Tops und Flops der Bundesliga-Hinrunde

Lewandowski auf Müller-, Schalke auf Tasmania-Niveau - und Streich macht immer weiter

Robert Lewandowski spielt mal wieder eine überragende Bundesliga-Saison
© dpa, Matthias Balk, mbk kno exa pil jai pil

21. Januar 2021 - 10:51 Uhr

Lewandowski auf Rekordjagd - Hertha mies - Schalke ohne Worte

"Herbstmeister" im Januar – 2017 gab es das schon einmal, auf Platz 1 stand (natürlich) FC Bayern. Auch 2021 ist das so, auch wenn die Münchner dieses Jahr nicht so souverän auftraten wie in den vergangenen Jahren. Während der Stern des Südens also nicht ganz so hell leuchtet, machen andere von sich reden – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Wir haben die Tops und Flops der Bundesliga-Hinrunde für sie.

Die Tops der Hinrunde

  • Union Berlin

Das Überraschungsteam der Hinrunde! Union läuft nach 17 Spielen auf Platz sechs ein – noch vor Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt.

Spätestens als sich Max Kruse im Derby gegen Hertha BSC (1:3) Anfang Dezember schwer verletzte, dachten nahezu alle Experten: Jetzt ist es vorbei mit der Union-Herrlichkeit.

Denkste! Danach erzwangen die Köpenicker ein 1:1 gegen den FC Bayern, schlugen später auch noch Dortmund (2:1) und Leverkusen (1:0). Die Mannschaft von Trainer Urs Fischer hat sich zum Favoritenschreck entwickelt.

"Sie sind verdient in der Position, in der sie sind", lobt Leipzig-Trainer Jullian Nagelsmann. "Wenn sie stabil bleiben, sind sie ein Konkurrent um die internationalen Plätze."

  • Robert Lewandowski

22 Tore stehen für Robert Lewandowski nach der Hinrunde zu Buche - Liga-Rekord. Das hat selbst der legendäre Gerd Müller nicht geschafft.

Der frühere Torjäger Klaus Fischer, mit 268 Treffern der zweiterfolgreichste Stürmer der Bundesliga-Geschichte, schwärmt über den Weltfußballer. "Ich hätte nie geglaubt, dass es mal so weit kommt, dass ich das sage, aber: Es kann sogar sein, dass der Rekord vom Gerd gebrochen wird."

In der Saison 71/72 schaffte Müller die bis heute unerreichte Bestmarke: 40 Tore!

Soccer Football - Bundesliga - 1. FC Union Berlin v VfL Wolfsburg - Stadion An der Alten Forsterei, Berlin, Germany - January 9, 2021 1. FC Union Berlin coach Urs Fischer reacts Pool via REUTERS/John Macdougall DFL regulations prohibit any use of pho
Urs Fischer und seine "Eisernen" aus Berlin-Köpenick mischen die Liga auf
© Pool via REUTERS, JOHN MACDOUGALL, ca
  • Florian Wirtz

Der 17-jährige Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen könnte noch für die B-Jugend spielen, ist aber bei den Profis längst unersetzlich. 14 von 17 Liga-Spielen bestritt der Nachfolger des abgewanderten Kai Havertz für die Werkself. "Ich will immer der Beste sein", sagt der Jungstar.

Drei Tore erzielte der Teenager für Bayer, zuletzt den 2:1-Siegtreffer gegen Borussia Dortmund. Im Oktober wurde Wirtz zum jüngsten deutschen U21-Nationalspieler – Florian Wirtz, ein Juwel unter dem Bayer-Kreuz.

  • Christian Streich

Der Dauerbrenner der Liga – der 55-Jährige ist der Bundesliga-Trainer, der momentan am längsten im Amt ist. Streich versteht es immer wieder das Ruder herumzureißen, wenn sein Verein einmal schwächelt. Als der SC Freiburg sich nach 10 Spieltagen mit mageren 8 Punkten auf Platz 14 wiederfand, starteten die Schwarzwälder eine Serie von fünf Siegen – Vereinsrekord.

Köln-Coach Markus Gisdol hält Streich "für den besten Trainer der Liga. Er lässt sich nicht treiben. Der zieht sein Ding durch mit seiner Mannschaft. Das ist immer wieder bemerkenswert."

  • Erling Haaland

Die BVB-Tor- und Kampfmaschine übertrifft alle Erwartungen. In seinen ersten 25 Bundesliga-Spielen erzielte der Norweger 25 Tore – das hat kein anderer zuvor geschafft.

Den alten Rekord hielt Uwe Seeler, der 1963/64 in seinen ersten 25 Spielen 23 Mal getroffen hatte. Angeblich baggert der FC Chelsea schon am 20-jährigen Super-Stürmer. Haalands Ziel ist es, einmal die Champions League zu gewinnen – wenn nicht mit dem BVB, dann mit einem anderen Club.

