Für Saar-Stahlindustrie: Betriebsräte wandern nach Brüssel

29. Januar 2020 - 8:30 Uhr

Für mehr Unterstützung der saarländischen Stahlindustrie wollen Betriebsräte und Mitstreiter 350 Kilometer zu Fuß von Völklingen nach Brüssel gehen. Zehn Tage werden sie bei dem "Walk of Steel" (Marsch für den Stahl) von diesem Freitag an (31. Januar) unterwegs sein, sagte die Sprecherin des Betriebsrates von Saarstahl, Susanne Heintz, in Völklingen. In Brüssel wollen sie am 10. Februar ihre Forderungen an den EU-Kommissar für Klimaschutz, Frans Timmermans, übergeben.

"Es geht uns darum, dass wir eine sozial-ökologische Transformation erleben müssen, bei der die Beschäftigten nicht auf der Strecke bleiben", sagte der Betriebsratsvorsitzende bei Saarstahl, Stephan Ahr. Angesichts einer notwendigen Umstellung der Stahlindustrie auf eine CO2-freie Produktion brauche es finanziellen Hilfen des Bundes und der EU. Um die deutschen und europäischen Klimaziele einzuhalten, muss die Stahl-Produktion bis 2050 größtenteils ohne fossile Brennstoffe ablaufen.

"Mit dem "Walk of Steel" wollen wir ein Zeichen setzen für den Erhalt unserer Arbeitsplätze und die Unterstützung der Transformation, für die uns kein Weg zu weit ist", sagte Ahr. In der Saar-Stahlindustrie sind nach Angaben des Wirtschaftsministeriums knapp 14.000 Menschen beschäftigt. Unter Berücksichtigung von mit dem Sektor verbundenen Wirtschaftszweigen hingen mehr als 22.000 Arbeitsplätze im Saarland vom Stahl ab.

Im Herbst vergangenen Jahres hatten die Unternehmen Dillinger Hüttenwerke und Saarstahl einen Stellenabbau von 1500 Beschäftigten über die nächsten drei Jahre angekündigt. Zudem sollten weitere 1000 Arbeitsplätze an externe Dienstleister ausgelagert werden.

Bei dem "Walk of Steel" unter dem Motto "Stahl ist Zukunft" wollen rund 40 Saarstahl-Betriebsräte und Vertrauensleute mitmachen, wie Heintz sagte. Es seien jeweils kleine Teams von vier Leuten unterwegs, die sich wie bei einem Staffellauf abwechselten. Geplant sei, dass jedes Team bis zu 40 Kilometer pro Tag gehe. Bewusst sei nicht zum Protestmarsch oder Demozug aufgerufen worden, da dies Anmeldungen in jeder Gemeinde, die durchquert werde, erfordert hätte.

Man rechne damit, dass sich viele Menschen dem Marsch anschließen würden, sagte Ahr, der im ersten Team mitläuft. Es gebe schon etliche Rückmeldungen. Wir sagen aber, wer mitkommt, muss sich selbst organisieren", sagte Heintz. Die Route führt am ersten Tag über Dillingen bis Merzig. Später folgen Schengen, Bettembourg, Esch-Belval in Luxemburg und Habay, Namur und Ottenburg in Belgien.

Quelle: DPA