle dem Ansehen des Landes in der Welt schaden. "Deutschlands Bild in der internationalen Öffentlichkeit wird durch die Ereignisse in Hamburg schwer in Mitleidenschaft gezogen", schrieb Gabriel in einem Gastbeitrag in der 'Bild am Sonntag'. Alle angeblichen politischen Motive seien nur ein Deckmantel, während es den Tätern nur um Gewalt an sich gegangen sei. "Die Täter unterscheiden sich überhaupt nicht von Neonazis und deren Brandanschlägen. Mit angeblich "linken Motiven" hat das alles nichts zu tun", erklärte Gabriel.