17.01.2021, Bayern, München: Fußball: Bundesliga, Bayern München - SC Freiburg, 16. Spieltag in der Allianz Arena. Trainer Hansi Flick (l) von München und Trainer Christian Streich von Freiburg stehen nach dem Spiel zusammen. Foto: Sven Hoppe/dpa - W
Da staunt auch Hansi Flick: Christian Streich sitz seit 2011 beim SC Freiburg auf der Trainerban
© dpa, Sven Hoppe, shp

Die Flops der Hinrunde

  • Schalke 04

Der Traditionsclub aus dem Ruhrgebiet hätte es beinah geschafft, zur größten Lachnummer der Liga zu werden. Schalke schickte sich an, den 31-Spiele-Sieglos-Rekord von Tasmania Berlin zu brechen. 30 Spiele waren die Königsblauen sieglos geblieben, ein 4:0-Erfolg gegen Hoffenheim verhinderte die Riesen-Blamage.

Christian Gross ist nach David Wagner, Manuel Baum und Kurzzeit-Trainer Huub Stevens der vierte Coach, der in dieser Saison beim Liga-Schlusslicht sein Glück versuchen darf. Gross startete mit drei Niederlagen in vier Spielen. Ein Himmelfahrtskommando für den 66-jährigen Schweizer – selbst mit Rückkehrer Klaas-Jan Huntelaar.

  • Marcus Thuram

Am 13. Spieltag spuckte Gladbachs Marcus Thuram bei der 1:2-Niederlage gegen Hoffenheim seinem Gegenspieler Stefan Posch ins Gesicht. Eine widerliche Szene, für die der Borussen-Stürmer fünf Spiele Sperre plus 40.000 Euro Geldstrafe aufgebrummt bekam. So etwas braucht kein Mensch!

  • Die Bayern-Jäger

Leverkusen, Leipzig und Dortmund schnappen nicht zu, wenn es darauf ankommt. Leverkusen führte am 11. und 12. Spieltag die Tabelle an, zeigte am 13. Spieltag im Spitzenspiel gegen die Bayern Nerven und verlor zu Hause 1:2.

Auch Leipzig war vom 3. bis 5. Spieltag Spitzenreiter, spielt aber nicht konstant genug. Immerhin halten die Nagelsmänner als Tabellen-Zweiter mit vier Punkten den Rückstand auf die Bayern in erträglichen Grenzen.

Und Borussia Dortmund kämpft mit sich selbst. Die Schwarz-Gelben angesichts von zehn Punkten Rückstand als Bayern-Verfolger zu bezeichnen, wäre geschmeichelt. Der BVB hat bereits sechs Saisonniederlagen kassiert.

  • Mainzer Trainerverschleiß

Wie Schalke hat auch der Tabelle-Vorletzte mit Achim Beierlorzer, Jan-Moritz Lichte und Übergangs-Coach Jan Siewert bereits drei Trainer verschlissen. Jetzt ist der frühere Publikumsliebling Bo Svensson der Chef am Spielfeldrand.

Nur ein Sieg (3:1 in Freiburg), dazu nur zwei Punkte zu Hause geholt – die Mainzer spielten die mit Abstand schlechteste Hinrunde ihrer Bundesliga-Geschichte. Und jetzt wechselt mit Jean-Philippe Mateta auch noch der Top-Torjäger zu Crystal Palace in die Premiere League. Ein Wunder muss her, Bo Svensson!

ARCHIV - 04.12.2020, Berlin: Fußball: Bundesliga, Hertha BSC - 1. FC Union Berlin, 10. Spieltag im Olympiastadion. Herthas Trainer Bruno Labbadia (r) und Manager Michael Preetz stehen vor dem Spiel vor der Bank. (zu dpa: «Hertha-Manager Preetz: «Tota
Ratlose Hertha-Gesichter: BSC-Manager Michael Preetz und Trainer Bruno Labbadia
© dpa, Odd Andersen, nic
  • "Big" City Club

Oje Hertha BSC, nur Tabellenplatz 14! Trotz der Millionen von Investor Lars Windhorst kommen die Berliner nicht ins Rollen. Ganze vier Siege schaffte die Hertha in der Hinrunde. "Wir müssen uns der Kritik stellen. Es fühlt sich scheiße an", sagte Trainer Bruno Labbadia nach der 0:3-Heimpleite gegen Hoffenheim.

Seit Sommer 2019 ist der Kader für 144 Millionen Euro verstärkt worden, nur der FC Bayern und der BVB haben mehr ausgegeben. Acht der zwölf teuersten Zugänge der Clubgeschichte wurden seitdem verpflichtet. Hertha-Insider sagen: "Auf dem Platz ist ein Nebeneinander, kein Miteinander. Zu sehen sind elf Einzelteile, aber kein Ganzes."