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Fukushima: Schon Beben beschädigte AKW

Fukushima: Schon Beben beschädigte AKW

AKW-Betreiber Tepco muss mehr als zwei Monate nach dem Unglück immer neue Hiobsbotschaften verkünden.
Pressekonferenz: AKW-Betreiber Tepco muss immer neue Hiobsbotschaften verkünden.
dpa, Franck Robichon

Es wäre ein Schlag für die Atomindustrie weltweit

Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat die Kernschmelze im Reaktor 1 offenbar schon wenige Stunden nach dem Erdbeben am 11. März begonnen – und nicht erst nach dem Tsunami. Dies wäre ein harter Schlag für die internationale Atomindustrie, weil es auf der Welt deutlich mehr Regionen gibt, die von Erdbeben bedroht sind als dies bei Tsunamis der Fall ist.

Die ’Süddeutsche Zeitung’ berichtet dies und beruft sich auf einen Bericht des AKW-Betreibers Tepco. Die Atomanlage hätte den Erschütterungen nicht standgehalten, und diese hätten den Reaktorblock 1 leckgeschlagen. Dadurch sei Kühlwasser abgeflossen und schon nach fünf Stunden habe die Kernschmelze begonnen. Der Reaktor wäre damit von Beginn an außer Kontrolle gewesen.

Bisher hatte Tepco immer behauptet, die Reaktoren seien bei dem Erdbeben nicht beschädigt worden. Die internationale Nuklearindustrie hatte auf dieser Grundlage argumentiert, die Kernenergie sei durch die Ereignisse in Fukushima nicht gefährdet, weil nur die wenigsten Atomkraftwerke auf der Welt in Tsunami-Gegenden liegen.

Auch neue Rückschläge am Unglücksmeiler

Laut ’Süddeutsche’ könnte eine frühe Kernschmelze auch erklären, warum Reaktor 1 nicht heißer geworden sei, obwohl er nur wenig Wasser enthalte: Das nukleare Brennmaterial liege wahrscheinlich zu Klumpen geschmolzen auf dem Boden des Reaktors - also in dem Rest Wasser, das noch im Reaktor verblieben ist.

Dennoch will Japan am Zeitplan zur Lösung der Krise nichts ändern und das havarierte AKW Fukushima bis Januar 2012 unter Kontrolle bringen. Tepco erklärte aber, wegen der neuen Probleme auch neue Wege einschlagen zu müssen. Nachdem in der vergangenen Woche ein neues Leck an dem Unglückskraftwerk entdeckt wurde, sollen die beschädigten Reaktoren nun nicht mehr wie bislang geplant zur Kühlung mit Wasser geflutet werden. Stattdessen soll ein Kreislauf des vorhandenen Wassers die Reaktoren kühlen. Mit dem neuen Plan soll offenbar vermieden werden, dass durch Lecks erneut radioaktiv verseuchtes Wasser austreten kann.

Mehr als zwei Monate nach dem Unglück sei die Gefahr von neuen Explosionen zwar gesunken, hieß es bei den Behörden des Landes. Jedem Fortschritt sei aber ein neuer Rückschlag gefolgt. Um überhaupt mit Aufräumarbeiten beginnen zu können, muss die Anlage komplett heruntergefahren werden. Sowohl Tepco als auch die japanische Regierung waren wegen ihres Umgangs mit der Katastrophe heftig kritisiert worden. Um Tepco vor dem finanziellen Ruin zu bewahren, stützt Japan den Konzern mit umgerechnet 43 Milliarden Euro.