Urteil gefallen

Früherer KZ-Wachmann erhält Bewährungsstrafe wegen Beihilfe zum Mord

Urteil im Prozess gegen ehemaligen SS-Wachmann
Urteil im Prozess gegen ehemaligen SS-Wachmann
© dpa, Daniel Bockwoldt, dbo cul

23. Juli 2020 - 13:27 Uhr

2 Jahre auf Bewährung für 93-Jährigen

Das Landgericht Hamburg hat einen ehemaligen SS-Wachmann im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Die Jugendstrafkammer sprach den 93 Jahre alten Angeklagten am Donnerstag der Beihilfe zum Mord in 5232 Fällen und wegen Beihilfe zu einem versuchten Mord schuldig. Der Prozess findet nach Jugendstrafrecht statt, weil der Mann zu Beginn der Tatzeit im Jahr 1944 erst 17 Jahre alt war. 

Richterin: "Sie waren ein Teil dieser Hölle."

Rund 90 nationale und internationale Journalisten haben sind am Donnerstag im Landgericht Hamburg dabei, als Richterin Anne Meier-Göring ihr Urteil vorträgt. Sie sagt anfangs: "Diese Verfahren war schwierig – rechtlich und menschlich. Am allermeisten hat es den Nebenklägern abverlangt, die uns von den Erinnerungen erzählt haben, obwohl es so schmerzhaft war. Schließlich ging es um mehr als 5000 Menschenleben. "Wie konnten Sie sich nur an das Grauen gewöhnen und es nach kurzer Zeit als eintönig empfinden", fragt die Richterin den 93-jährigen Bruno D. eindringlich.

"Ein Mensch, der die Verbrechen von Hitler und Himmler unterstütze."

Weiter in ihrem Urteilsspruch, sagte Richterin Meier-Göring: "Wir und Sie müssen verstehen, dass Sie als Mensch das Entsetzliche den Menschen und den Nebenklägern angetan haben und dass Sie bestraft werden müssen. Und zwar auch am Ende Ihres Lebens. Wir alle müssen verstehen, dass Menschen in der Lage sind, so etwas anderen Menschen anzutun. Und zwar keine sadistischen Menschen, sondern ganz normale Menschen wie Herr D.

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Die Würde des Menschen ist unantastbar

Auch in der heutigen Zeit oder vielmehr gerade in der heutigen Zeit ist dieser Prozess wichtiger denn je. Richterin Meier-Göring richtet mahnende Worte an alle, die im Gerichtssaal zuhören: "Achtet die Würde des Menschen um jeden Preis. Auch, wenn der Preis die eigene Sicherheit ist. Denn nur dann kann man sagen, ich habe mich nicht schuldig gemacht." Natürlich weiß niemand von uns, wie wir uns in Bruno Ds. Lage verhalten hätten. Wenn wir an seiner Stelle gewesen wären. Aber genau deswegen muss dieses urteil wohl die Botschaft sein: "Wer sich so verhält wie Bruno D. wird zur Verantwortung gezogen. Und deswegen kann auch nicht die Frage sein: Warum jetzt noch? Sondern sie muss sein: Warum jetzt erst?", so die Richterin.