Um Männermannschaft zu unterstützen

Fußballclub 1. FC Mönchengladbach schmeißt Damen-Teams raus

1. FC Mönchengladbach
1. FC Mönchengladbach
© Instagram, 1FCLadies

24. Juni 2020 - 15:06 Uhr

Club entscheidet gegen die Frauen – und für die Männer

Es brodelt beim 1. FC Mönchengladbach: Der Vorstand um Club-Chef Christian Oh hat entschieden, dass drei Damen-Teams vom Spielbetrieb abgemeldet werden sollen, weil eine Herrenmannschaft des Clubs womöglich aufsteigt. Die Spielerinnen sind fassungslos und bekommen jetzt prominente Unterstützung von Nationalspielerin Alexandra Popp.

Kein Platz mehr für Frauen-Teams

Es klingt unglaublich: Die 1.und die 2. Frauenmannschaft sowie die U17-Juniorinnen des 1. FC Mönchengladbachs sollen zukünftig nicht mehr spielen. Dabei waren die Teams zuletzt durchaus erfolgreich im Frauenfußball: Die 1. Mannschaft schaffte es im Sommer 2019 sogar in die erste Runde des DFB-Pokals. In der Niederrheinliga landete der Club punktgleich mit dem Tabellenführer MSV Duisburg auf Platz zwei.

Doch statt Unterstützung der Verantwortlichen jetzt der große Knall: Die Frauenmannschafften mit insgesamt rund 70 Spielerinnen sollen abgemeldet werden. Das Aus begründet der Verein laut Frauenabteilung mit dem möglichen Aufstieg der 1. Herrenmannschaft in die Oberliga. Weil die Oberliga wegen der Corona-Pandemie um mehrere Teams erweitert werden soll, müssten rund 50 Partien pro Saison gespielt werden – also deutlich mehr als üblich. Für die Damen-Spiele sei deshalb nicht mehr ausreichend Platz.

„Mussten eine Entscheidung treffen“

Club-Boss Christian Oh bestreitet die Vorwürfe, er spricht von einer strategischen Entscheidung. "Die DNA des FC ist der Leistungsbereich. Wir haben zwei starke Leistungsbereiche, die Männer und die Frauen. Wir werden aber auf Dauer nicht in beiden Leistungsbereichen konkurrenzfähig bleiben können. Darum mussten wir eine Entscheidung treffen", sagte er der "Rheinischen Post".

Eine Entwicklung, die die Spielerinnen und ihren Trainer zutiefst schockiert. "Die Mädels sind hier in der Abteilung groß geworden. Über zwölf Jahre wurde hier etwas aufgebaut, die Frauen wurden immer erfolgreicher", so Trainer Christian Brüsseler. Das Aus wollen er und seine Spielerinnen nicht hinnehmen. Mit einer Petition kämpfen sie nun für den Erhalt der drei Damen-Teams.

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Nationalspielerinnen unterstützen Protest

Der Rausschmiss der Fußballerinnen zieht jetzt weite Kreise. Auch prominente DFB-Damen setzen sich für den Verbleib von Frauenfußball beim 1. FC Mönchengladbach ein. Ex-Nationalspielerin Fatmire Alushi hat den Kolleginnen ihre Unterstützung zugesichert. "Ich stehe hinter Euch", schreibt sie auf Facebook. "So ein Sch… Vorstand da oben!"

Auch Nationalspielerin Alexandra Popp meldet sich auf Instagram zu Wort. "Wir befinden uns im Jahr 2020 und sind in einer Zeit, wo Frauen das Recht auf Erfolg und vor allem auch auf die Leidenschaft ihres Sports haben sollten", unterstützt Popp die Kolleginnen.  "Wenn ich sowas lese, krieg ich die Krise. Dass diese Fußballerinnen von ihrem eigenen Verein diskriminiert und einfach verstoßen werden, ist einfach unglaublich."

Fußballverband will vermitteln

Der 1. FC Mönchengladbach, der älteste noch bestehende Fußballverein im Westdeutschen Fußballverband, bei dem einst Günter Netzer seine ersten fußballerischen Schritte tat, steht nun im Kreuzfeuer der Kritik. Auch der regionale Fußballverband Niederrhein als Dachorganisation sieht in der Abmeldung der Damen-Mannschaften einen sportlichen Verlust und will jetzt vermitteln. Zwischen Verein und Verband soll es ein Gespräch geben.