Fünf Verletzte nach illegalem Autorennen in Hagen – Kind schwebt in Lebensgefahr

06. Juli 2016 - 12:11 Uhr

Der Unfallfahrer raste in den Gegenverkehr

Illegale Autorennen stellen auf Deutschlands Straßen einen gefährlichen Trend dar, der immer wieder Tote und Verletzte fordert. Dies beweist wieder eindrücklich ein Vorfall, der sich jetzt in Hagen zutrug: Zwei Männer lieferten sich ohne Rücksicht auf Verluste ein wildes Autorennen quer durch die Stadt. Dabei verlor ein 46-jähriger Fahrer die Kontrolle über seinen Renault und raste frontal in den Gegenverkehr. Der entgegenkommende Ford hatte keine Chance mehr, auszuweichen.

Illegales Autorennen in Hagen.
Die Bilanz des illegalen Autorennens in Hagen: Fünf schwer verletzte Menschen und geschrottete Autos.
© dpa, Alex Talash

"Wir hatten das Fenster auf und hörten einen riesigen Knall. Ich dachte, da wäre irgendwo eine Bombe explodiert", beschreibt eine Anwohnerin den Moment, als in hoher Geschwindigkeit Blech auf Blech, Metall auf Metall prallten. In dem silbernen Ford saß eine junge Familie, die schwer verletzt wurde. Ein weiterer Wagen wurde in den Unfall verwickelt. Ein sechsjähriger Junge musste mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus eingeflogen werden, er schwebt in akuter Lebensgefahr.

"In den Fahrzeugen waren insgesamt fünf Personen. Ein Fahrzeug war besetzt mit einer Mutter und zwei Kindern. Und zwei Einzelfahrer. Alle Personen gelten als schwer verletzt", erklärt Veit Lenke von der Feuerwehr Hagen. Die Mutter und die elfjährige Schwester des kleinen Jungens wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Der 46 Jahre alte Unfallfahrer brach sich bei dem schweren Zusammenprall ein Bein.

Der zweite Raser flüchtete vom Unfallort. Wenige Stunden später soll sich der 33-Jährige mit seinem Anwalt bei der Polizei gemeldet haben und sich einer Vernehmung stellen wollen. Nach derzeitigen Ermittlungsstand vermutet die Polizei, dass beide Männer sich zufällig an einer Ampel trafen und von dort aus ihr Rennen starteten. Beide Raser sollen dann mit einem Tempo von über 100 km/h durch die Straßen von Hagen gebrettert sein.

Nach etwa 600 Metern soll es zum tragischen Unfall gekommen sein: Als sie eine vierspurige Straße entlang preschten, fuhr eine 76 Jahre alte Frau vom Fahrbahnrand los. Der 46-jährige Raser wollte offenbar einen Bogen um sie schlagen und geriet dabei in den Gegenverkehr. Er stieß frontal mit dem Ford der 37 Jahre alten Mutter zusammen. Aufgrund des heftigen Zusammenpralls schleuderte ihr Auto gegen das eines 30 Jahre alten Mannes, der neben ihr fuhr. Sein Wagen brach aus, rammte eine Verkehrsinsel und überschlug sich einmal. Der Mann ist schwer verletzt.

Die Polizei nahm beiden Unfallverursachern ihre Führerscheine ab.

Sind die Strafen für illegale Rennen nicht hart genug?

Die Serie der illegalen Autorennen in den deutschen Städten will nicht abreißen. Allein in Köln ereigneten sich im vergangenen Jahr drei heftige Raserunfälle, bei denen unbeteiligte Menschen ums Leben kamen. Die Möchtegern-Rennfahrer kamen jedes Mal mit Bewährungsstrafen wegen fahrlässiger Tötung davon. Diese Strafe schreckt Raser offenbar nicht davon ab, sich auf den Straßen miteinander zu messen.

Kölns ehemaliger Oberbürgermeister Fritz Schramma verlor seinen Sohn Stefan, weil ein Raser ihn an einer Bushaltestelle totfuhr. Reue habe er bei den Verantwortlichen vor Gericht nicht gemerkt. "Die beiden Täter sind quasi grinsend rausgegangen. So nach dem Motto, und das fasst die Gesellschaft auch so auf: Die sind freigesprochen worden. Und das geht für meine Begriffe nicht. Da müssen härtere Strafen ran", ermahnt er im Gespräch mit RTL.