23. Mai 2019 - 17:35 Uhr

Gefangen in den eigenen vier Wänden

Maria Brooks fühlt sich wie in einem Gefängnis. Die 59-Jährige lebt in einem Fuldaer Hochhaus im 14. Stock. Da sie an Multipler Sklerose erkrankt ist, kann sie keine Treppenstufen steigen. Jetzt ist in ihrem Haus der mittlerweile zweite und letzte Aufzug ausgefallen. Das Problem: Niemand fühlt sich für die Reparatur verantwortlich. Nachbarn müssen vorbeikommen und ihr Lebensmittel bringen. Wie Maria mit dieser Extremsituation umgeht, sehen Sie im Video.

Das Problem im "Osthessen-Center"

"Osthessen-Center" lautet der Name des Hochhaus-Komplexes in der osthessischen Stadt Fulda. Immer wieder geriet es durch bauliche Mängel in die Schlagzeilen lokaler Medien. Vor zwei Wochen kam es für Maria Brooks zum Supergau: Die zuständige Wartungsfirma sperrte den letzten von zwei Aufzügen in einem der Gebäude. Auch andere Menschen sind wegen ihres Alters oder ihres gesundheitlichen Zustands auf einen funktionstüchtigen Aufzug angewiesen.

Rund 230 Wohnungen befinden sich im Osthessen-Center. In der Hand der Eigentümer liegt die Verantwortung, die baulichen Mängel auszubessern. Allerdings kommen zu den Eigentümervollversammlungen nicht einmal die Hälfte der Verantwortlichen zusammen. Die Folge: Die übrigen Teilnehmer der Versammlung sind nicht beschlussfähig. Der Gebäudekomplex marodiert vor sich hin. Niemand fühlt sich verantwortlich.

TÜV-Termin erst im Juni

"Da muss sich sehr schnell etwas tun, die Situation der Mieter und auch der Eigentümer in diesem Haus ist unzumutbar", sagt Stadtverordneter Peter Jennemann (SPD). Gerade in Bezug auf Fluchtmöglichkeiten und Brandschutz habe das Osthessen-Center dringenden Nachholbedarf.

Die Stadt Fulda möchte das nicht länger mit ansehen und hat ein Verfahren eingeleitet: "Falls die Eigentümergemeinschaft nicht in der Lage sein sollte, die Anlage fristgerecht zum Termin des TÜV instandzusetzen und dauerhaft nutzbar zu machen, behält sich die Stadt Fulda vor, notfalls Zwangsmittel und Bußgelder zu verhängen", heißt es in einer Stellungnahme.

Der Termin des TÜV wäre allerdings erst im Juli. Noch ist unklar, ob die Eigentümer vorher eine Lösung finden, damit Menschen wie Maria Brooks nicht länger in menschenunwürdigen Verhältnissen leben müssen.