Führungsstreit bei den Linken: Kommt nun eine weibliche Doppelspitze?

23. Mai 2012 - 19:33 Uhr

Auch Bartsch unter Druck

Oskar Lafontaines Rückzieher hat die Führungskrise bei den Linken nicht ent-, sondern verschärft. Nun gerät auch sein ehemaliger Konkurrent Dietmar Bartsch im Kampf um die Parteispitze gehörig unter Druck. Thüringens Fraktionschef Bodo Ramelow legte diesem nahe, nachzuziehen und auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz zu verzichten.

Führungsstreit bei den Linken
Die stellvertretende Parteichefin Katja Kipping (links) und die NRW-Vorsitzende Katharina Schwabedissen (rechts) kandidieren gemeinsam für den Vorsitz der Linkspartei.
© dpa, Karlheinz Schindler

Unterdessen mehren sich die Stimmen für eine weibliche Doppelspitze. Die stellvertretende Parteichefin Katja Kipping und die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Katharina Schwabedissen haben gemeinsam ihren Hut in den Ring geworfen und ihre gemeinsame Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt. "Wir fühlen uns dem Aufbruch in Richtung einer neuen, nicht-autoritären Linken verpflichtet", heißt es in einer Erklärung der beiden und vier weiterer Linken-Politiker, die die Kandidatur unterstützen.

Die sechs Politiker wollen ihren Vorstoß für eine weibliche Doppelspitze am Mittag bei einer Pressekonferenz in Hannover erläutern. Einzige weitere Kandidaten sind bisher Vizefraktionschef Dietmar Bartsch und die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann. Die Erklärung mit der Überschrift "Weil das Wünschen nicht geholfen hat" veröffentlichte Kipping auf ihrer Internetseite.

Inzwischen wird der Ruf nach einer weiblichen Doppelspitze lauter

Lafontaine hatte am Dienstag seinen Verzicht auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt, nachdem Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi ihm am Montag seine Unterstützung entzogen hatte. Lafontaine hatte sich nur unter der Bedingung zu einer Kandidatur bereiterklärt, dass kein anderer gegen ihn antritt. Vor allem Ost-Linke, die dem pragmatischen Flügel um Bartsch zuzurechnen sind, bezeichneten dieses Verhalten als undemokratisch.

Lafontaine konzentriert sich nun auf den Saar-Landtag. Der 68-Jährige traf zu einer Plenarsitzung in Saarbrücken ein. Eine Stellungnahme zum Rückzug seiner Kandidatur lehnte er ab.

Inzwischen wird der Ruf nach einer weiblichen Doppelspitze lauter. "Zwei Männer haben wir ja schon gehabt", sagte Parteichef Klaus Ernst. Es müssten Frauen mit Ausstrahlung auch in die alten Bundesländer sein. Der stellvertretende saarländische Linke-Chef Heinz Bierbaum verlangte, Lafontaines Lebensgefährtin, die stellvertretende Parteivorsitzende Sahra Wagenknecht, müsse dabei eine zentrale Rolle spielen.

Auch der Thüringer Fraktionschef Ramelow plädierte für einen sogenannten Dritten Weg. "Ich habe Dietmar Bartsch immer den Rücken frei gehalten", sagte er der 'Berliner Zeitung'. "Aber wenn es einen besseren gemeinsamen Weg gibt, dann möchte ich darüber nicht öffentlich zu Gericht sitzen. Alle müssen sich gemeinsam an einen Tisch setzen. "Denkbar sei eine weibliche Doppelspitze, bei der sich die Frage stelle, "ob ein versierter Bundesgeschäftsführer mit dem Profil eines Dietmar Bartsch dabei gewollt ist."