Sollen Profi-Fußballer bevorzugt geimpft werden?

Deutsche sind klar gegen Rummenigge-Vorstoß

Karl-Heinz Rummenigge
© Sven Simon - Stefan Matzke - sam, Stefan Matzke, Sven Simon

12. Februar 2021 - 15:29 Uhr

Heiße Debatte nach Rummenigge-Äußerungen

Deutschland diskutiert emotional über eine mögliche bevorzugte Impfung von Fußball-Profis. Die Debatte entfacht hat Karl-Heinz Rummenigge. Fußballer könnten "Impf-Vorbilder" werden, meinte der Vorstands-Boss des FC Bayern München. Man wolle sich keinesfalls vordrängeln, betonte er zwar – Kritiker aber werfen ihm genau das vor. Und das Konzert der Gegenstimmen ist noch lange nicht abgeklungen.

Studie: Deutsche lehnen bevorzugte Impfung für Kicker strikt ab

Die Deutschen haben einer aktuellen Umfrage des Meinungs-Forschungs-Instituts YouGov zufolge kaum Sympathien für den Gedanken, dass Kicker bevorzugt geimpft werden könnten. 74 Prozent lehnen das laut Umfrage ab, 15 Prozent machten keine Angabe – 11 Prozent befürworteten ein solches Vorgehen. 1.807 Personen wurden befragt.

"Da musste ich herzhaft lachen"

 Marcel Nguyen, GER, during qualification at 2019 European Artistic Gymnastics Championships in Szczecin 10/04/2019 *** Marcel Nguyen GER during qualification at 2019 European Artistic Gymnastics Championships in Szczecin 10 04 2019 PUBLICATIONxNOTxI
Marcel Nguyen
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Scharfe Töne kommen weiterhin aus dem Spitzensport. "Ganz ehrlich, da musste ich herzlich lachen", sagte Turner Marcel Nguyen, zweifacher olympischer Silbermedaillengewinner, dem Portal "t-online". "Mit gesundem Menschenverstand lässt man sich impfen, wenn man an der Reihe ist. Dass ein Impfgegner vom FC Bayern überzeugt wird, halte ich für eine sehr gewagte These."

Stimmen aus der Politik: Rummenigge will nur eigene Probleme lösen

Zorc: Kein Fußballer sollte älteren Menschen etwas wegnehmen

Absagen an den Vorschlag kommen auch aus dem Bundesliga-Lager. "Kein Fußballer - allesamt junge und gesunde Menschen - sollte älteren Menschen oder Pflegekräften, Polizisten und Lehrern eine Impfung zum jetzigen Zeitpunkt wegnehmen", sagte Michael Zorc, der Sportdirektor von Borussia Dortmund.

Zorc nahm Rummenigge aber auch in Schutz: "Ich glaube, seine Aussage war darauf gerichtet: Wenn im Sommer für alle Impfstoff vorhanden ist, dass man dann einer Vorbildfunktion gerecht werden kann, um für mehr Impfbereitschaft zu werben."

Kommentar zum Rummenigge-Vorstoß: Fußballer sind Idole – aber nur bedingt Vorbilder.

Bürgermeister schimpft: "Da muss man erstmal drauf kommen"

ARCHIV - 13.05.2020, Bremen: Andreas Bovenschulte (SPD), Bürgermeister von Bremen, gibt vor der Bürgerschaft eine Regierungserklärung ab. Bovenschulte hat in einer weiteren Regierungserklärung um Verständnis und Unterstützung für die anstehenden Eins
Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte
© dpa, Sina Schuldt, ssd wst

Deutlich schärfere Töne kommen aus der Politik. Der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sagte: "Was mich an diesem Spruch besonders gewundert hat, ist, wie man simples Vordrängeln 'Ich will zuerst geimpft werden' dann noch versucht, als Realisierung einer gesellschaftlichen Vorbildfunktion zu verkaufen. Da muss man erstmal drauf kommen, indem man sagt: Wir ziehen vorbei an Erzieherinnen und Erziehern, an Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern, vielleicht auch an medizinischem Personal und Polizisten."

"Ich finde es beschämend"

Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling wählte in der Causa Profisport und Impfen deutlich drastischere Worte. "Ich finde es beschämend, dass es im Bereich des Profifußballs welche gibt, die sich vergleichen wollen mit den pflegenden Berufen, mit den medizinischen Berufen oder mit den Erzieherberufen", sagte der SPD-Politiker in einem Interview dem Radiosender RPR1. Auf welchen Vorstoß oder Vergleich er damit explizit abzielte, sagte er nicht. "Da sollen sich diese Multimillionäre einfach mal zurückhalten und die Klappe halten und sich in die Ecke stellen und schämen. Das wäre für unsere Nation hilfreich", schimpfte der Oberbürgermeister.