Fünf IS-Verdächtige in Deutschland festgenommen - angeblich "Nr. 1 in Deutschland" darunter

10. November 2016 - 8:12 Uhr

In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind Medienberichten zufolge fünf IS-Verdächtige festgenommen worden. Unter den mutmaßlichen Terroristen soll auch ein gebürtiger Iraker sein, der als zentrale Figur der islamistischen Szene in Deutschland gilt. 

Männer sollen Verdächtige für die IS-Terroristen rekrutiert haben

Berichten zufolge, plant die Bundesregierung die Terrorgruppe IS in Deutschland zu verbieten.
Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Irak. Die jetzt in Deutschland verhafteten Männer sollen versucht haben, Freiwillige für die Terrorbande zu rekrutieren.
© Reuters

Der Bundesanwaltschaft gelingt offenbar ein Schlag gegen die Islamisten-Szene in Deutschland: Die Sicherheitsbehörden haben bei Einsätzen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen einen der mutmaßlich wichtigsten Unterstützer der Terrormiliz IS in Deutschland festgenommen. Der 32 Jahre alte Iraker Abu Walaa gilt als prägende Figur der bundesweit einflussreichen Islamisten-Szene in Hildesheim. Nach monatelangen Ermittlungen wurden jetzt fünf IS-Verdächtige verhaftet. Die Männer ausländischer Herkunft sollen nach Angaben der Bundesanwaltschaft Freiwillige für den Islamischen Staat (IS) rekrutiert haben. Hinweise auf Anschlagspläne in Deutschland gibt es demnach nicht.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wertete die Verhaftungen als "wichtigen Erfolg". Diese gute Nachricht zeige, dass die Sicherheitsbehörden "aktiv, entschlossen und wachsam sind", sagt er. Der Iraker und vier weitere Männer wurden am frühen Morgen verhaftet. Es handelt sich laut Bundesanwaltschaft um den 32-jährigen irakischen Staatsangehörigen Ahmad Abdulaziz Abdullah A. (Szenename Abu Walaa), den 50-jährigen Türken Hasan C., den 36-jährigen deutschen und serbischen Staatsangehörigen Boban S., den 27-jährigen deutschen Staatsangehörigen Mahmoud O. und den 26-jährigen Ahmed F. Y. aus Kamerun.

Die Bundesanwaltschaft habe seit Herbst 2015 gegen den Iraker und mutmaßliche Helfer ermittelt. Sie sollen vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen junge Muslime für den sogenannten 'Heiligen Krieg', den Dschihad, angeworben und bei der Ausreise logistisch und finanziell unterstützt haben. Abu Walaa sei es vorbehalten gewesen, Ausreisen zu billigen und zu organisieren, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Das Netzwerk habe nachweislich einen jungen Mann samt seiner Familie zum IS nach Syrien geschleust.  Erst Ende Juli hatte es Durchsuchungen gegeben. Unter den kontrollierten Objekten sei die Moschee des 'Deutschsprachigen Islamkreises Hildesheim' (DIK) in der Hildesheimer Nordstadt gewesen. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) bezeichnete die Moschee damals als "bundesweiten Hot-Spot der radikalen Salafistenszene".

Iraker Abu Walaa soll "die Nummer 1 des IS in Deutschland" sein

Die Sicherheitsbehörden hatten schon länger beobachtet, dass es im zeitlichen Umfeld zu Islamseminaren des Predigers in der Moschee zu Ausreisen nach Syrien gekommen war. In Hildesheim durchsuchten Polizisten am Dienstagmorgen eine Wohnung. Außerdem waren die Beamten waren in der DIK-Moschee im Einsatz. Bei Einsätzen in den Ruhrgebietsstädten Dortmund und Duisburg sowie in Tönisvorst nahe Düsseldorf nahm die Polizei nach Angaben des NRW-Innenministeriums zwei mutmaßliche IS-Anhänger fest. Sie sollen Teil des salafistischen Netzwerks um den Iraker sein. Der Iraker Abu Walaa wohnt nach Angaben des NRW-Innenministeriums in Tönisvorst und sei oft als salafistischer Redner aufgetreten.

Laut NDR, WDR und 'Süddeutscher Zeitung' hatten die Aussagen eines IS-Rückkehrers maßgeblichen Anteil an den Festnahmen. Der 22-Jährige war nach einem Aufenthalt im IS-Gebiet in Syrien in die Türkei geflohen und hat sich nach eigenen Aussagen von der Terrormiliz losgesagt. Bevor er Ende September nach Deutschland zurückgekehrt sei, habe der Mann dem Recherchenetzwerk  in der Türkei ein Interview gegeben, in dem er den Iraker Abu Walaa schwer belastet und als "die Nummer 1 des IS in Deutschland" bezeichnet habe. Die Beschuldigten hätten - soweit sie sich in der Vergangenheit dazu geäußert hätten - eine Verbindung zum Terrorismus verneint.