Wenig Arbeit, schlechte medizinische Versorgung

Für Neda (10) gibt es keine Medikamente : So leiden die Menschen im Iran unter den US-Sanktionen

26. Februar 2020 - 16:49 Uhr

von Kavita Sharma aus dem Iran

Der 17-Jährige Iraner Hassan hat seit Tagen auf sein Abendessen verzichtet, um Geld zu sparen. Er will sich eine neue Hose kaufen. Denn momentan steigen im Iran die Preise wegen der Inflation ständig. Für Hassan ist das eine Katastrophe. Als Verkäufer verdient er nicht viel. Die Folgen schildert er im Video.

Für Kranke ist die Situation im Iran dramatisch

So wie Hassan geht es vielen Iranern. Die USA verhängen immer wieder neue Sanktionen gegen das Land. Der Konflikt zwischen beiden Ländern schwelt schon seit fünf Jahrzehnten. Zuletzt wurde der hochrangige iranische General Qasem Soleimani durch eine US-Drohne getötet. Der Iran attackierte daraufhin eine amerikanische Militärbasis im Irak.

Neda und ihre Mutter haben ein lange Fahrt auf sich genommen

Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Besonders dramatisch ist die Situation für Kranke im Iran. Die Medikamente im Land knapp. In einer Klinik treffen wir Neda und ihre Mutter. Sie haben eine lange Fahrt auf sich genommen, wie sie im Video erzählen.

Momentan ist Nedas Zustand noch stabil, aber ohne die angemessene medizinische Versorgung wird es bald zu schweren Komplikationen kommen, sagt die Mutter und sie fügt hinzu: "Wir können auf keinen Fall nach Hause zurückkehren, bevor wir nicht die Medikamente erhalten."

Unternehmen wollen nicht mit dem Iran handeln

Eigentlich sind Medizin und andere humanitäre Güter von den US-Sanktionen ausgenommen. Das Problem ist nur: Unternehmen wollen trotzdem nicht mit dem Iran handeln, aus Angst vor Strafmaßmahmen. Und die Sanktionen erschweren allgemein den Zahlungsverkehr. Das bedeutet, dass gerade importierte Medikamente zur Mangelware werden.

Preise haben sich verfünffacht

Und was rar ist, wird teuer. In einer Apotheke die wir besuchen, wird uns gesagt, das die Preise teilweise um das Fünffache gestiegen sind. Sehr zum Ärger der Kunden. Eine Apothekerin sagt uns, sie hört viele Beschwerden.

Für einen Rentner, den wir treffen, ist jedoch ein guter Tag. Er zeigt uns erleichtert seine Einkaufstüte. Der Mann hat Diabetes und hat alle Medikamente bekommen, die er braucht. Dafür muss der Mann inzwischen mehrere Apotheken abklappern. Bevor der Rentner die Apotheke verlässt, sagt er uns noch, er sei überzeugt, die Situation wird noch um vieles schlimmer werden. Angesichts der Wirtschaftsmisere teilen viele Iraner diesen Pessimismus.