"Früher war mehr Lametta": Letzter deutscher Hersteller stellt Produktion ein

Im fränkischen Roth schliesst nach über 90 Jahren die letzte Lametta-Produktionsstätte. (Symbolbild)
Im fränkischen Roth schliesst nach über 90 Jahren die letzte Lametta-Produktionsstätte. (Symbolbild)
© dpa, Oliver Berg

23. Dezember 2015 - 10:47 Uhr

"Lametta ist out" - gefragt sind vor allem Christbaumkugeln

Einst ein Klassiker der Weihnachtsdeko, heute ein Auslaufmodell: Lametta ist nicht mehr gefragt an Weihnachtsbäumen. Der letzte Hersteller in Deutschland hört mit der Produktion der weihnachtlichen Glitzerfäden auf. "Wir haben heute das letzte Lametta produziert", sagte der Verkaufsleiter beim Unternehmen 'Riffelmacher & Weinberger' im fränkischen Roth. Derzeit seien noch Restbestände im Handel, aber dann "wird es nicht mehr in Deutschland produziert", hieß es. Damit wurde ein Bericht der 'Süddeutschen Zeitung bestätigt.

Der Betrieb begründete den Ausstieg aus der Lametta-Produktion mit der nachlassenden Nachfrage. Der Verkaufsleiter Walter Enzenhöfer weine dem Lametta jedoch keine Träne nach, sagte er. Denn nun kämen neue Weihnachtsprodukte auf den Markt - etwa Girlanden aus Kunststoff.

Das fränkische Unternehmen produziert seit mehr als 90 Jahren unter anderem Weihnachtsschmuck. Mit dem Ende des Lamettas aus Stanniol endet in Roth eine Jahrhunderte alte Fertigungs- und Wirtschaftstradition. Dort gab es einst mehrere Fabriken, die Lametta produzierten. Die Stadt war das Zentrum der sogenannten Leonischen Industrie, in der Feinmechaniker Metalldrähte und -fäden verarbeiteten - etwa zu Schmuck und Lametta. Übrig blieb nur 'Riffelmacher & Weinberger'. Das Unternehmen verarbeitete einst bis zu 50 Tonnen Material jährlich, wie die Zeitung schreibt. Zuletzt seien es noch ein paar Hundert Kilo gewesen. Mittlerweile wird der meiste Weihnachtsschmuck in China hergestellt.

Schon 1978 wusste Opa Hoppenstedt in Loriots Sketch 'Weihnachten bei Hoppenstedts': "Früher war mehr Lametta." Schon seit einigen Jahren werde Lametta kaum noch nachgefragt, heißt es in der Branche. "Lametta ist völlig out", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur in Köln, Thomas Grothkopp. Das gelte schon seit einigen Jahren. Lametta sei für viele altmodisch, dazu komme der Trend zu nachhaltigeren Produkten wie Holzaccessoires. Der größte Umsatzbringer beim Weihnachtsschmuck seien Christbaumkugeln. Nach wie vor gut nachgefragt werden auch Kerzen, ein neuer Trend seien zum Beispiel Lichterketten mit LED-Technik. Genaue Zahlen gebe es aber nicht. Der weitaus größte Teil der Weihnachtsartikel werde in Asien produziert, vor allem in China.