Fenerbahce will scheidenden Bundestrainer

Trainiert Löw bald wieder Mesut Özil?

Joachim Löw und Mesut Özil feierten mit der Nationalmannschaft viele Erfolge
Joachim Löw und Mesut Özil feierten mit der Nationalmannschaft viele Erfolge
© imago/Thomas Frey, Frey-Pressebild/Deines, imago sportfotodienst

24. März 2021 - 18:42 Uhr

Von David Bedürftig

Erst war es Spanien, nun ist es Istanbul: Seit Joachim Löw seinen Rücktritt von der Nationalmannschaft erklärt hat, wirbelt die Gerüchteküche neue Interessenten an die Oberfläche. Laut Medien will Fenerbahce Istanbul den Bundestrainer - und das hat einen Hintergrund mit Historie.

Löw am Bosporus im Gespräch

Mit dem Magischen Dreieck um Krassimir Balakow, Giovane Elber und Fredi Bobic gewinnt Joachim Löw als Trainer des VfB Stuttgart in der Saison 1996/97 den DFB-Pokal. Ein Jahr später verliert er mit dem Klub das Finale des Europapokals der Pokalsieger nur knapp. Dennoch wird Löw 1998 bei den Schwaben durch Winfried Schäfer ersetzt, aber ein neuer Klub steht schon parat: Fenerbahce Istanbul schnappt sich den Trainer, Löws heutiger Berater und Manager Harun Arslan vermittelt den Wechsel. Der Coach schlägt direkt ein, führt Fenerbahce zur Herbstmeisterschaft und schlägt den Erzrivalen Besiktas im Finale des Atatürk-Pokals.

Arslan könnte auch dieser Tage wieder vermitteln - und zwar wieder einen Wechsel von Deutschland in die Türkei. Laut Informationen der "Bild" will Fenerbahce den Noch-Bundestrainer zurückholen. "Ich weiß nicht, was bei meinem Berater los ist", sagte Löw nun auf der Pressekonferenz vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Island, "und will bis zur EM mit nichts konfrontiert sein." Nach dem Turnier werde man sehen, "dann interessieren mich vielleicht manche Dinge".

Löws Karriere nach DFB nicht vorbei

Denn Löw hatte deutlich gemacht, dass sein Ende beim DFB nicht mit einem Karriereende gleichzustellen ist. "Meine Trainerlaufbahn wird danach nicht vorbei sein. Denn ich liebe die tägliche Arbeit auf dem Platz und das individuelle Training mit den Spielern", sagte der 61-Jährige jüngst bei Sport1. Nach seinem letzten großen Turnier als Bundestrainer will Löw zwar wohl erst einmal durchatmen, aber sein Management wird sicherlich schon Angebote für die Zeit nach der EM sondieren. Es heißt, Löw könne sich durchaus vorstellen, einen Top-Verein zu übernehmen.

Löw: "Meine Nummer ist noch aktuell"

Ob Fenerbahce nun zu den Top-Klubs der Welt zählt, sei mal dahingestellt. "Tägliche Arbeit auf dem Platz" gibt es beim Istanbuler Traditionsverein aber definitiv. In den türkischen Medien wird deshalb der Name Löw eifrig diskutiert. Die "Bild" will erfahren haben, dass Vereins-Präsident Ali Koc einen Trainer mit internationaler Erfahrung und mit großer Strahlkraft suche. Der derzeitige Coach Erel Bulut hat zwar noch einen Vertrag bis 2022, aber derzeit hinkt Fener in der Liga hinterher. Die Meisterschaft rückt immer mehr in weite Ferne. Rivale Besiktas führt die Tabelle der Süper-Lig mit fünf Punkten Vorsprung vor dem Tabellendritten Fener an und hat dabei ein Spiel weniger absolviert.

Nun also Joachim Löw als Retter, um den Klub in den nächsten Jahren wieder mal zu einem Titel zu führen? Die letzte Meisterschaft liegt schließlich schon sieben Jahre zurück, und letztmalig wurde der Pokal 2013 gewonnen. Die Sehnsucht nach besseren Zeiten - vielleicht nach den guten alten Zeiten - bei Fener ist also groß, die geplante Rückholaktion Löws scheint realistisch. Fraglich ist allerdings, ob der Noch-Bundestrainer da mitmacht. "Aus dem EM-Turnier herauszugehen und am nächsten Tag den Schalter umzulegen, ist ehrlicherweise nicht möglich", dämpfte Löw auf der Pressekonferenz die Fener-Hoffnungen. Zuletzt war auch spekuliert worden, dass Löw Spanisch lerne und es Interessenten aus Spanien gebe. Dass er die Sprache büffele, bestätigte er bei dem Mediengespräch, allerdings habe das "nicht unmittelbar mit einem Verein in Spanien zu tun". Die Primera División wäre vom Standing und Spielstil her sicherlich die von Löw bevorzugte Variante.

Erfolge mit Mesut Özil

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw (l) spricht am Donnerstag (02.06.2011) während des Trainings der Nationalelf im Ernst-Happel-Stadion in Wien (Österreich) mit Mesut Özil. Das DFB-Team trifft am Freitag (03.06.2011) in einem EM-Qualifikationsspiel au
In Löws Nationalelf war Özil viele Jahre ein elementarer Baustein
© dpa, Andreas Gebert

Allerdings hat Fenerbahce noch ein Ass im Ärmel: Mesut Özil. Der Rio-Weltmeister erlebte mit Löw gemeinsam erfolgreiche Jahre in der Nationalmannschaft. Zwar ist der Kontakt nach Özils Rücktritt von der DFB-Elf abgebrochen, auch, weil der Trainer "menschlich enttäuscht" war. Aber er hatte im Winter 2019 nochmal bekräftigt, gerne mal wieder mit seinem Ex-Star sprechen zu wollen: "Meine Nummer ist noch aktuell." Von den spielerischen und technischen Qualitäten des Spielmachers war Löw ohnehin immer absolut überzeugt. "Er hat überragende Fähigkeiten, wie kaum ein anderer Spieler auf der Position. Er ist für uns extrem wertvoll. Diese Technik und diese letzten Pässe sind einfach genial", sagte Löw etwa vor der EM 2016. Ob Özil und Löw wieder wertvoll füreinander werden, bleibt abzuwarten.

Quelle: ntv.de

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