DFB-Boss duckt sich in Causa Löw weg

Das Schweigen des Fritz Keller

02. Dezember 2020 - 17:46 Uhr

Ein Kommentar von Reinhard Brings

"Falls wir uns nicht mehr sehen: Frohe Weihnachten!" DFB-Präsident Fritz Keller hat sich heute bei einem Pressetermin in Frankfurt/Main zum Wert des Amateurfußballs erfolgreich weggeduckt.

Keller blockt ab

Zum ersten Mal seit der schriftlichen Erklärung vom 30. November, dass die DFB-Spitze den proklamierten Weg der Erneuerung der Nationalmannschaft mit Joachim Löw uneingeschränkt fortsetzen wolle, trat der DFB-Boss wieder öffentlich auf.

Und nur allzu gerne hätten die Journalisten in der Video-Konferenz auch etwas über den neuerlichen Persilschein für Löw erfahren. Doch der 63-Jährige blockte sofort zu Beginn ab: "Wir reden heute nicht über die Nationalmannschaften, wir reden auch nicht über das 0:6 gegen Spanien, auch wenn das sehr reizvoll für den ein oder anderen wäre." (Den denkwürdigen Auftritt und eine Einschätzung von RTL-Sportreporter Timo Latsch sehen Sie oben im Video.)

Basta! Der Chef des mitgliederstärksten Sportverbandes der Welt geht lieber auf Tauchstation und lässt nicht nur die Reporter, sondern auch die deutschen Fußball-Fans im Ungewissen. Keller hätte klar Stellung beziehen können, tat es aber nicht.

DFB gibt desolates Bild ab

Wie war das noch mit der angekündigten Fan-Offensive nach der verkorksten WM 2018 in Russland? Dazu gehört auch, transparent zu sein und vor Kameras zu erklären, warum der Bundestrainer trotz der historischen 0:6-Schmach weitermachen darf.

In einer RTL/n-tv-Forsa-Umfrage einen Tag nach dem unwürdigen Auftritt in Spanien waren 66 Prozent der an Fußball interessierten Deutschen der Meinung, dass Löw zurücktreten sollte. Der DFB aber nimmt sich fast zwei Wochen Bedenkzeit, hält dann am Bundestrainer fest und sagt dazu heute – nichts!

Ein desolates Bild, das der DFB so abgibt. Warum schweigt der Boss? War das Festhalten an Löw am Ende doch nicht so "einvernehmlich", wie es verkündet wurde?

ARCHIV - 27.09.2019, Hessen, Frankfurt/Main: Joachim Löw (r) , Bundestrainer der deutschen Männer-Fußball-Nationalmannschaft gratuliert dem neu gewählten DFB-Präsidenten Fritz Keller beim 43. ordentlichen DFB-Bundestag im Congress Zentrum. (zu dpa: "
Bröckelt das Vertrauen? Fritz Keller soll im DFB-Präsidium vorgefühlt haben, den Vertrag mit Joachim Löw nach der EM 2021 aufzulösen.
© dpa, Simon Hofmann, mc nic

Liebe zur der "Mannschaft" stark abgekühlt

Die Öffentlichkeit soll wieder Lust auf den DFB bekommen - das ist das erklärte Ziel der Verbandsspitze. Nach dem WM-Sieg 2014 waren Jogis Jungs "Everybody´s Darling", danach ist die Liebe zur Nationalmannschaft stark abgekühlt, nicht nur wegen des Desasters bei der WM 2018, sondern auch, weil der Stab um "die Mannschaft" es schaffte, eine künstliche Distanz zu den Fans aufzubauen.

Nähe zu schaffen - dazu gehört auch, auskunftsfreudig zu sein und nicht über den Dingen zu schweben.

Die Frage "Geht es weiter mit Löw oder nicht?" einfach mit einer Pressemitteilung abzutun, darf nicht der Stil des DFB sein. Auch außerhalb der Länderspieltermine muss sich die Führung um "Deutschlands wichtigste Mannschaft" (so Oliver Bierhoff) unbequemen Fragen stellen. So viel Souveränität darf man schon erwarten – erst recht von Fritz Keller, dem mächtigsten Funktionär im deutschen Fußball.

Am kommenden Freitag nach der DFB-Präsidiumssitzung stellt sich dann übrigens doch jemand zum digitalen Pressegespräch – Oliver Bierhoff, der DFB-Direktor Nationalmannschaften und Akademie.