Bürger gaben freiwillig mehr als 600.000 Euro

Für Schuldentilgung: Bürger spendeten 2018 Rekordsumme an den Staat

22. Dezember 2018 - 19:55 Uhr

Bescherung für den Staat

Wirtschaftlich läuft es in Deutschland im Moment im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern zwar recht gut. Trotzdem ist auch der deutsche Staat stark verschuldet: Fast zwei Billionen Euro sind es derzeit. Manch ein Bürger möchte da gerne aushelfen und spendet Geld für den Schuldenabbau – auch wenn das nicht jeder verstehen kann. Dieses Jahr war der Geldsegen besonders groß.

Konto wurde auf Wunsch von Bürgern eingerichtet

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) dürfte sich freuen: Genau 609.822,69 Euro gingen seit Januar bis zum 6. Dezember auf einem ganz besonderes Konto des Finanzministeriums ein – das Konto für Bürgerspenden zur Schuldentilgung. Vielen dürfte das Konto völlig unbekannt sein, eingerichtet wurde es jedoch "auf vielfachen Wunsch von engagierten Bürgerinnen und Bürgern" schon 2006, wie das Ministerium auf eine Anfrage der FDP im Bundestag erklärte. Da man nicht mit gemeinnützigen Einrichtungen oder Vereinen konkurrieren wolle, werde jedoch keine Werbung gemacht.

Die im Jahr 2018 eingegangenen Spenden sind ungewöhnlich hoch: Im gesamten Zeitraum 2006 bis 2017 gingen lediglich rund 550.000 Euro auf dem Spendenkonto ein. Schon im Mai dieses Jahres wurde dieser Betrag überstiegen, als in 16 Einzelspenden insgesamt 600.218,39 Euro eingingen. Auch wenn die Bereitschaft, dem Staat finanziell unter die Arme zu greifen löblich ist, ist der Betrag im Blick auf die aktuelle Haushaltsverschuldung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn aktuell steht der deutsche Staat mit rund zwei Billionen Euro Verbindlichkeiten da.

Kein Dankeschön für Spender

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD)
Dürfte sich besonders über die großzügigen Bürgerspenden gefreut haben: Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD)
© imago/photothek, Thomas Trutschel, imago stock&people

Steuerlich absetzbar sind Überweisungen auf das Konto wie viele andere Spenden übrigens nicht, weil sie nicht gemeinnützigen Zwecken im steuerlichen Sinne dienen. Eine Dankeskarte oder Ähnliches bekommen die Geldgeber auch nicht. "Zahlungseingänge auf dem genannten Konto sind in der Regel mit dem ausdrücklichen Hinweis verbunden, dass damit die Schulden des Bundes zurückgeführt werden sollen", schrieb das Ministerium. "Wenn mit den Einzahlungen auch die Kosten für Dankesschreiben, Werbebroschüren und sonstigen Verwaltungsaufwand gedeckt werden müssten, würde die bezweckte Schuldentilgung teilweise nicht erreicht. Dies wäre nicht im Sinne der Spender."