Frühchen in Louisiana (USA) mit nur einem Tag gestorben

Kann Corona Frühgeburten auslösen?

Löst das Coronavirus Frühgeburten aus? Wir fragen Dr. Specht!
© iStockphoto, Praisaeng

07. April 2020 - 18:30 Uhr

Mutter hatte Covid-19

Im US-Bundesstaat Louisiana ist ein Baby an den Folgen des Coronavirus gestorben. Es kam in der 22. Schwangerschaftswoche zu früh auf die Welt und wurde nur einen Tag alt. Doch nicht das Frühchen selbst, sondern seine schwangere Mutter hatte sich angesteckt - das Baby selbst wurde negativ getestet. Dieser erschütternde Fall wirft die Frage auf, ob das Coronavirus schuld an der Frühgeburt war und auch andere Schwangere bei einer Infektion Gefahr laufen, ihr Baby zu früh zu bekommen. Wir haben unseren Medizinexperten Dr. Specht gefragt.

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Schwangere gehören nicht zur Risikogruppe

Generell gibt Dr. Specht ganz klar Entwarnung: Schwangere gelten bisher nach wie vor nicht zur Risikogruppe im Zusammenhang mit den neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2. Anders als bei der Influenza oder der Schweinegrippe seien sie nicht gefährdeter, schwere Verläufe zu erleiden, als andere Menschen. "Nur 10 Prozent der Schwangeren, die sich mit dem Coronavirus infizieren, haben schwere Krankheitsverläufe", erklärt der Medizinexperte RTL. Und dies gelte ja auch nur für die bestätigten Fälle - die meisten hätten gar keine Symptome und wüssten daher nicht, dass sie das Virus in sich tragen.

Aber wie ist der Fall aus Louisiana zu erklären, zu dem der Gerichtsmediziner sagt, die Mutter hätte aufgrund ihrer sonstigen körperlichen Verfassung keine Frühgeburt gehabt und ganz klar der Corona-Infektion schuld gibt?

"Das ist schwer zu sagen", gibt Dr. Specht zu. Es gäbe einfach noch wenig Untersuchungen zu einem möglichen Zusammenhang zwischen dem Coronavirus und Frühgeburten. "Infektionen generell können aber schon zu Frühgeburten führen", erklärt er. Es handle sich dabei um eine Schutzfunktion des Körpers vor der Entzündung, die die Viren in ihm auslösen. Der Körper der Mutter wäge quasi ab, ob es für das Baby im Mutterleib noch sicherer ist, als wenn er einfach die Geburt einleite. Im Fall aus Lousiana könne das ein Grund gewesen sein, den unser Experte aber nur schwer einschätzen könne.

Laut Mini-Studie aus China haben 47 % der schwangeren Corona-Patientinnen Frühgeburten

Im Zusammenhang mit diesem tragischen Fall zitiert unter anderem die "Daily Mail" eine Studie aus China, nach der fast die Hälfte (47 Prozent) aller Corona-Patientinnen Frühgeburten erleiden. Dr. Specht erklärt jedoch, dass es sich einerseits nur um eine sehr kleine Studie von 32 Schwangeren gehandelt habe und dass keine von ihnen eine spontane Frühgeburt gehabt hätte. Von den 32 Frauen brachten 27 das Baby per Kaiserschnitt auf die Welt, 15 von ihnen vor dem errechneten Geburtstermin, 12 zu diesem oder danach.

"Wahrscheinlich wurden die Kaiserschnitte vorsorglich durchgeführt, um eine Infektion der Babys im Mutterleib zu verhindern." Selbst bei einem positiven Corona-Test und entsprechenden Symptomen sei es aber nach heutigem Stand nicht nötig, ein Baby per Kaiserschnitt vorzeitig auf die Welt zu holen.

Warum wurde das Baby in Louisiana dann als Corona-Todesfall eingestuft?

Die wenigsten Menschen sterben an dem Coronavirus selbst, sondern vielmehr an schweren Symptomen, die sich oftmals zu bereits bestehenden Vorerkrankungen dazugesellen. Bei vielen sehr alten oder kranken Patienten könne es laut Dr. Specht sogar sein, dass sie auch ohne Corona-Infektion nicht mehr lange gelebt hätten. Dennoch haben gerade die Risikogruppen oft so schwere Verläufe, dass Corona zumindest eine Rolle beim Tod spielt. In den meisten Ländern erkläre man also bei fast allen Todesfällen, in denen es einen positiven Corona-Befund bei den Beteiligten gibt, das Virus als Todesursache.

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