Bundesliga | 29. Spieltag

Bayerns Musiala schreibt Geschichte - Schalke schreibt sich selbst ab

Münchner Matchwinner beim Sieg in Wolfsburg: Jamal Musiala
Münchner Matchwinner beim Sieg in Wolfsburg: Jamal Musiala
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17. April 2021 - 17:40 Uhr

Hütter verliert brisantes Duell

Nach dem Champions-League-Aus ist vor der deutschen Meisterschaft: Mit einem 3:2-Sieg beim VfL Wolfsburg nutzte der FC Bayern München den Patzer im Titelrennen von RB Leipzig und steht mit sieben Punkten Vorsprung vor dem Gewinn des 30. Meistertitels in der Bundesliga. Doppeltorschütze Jamal Musiala trug sich dabei in die Geschichtsbücher ein. Noch-Frankfurt-Coach Adi Hütter ging im pikanten Duell mit seinem künftigen Arbeitgeber Borussia Mönchengladbach mit 0:4 unter. Schlusslicht Schalke unterzeichnete bei der 0:4-Klatsche in Freiburg seine Kapitulation, Union Berlin darf nach einem 2:1 gegen Stuttgart weiter von Europa träumen – und Bielefeld verdrängte Quarantäne-Hertha mit einer Nullnummer in Augsburg vom Relegationsplatz.

VfL Wolfsburg - FC Bayern München 2:3 (1:3)

Tore: 0:1 Musiala (15.), 0:2 Choupo-Moting (24.), 1:2 Weghorst (35.), 1:3 Musiala (37.), 2:3 Philipp (54.)

Beide Teams spielten von Beginn an mit offenem Visier. Nach nur wenigen Sekunden rauschte ein geplanter, aber verunglückter Hammer von Xaver Schlager am Gehäuse von Manuel Neuer vorbei. Präziser agierten die Gäste. Alphonso Davies scharwenzelte sehenswert mit dem Ball am Fuß in den Sechzehner, Musiala nahm die Kugel glücklich auf und lochte zur Führung ein.

Nachdem Eric Maxim Choupo-Moting erhöhte, ging kurzzeitig das Selbstvertrauen des CL-Aspiranten in den Keller – doch die Wölfe kamen mit Wout im Bauch wieder heraus. Fehlpass Thomas Müller, schnell umgeschaltet, Weghorst schloss eiskalt ab. Problem: Musiala hatte es eilig, sich in den Geschichtsbüchern zu verewigen. Einen Wimpernschlag später veredelte der Jung-Nationalspieler eine Müller-Flanke mit einem schönen Kopfballtreffer und krönte sich zum jüngsten Bundesligaspieler mit sechs Toren auf dem Konto.

Auch nach der Pause blieb das Spiel intensiv – mit Chancen hüben wie drüben. Erst vergaben Musiala und Müller aufseiten der Bayern gute Möglichkeiten, dann ließ Maximilian Philipp mit dem erneuten Anschlusstreffer die Münchner gehörig zittern. Zehn Minuten später rettete Neuer gegen Weghorst und verhinderte Schlimmeres. Kurz vor Schluss ließ der eingewechselte Jerome Roussillon das 3:3 liegen.

Borussia Mönchengladbach – Eintracht Frankfurt 4:0 (1:0)

Tore: 1:0 Ginter (10.), 2:0 Hofmann (60.), 3:0 Bensebaini (67.), 4.0 Wolf (90.+5)

Eine turbulente Partie - schon vor dem Anstoß: Denn Eintracht-Trainer Adi Hütter hatte nur wenige Tage vor dem Match verkündet, nach der Saison den Trainerjob bei Borussia Mönchengladbach zu übernehmen. Die Gastgeber waren zu Beginn der Partie dann auch das aktivere Team, eine Ecke brachte die "Fohlen" früh in Front: Jonas Hofmann legte den Ball von rechts vor den kurzen Pfosten, Kapitän Matthias Ginter völlig frei – und köpfte in die linke Ecke des Kastens (10.).

Die Frankfurter kamen trotz des frühen Rückstands jetzt besser ins Spiel, Luka Jovic (16.) und Stefan Ilsanker (25.) mit guten Chancen auf den Ausgleich. Nach einer temporeichen ersten Halbzeit erwischten die Gladbacher dann auch den besseren Start in die zweite Hälfte und legten mit einem zweiten und dritten Tor nach: Jonas Hofmann erhöhte auf 2:0 (60.), Ramy Bensebaini auf 3:0 (76.) – die Vorentscheidung. Frankfurt kämpfte um den Anschlusstreffer, große Chancen erspielten sich die Hessen aber nicht mehr. In der Nachspielzeit erhöhten die Gastgeber durch Hannes Wolf dann sogar noch zum 4:0-Endstand.

