So funktioniert die tierische Toilette

Fürs Klima - Jetzt geht die Kuh aufs Klo

22. Juli 2020 - 10:53 Uhr

Stallreine Kühe gegen die Klimakrise

Forscher haben Kühe konditioniert auf die Toilette zu gehen um das Klima zu schützen. Dabei geht es zum einen um Methan, zum anderen um Ammoniak, das Treibhausgas, das sie produzieren. Die Frage ist, ob eine Kuh durch Training eine Toilette aufsuchen, somit die Umwelt entlasten und sich selbst besser vor Erkrankungen schützen kann. In der Regel verrichten Kühe ihr Geschäft einfach dort, wo sie gerade stehen. Jetzt gibt es das Kuhklo. Wie das funktioniert, sehen Sie im Video. 

Ziel: Ammoniak verhindern

Ziel der Kuhtoilette ist es, Harn und Kot zu trennen, denn die Verbindung führt dazu, dass Harnstoff in Ammoniak umgewandelt wird. Dieser wiederum wird als Treibhausgas in die Atmosphäre freigesetzt. Ammoniakgas wird zu 95 Prozent in der Landwirtschaft freigesetzt, davon entsteht wiederum die Hälfte in der Rinderhaltung.

Haben die Tiere auch etwas davon?

Zwei Kühe stehen am 08.10.2014 in Gmund am Tegernsee (Bayern) hinter einem Kuhfladen auf der Weide. Foto: Marc Müller/dpa |
Kühe sind intelligent genug, um auf eine für sie eingerichtete Toilette zu gehen
© picture alliance / dpa, Marc Müller

Die Verhaltensbiologen am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf wollen mit ihrer Idee das Tierwohl und die Stallhygiene verbessern. In Zusammenarbeit mit Verhaltensforschern von The University of Auckland in Neuseeland sowie Wissenschaftlern des zum Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) gehörenden Instituts für Tierschutz und Tierhaltung in Celle erforschen sie das Ausscheidungsverhalten von Rindern, damit dem Klima und den Kühen gleichermaßen geholfen werden kann.

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Saubere Ställe sind gesünder

Ein dreckiger Stall schadet vor allem der Klauen- und Eutergesundheit der Kühe. Gleichzeitig hat der Bauer einen hohen Reinigungsaufwand. Pro Tag scheidet eine ausgewachsene Milchkuh ca. 20 bis 30 Liter Urin aus sowie 30 bis 40 Kilogramm Kot.

Kluge Kühe: So gehen sie aufs Klo

Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass mithilfe von operanter Konditionierung ein Toilettentraining für Rinder möglich ist. Die Tiere verfügen über die Intelligenz und die neurophysiologischen Grundlagen, die das Training ermöglichen. In Latrinen, die mit einem durchlässigen grünen Belag ausgelegt sind, sollen die Kühe sich erleichtern. Verrichten sie ihr Geschäft außerhalb der Latrine, gibt es eine Bestrafung durch kurze eine Dusche. In der Latrine hingegen, werden sie für die Ausscheidung belohnt.

Ist das überhaupt praxistauglich?

Laut Dr. Jan Langbein, Projektleiter am FBN, sollte im ersten Schritt getestet werden, ob Kühen überhaupt antrainiert werden kann, auf eine für sie errichtete Toilette zu gehen. Nun bleibt die Frage, wie praxistauglich das Kuhklo im Stallalltag ist.

"Wenn wir es wirklich schaffen, die Intelligenz der Tiere für eine Einrichtung von Kuhtoiletten in der Praxis zu nutzen, würden alle profitieren: die Kühe, die Tierhalter und die Umwelt", so Projektkoordinator Lars Schrader vom FLI.

Landwirtschaft als Klimakiller - oder doch wir?

Eine Kuh auf einer Weide. Foto: Oliver Berg/dpa/Symbolbild
Sind die Kühe das Problem, das die Zahlen der Treibhausgase in die Höhe treibt, oder die Massentierhaltung aufgrund unseres hohen Fleischkonsums?
© deutsche presse agentur

Neben Ammoniak werden auch große Mengen an Methangas durch die Landwirtschaft in die Atmosphäre freigesetzt und schaden der Umwelt enorm. Die Nutztierhaltung im großen Stil entsteht aber erst durch die hohe Nachfrage an Fleisch. Anstatt unseren Fleischkonsum zu reduzieren, versuchen wir nun, die Verantwortung ganz bei den Tieren zu sehen und Maßnahmen wie ein Kuhklo zu etablieren. Verrückt!

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