Fünf Tote und 40 Verletzte in London - Terrorwarnstufe wird nicht erhöht

24. März 2017 - 16:27 Uhr

Polizei geht von Einzeltäter aus

Bei dem Doppelanschlag am britischen Parlament in London sind nach Angaben der Polizei mindestens fünf Menschen getötet worden, darunter der Täter. Mindestens 40 weitere Menschen wurden verletzt, sagte ein Sprecher von Scotland Yard. Bei dem Mann handelt es sich um einen Einzeltäter. Die Behörden ermitteln wegen Terrorverdachts: Vor dem Parlamentsgebäude fielen Schüsse. Ein Auto raste auf einer Themsebrücke in mehrere Fußgänger. Außerdem wurde ein Polizist mit einem Messer attackiert. Die Terrorwarnstufe wird nicht erhöht.

Viel Blut und bewegungslose Körper

"Wir behandeln dies als einen terroristischen Vorfall, bis wir etwas anderes wissen", teilte Scotland Yard auf Twitter mit. Der mutmaßliche Angreifer wurde erschossen. In Luftaufnahmen war zu sehen, wie mehrere Menschen auf der Westminster-Brücke vor dem britischen Parlament am Boden lagen und behandelt wurden. Ein Autowrack war auf dem Fußgängerweg vor dem Zaun des Parlamentsgeländes zu sehen. Weite Teile des Regierungsviertels waren abgesperrt. Einige U-Bahnhöfe wurden geschlossen; Touristengruppen saßen im Untergrund fest. Auch im berühmten Riesenrad London Eye steckten Menschen vorübergehend fest - mit Blick auf den Tatort.

Am späten Abend  kündigte die britische Premierministerin Theresa May an, dass die Terrorwarnstufe trotz des Doppelanschlags nicht erhöht wird. Nach einer Sitzung mit ihrem Sicherheitskabinett im Regierungssitz Downing Street bestätigte sie auch, dass es sich bei dem Angreifer um einen Einzeltäter handelte. Den Anschlag bezeichnete sie als "krank und verkommen". Das Leben werde wie gewohnt weitergehen. "Morgen früh wird das Parlament zusammentreten wie immer". Nach der aktuellen Warnstufe in Großbritannien gilt ein Anschlag bereits als 'sehr wahrscheinlich'. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass die Identität des Attentäters geklärt ist. Weitere Details wollte der Sprecher zunächst nicht preisgeben.

Unter den Verletzten in London sind mindestens drei französische Schüler, wie das französische Außenministerium in Paris mitteilte. Auch zwei rumänische Staatsbürger sollen rumänischen Behörden zufolge verletzt worden sein. Unklar blieb zunächst, ob auch deutsche Staatsangehörige betroffen sind.

Kanzlerin Angela Merkel hat bestürzt auf die mutmaßlichen Terroranschläge von London reagiert und den Briten Solidarität im Anti-Terror-Kampf zugesagt. "Auch wenn der Hintergrund dieser Taten noch präzise aufzuklären ist, bekräftige ich für Deutschland und seine Bürger: Im Kampf gegen jede Form von Terrorismus stehen wir fest und entschlossen an der Seite Großbritanniens", erklärte Merkel. Zuvor hatte bereits Regierungssprecher Steffen Seibert seine Anteilnahme auf Twitter zum Ausdruck gebracht: "Unsere Gedanken sind bei unseren Freunden in Großbritannien. Wir hoffen, dass jetzt alle sicher sind und sich alle Verletzten vollständig erholen werden". Auch SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz twitterte sein Mitgefühl: "Was auch immer die Hintergründe sind: Ich bin schockiert über die Attacke in London".

Polizei bittet um Fotos von Zeugen

Rettungskräfte stehen am 22.03.2017 in der Nähedes britischen Parlament in London (Großbritannien) bereit. In der Nähe des Londoner Parlaments sind am Mittwoch Schüsse gefallen. Mehrere Menschen sollen nach britischen Medienberichten verletzt worden
Polizisten stehen in der Nähe des britischen Parlaments in London vor einem beschädigten Fahrzeug.
© dpa, Yui Mok

Die britische Polizei hat nach den beiden mutmaßlichen Terroranschlägen in London Zeugen aufgerufen, Filmaufnahmen und Fotos an die Ermittler zu senden. Per Twitter verwies sie auf einen entsprechenden Link zur Übermittlung von Hinweisen. Gleichzeitig rief die Polizei zur Zurückhaltung auf und bat darum, keine Bilder und Videos von Verletzten in Umlauf zu bringen.

Königin Elizabeth II. hat sich während der mutmaßlichen Terrorangriffe am Parlament im  Buckingham-Palast aufgehalten. Die Fahne, die ihre Anwesenheit des britischen Staatsoberhaupts anzeigt, war gehisst. Palastsprecher äußerten sich nicht zu konkreten Sicherheitsmaßnahmen und verwiesen auf die Polizei. Das britische Unterhaus unterbrach seine Sitzung. Aus Regierungskreisen hieß es, Premierministerin Theresa May sei unverletzt.

Beim letzten Terroranschlag in London hatten im Juli 2005 vier Muslime mit britischem Pass in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze gezündet. 56 Menschen starben, etwa 700 wurden verletzt.

Die Angriffe in London wurden auf den Tag genau ein Jahr nach islamistischen Attacken in Brüssel verübt. Am 22. März 2016 rissen drei Selbstmordattentäter am Flughafen der belgischen Hauptstadt und in der U-Bahnstation Maelbeek im Europaviertel 32 Menschen mit in den Tod. Der letzte große Terroranschlag in London ist fast zwölf Jahre her. Damals zündeten vier Muslime mit britischem Pass in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen starben.