Gladbach hält durch den wichtigen Heimsieg den Anschluss an die internationalen Plätze – Frankfurt bleibt trotz der klaren Niederlage Tabellenvierter.

SC Freiburg – FC Schalke 04 4:0 (2:0)

Tore: 1:0 Höler (7.) 2:0 Sallai (22.) 3:0 Günter (50.) 4:0 Günter (74.)


Der letzte Glaube des FC Schalke 04 an den Klassenerhalt hielt nicht einmal 10 Minuten, als Stambouli in typsicher S04-Slapstick-Manier am Ball vorbeischlug. Das Duo Santamaria und Höler nutzte das aus und der Ball flog nach einem Doppelpass ins Schalker Tor. Wenig später half wegen der schrecklichen Königsblau-Defensive auch Ikone Huntelaar aus, brachte als Stürmer jedoch nicht die nötigen Qualifikationen mit und verursachte einen Elfmeter. Sallai trat an und ließ Fährmann im Schalke-Tor keine Chance. Mit der nun recht komfortablen Führung ließ die Mannschaft von Christian Streich den taumelnden Tabellenletzten weitestgehend in Ruhe, da von der Gegenseite offensiv kaum etwas kam.

Die Schalker Zirkusvorstellung ging auch in Halbzeit zwei weiter. Serdar ließ sich von SCF-Kapitän Günter den Ball abnehmen, der zog aus 16 Metern einfach ab und versenkte die Kugel im Kasten. Um die Schalker Unterlegenheit gegen das Mittelfeld-Team noch einmal mit einer Statistik zu untermauern: Kein einziger Schuss ging in der ersten Stunde auf das Tor von Freiburg. Günter zeigte in der 74. Minute dann noch, dass es auch ohne Schalker Mithilfe geht und erzielte mit einem strammen Fernschuss den 4:0-Endstand.

Union Berlin – VfB Stuttgart 2:1 (2:0)

Tore: 1:0 Prömel (20.), 2:0 Musa (43.), 2:1 Förster (49.)

Union Berlin darf weiter vom internationalen Fußballgeschäft träumen! Nach einem ereignisarmen Start in die Partie ist der erste Torschuss der Berliner gleich der erste Treffer: Grischa Prömel köpft nach schöner Vorlage von Christopher Trimmel zur Führung ein (20.) – von den Gästen aus Stuttgart ist trotz des Rückstands weiterhin nur wenig nach vorne zu sehen. Gefährliche Aktionen? Fehlanzeige.

In einer ausgeglichenen Partie sind es dann einmal mehr die Köpenicker, die jubeln dürfen: Kurz vor der Halbzeit erzielt Peter Musa das 2:0 (43.). Nach dem Seitenwechsel wirken auch die Stuttgarter deutlich frischer und aktiver, Philipp Förster sorgt für den schnellen Anschlusstreffer (49.) und zeigt seinen Mitspielern: Hier kann noch etwas gehen! Die Stuttgarter Drangphase hält aber nur kurz an, Union übernimmt wieder das Ruder und lässt letztlich nichts mehr anbrennen.der

Mit dem Heimsieg platziert sich der Hauptstadtclub in der Tabelle auf dem achten Rang – nur ein Pünktchen hinter Rang Sechs und dem internationalen Geschäft.

FC Augsburg – Arminia Bielefeld 0:0 (0:0)

Augsburg schloss nahtlos an die nicht Bundesliga-würdige Leistung gegen Schalke 04 an. Das Spiel machte nämlich der akut abstiegsbedrohte Aufsteiger aus Bielefeld. Die Gäste zeigten tolle Kombinationen, während der FCA ideenlose lange Bälle nach vorne schlug, die für keinen Stürmer dieser Welt verwertbar waren. Nach einer halben Stunde fanden die Fuggerstädter allmählich in die Partie, nennenswerte Torchancen gab es aber nicht. Eine zähe erste Halbzeit schien sogar dem Schiedsrichter so wenig Freude zu bereiten, dass er sogar fünf Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit zur Pause pfiff.

Ganz bitter aus Bielefelder Sicht: Bei einem Zweikampf verletzte sich der Arminia-Stürmer Klos am Knöchel. Er war fortan nicht mehr im Vollbesitz seiner Kräfte und musste letztlich sogar ausgewechselt werden. Das erleichterte Augsburg das Verteidigen enorm und half dabei, den Hausherren wieder mehr Ballbesitz zu verschaffen. Die Chance der Partie gab es für den FCA durch Vargas, doch mit einer Weltklasse-Tat verhinderte Arminia-Keeper Ortega den Rückstand. Wichtig für Bielefeld, für das keine Punkte im Abstiegskampf fatal gewesen wäre. Augsburg genügt der Punkt dagegen - der Klassenerhalt ist für die Schwaben nun reine Formsache.

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