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Friedrich Merz ist der Anti-Merkel: Was heißt seine Polit-Rückkehr für die Kanzlerin?

Wer ist Friedrich Merz? Und was macht ihn zum Anti-Merkel?
Wer ist Friedrich Merz? Und was macht ihn zum Anti-Merkel? Er will CDU-Chef und Merkel-Nachfolger werden 01:10

2002 übernahm Angela Merkel seinen Posten: Revanchiert sich Friedrich Merz jetzt?

Dass Friedrich Merz sich aus der Politik zurückgezogen hat, ist eng mit Angela Merkels Aufstieg verbunden. Jetzt, wo Merkel angekündigt hat, Macht abzugeben, taucht der 62-Jährige plötzlich wieder auf. Merz kandidiert für das Amt des CDU-Vorsitzenden – und damit könnte die Ära der Kanzlerin Merkel deutlich schneller enden, als ihr lieb ist. Denn Merz sieht die Chance zur Revanche: Doch wofür eigentlich? Und was macht ihn zum Anti-Merkel? Im Video erfahren Sie außerdem, was nochmal die "Bierdeckel-Geschichte" war.

Zwei Jahre an der Fraktionsspitze, jäh beendet von Angela Merkel

Für Friedrich Merz war die Bundestagswahl 2002 besonders schmerzhaft. Womöglich sogar schmerzhafter als die für die gesamte Union und die CDU-Chefin Angela Merkel – ungefähr auf einem Level mit dem großen Wahlverlierer, Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber. Mit dem damaligen CSU-Chef Stoiber hatte Merkel vor der Wahl das verabredet, was tiefe Spuren bei Merz hinterlassen hat. Sie einigte sich mit Stoiber, dass sie als CDU-Vorsitzende auf die Kanzlerkandidatur verzichtet, im Gegenzug im neugewählten Bundestag aber unabhängig vom Wahlergebnis die Führung der Fraktion übernimmt.

So verlor Friedrich Merz den Fraktionsvorsitz, nur zwei Jahre nachdem er ihn von Wolfgang Schäuble übernommen hatte. Jegliche Versöhnungsgesten schlug Merz danach aus, blieb nur noch für kurze Zeit als Vize-Fraktionschef für seine Spezialgebiete Steuern und Finanzen, bevor er sich 2009 komplett aus Fraktion und Partei zurückzog. "Ich habe andere Koordinaten als nur politische Ämter", sagte er – offensichtlich schwer getroffen vom jähen Bruch seiner CDU-Karriereleiter. Ab diesem Zeitpunkt arbeitete er in seinem erlernten Job als Rechtsanwalt für große Unternehmen und als Lobbyist internationaler Konzerne: Beratung in Sachen Steuerschlupflöcher, beispielsweise in der Cum-Ex-Affäre, inklusive. Ebenso sein Engagement für Blackrock, den weltgrößten Finanzfonds.

Manche Wunden heilen nie – und auch politische Gegensätze bleiben

Doch weder berufliche Ablenkung, noch verdientes Geld, noch Ämter in verschiedenen Aufsichtsräten konnten die politischen Wunden heilen, die Angela Merkel ihm zugefügt hatte. Friedrich Merz will die Chance nutzen, Merkel als Parteivorsitzender direkt zu folgen. Eine Doppelspitze aus Angela Merkel als Bundeskanzlerin und ihrem Gegenspieler Merz als CDU-Chef, ist das vorstellbar?

Nicht nur Vergangenes würde gegen weitere drei Jahre der Ära Merkel im Bundeskanzleramt sprechen. Denn politisch verdient sich Merz die Bezeichnung Anti-Merkel. Während die 64-Jährige in Zuwanderungsfragen mit ihrem "Wir schaffen das" in Erinnerung bleiben wird, hat Friedrich Merz im Jahr 2000 den Begriff der deutschen Leitkultur geprägt. Damit wollte er ein klares Nein der CDU in der Zuwanderungspolitik begründen. Merz gilt als wertkonservativer Steuerexperte und Wirtschaftspolitiker. Merkel hat die Christdemokraten so sozialdemokratisch gemacht, dass die SPD riesige Schwierigkeiten hat, sich von Merkels Politik abzugrenzen. Wenn die CDU im Dezember Merz zu ihrem Chef wählt, wäre das ein klarer Bruch – eine Rückkehr des konservativen Flügels an die Spitze. Ein Nebeneinander der Kanzlerin und des Anti-Merkels Merz ist kaum vorstellbar.

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