"Kann nicht jeder so machen, wie er es gerne hätte"

Im Video: Beim Thema Gendern platzt Friedrich Merz (CDU) der Kragen

26. April 2021 - 9:20 Uhr

Im RTL-Interview erklärt Merz, was ihn am Gendern stört

Friedrich Merz (CDU) hat sich in einem Interview ganz klar gegen eine gendergerechte Sprache positioniert. Am liebsten hätte der Ex-Unionsfraktionschef eine Regel, wie es sie in Frankreich gibt: Dort hat die Regierung eine solche Sprache in staatlichen Institutionen verboten. Auch im exklusiven RTL-Interview oben im Video erklärt Merz, was ihn an gleichberechtigter Sprache stört.

„Wer gibt diesen Gender-Leuten eigentlich das Recht, einseitig unsere Sprache zu verändern?“

Ein Twitter-Post von Friedrich Merz sorgte für heftige Kritik. "Wer gibt diesen Gender-Leuten eigentlich das Recht, einseitig unsere Sprache zu verändern?", fragte er da provozierend.

Im Interview mit RTL betont Merz, dass er nicht verstehe, warum eine "kleine Gruppe von Leuten" sich anmaßen würde, "den Gebrauch der deutschen Sprache zu verändern." Er verstehe nicht, warum es an einigen Universitäten Punkteabzug gebe, wenn das Gender-Sternchen nicht benutzt wird, betont er im RTL-Interview. "Das ist eine Anmaßung der Wissenschaft in Deutschland. Das ist nicht der Prüfungsmaßstab einer wissenschaftlichen Arbeit, ob da jemand ein Sternchen reinschreibt oder nicht. Da haben auch Professoren nicht das einseitige Recht, das einfach zu beanspruchen." Dasselbe gelte für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und deren Sprachgebrauch in den Nachrichtensendungen.

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Mit diesem Tweet machte Friedrich Merz seine Position zum Gendern deutlich

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Aber: Hat nicht jeder das Recht, seine Meinung frei zu äußern?

Für Merz bedeutet Gendern: Ein Versuch, "Teile des Sprachgebrauchs in Deutschland zu verändern", erklärt der Politiker im RTL-Interview. "Und da wir in einer Demokratie leben, habe ich nur eine Frage gestellt: Wer gibt ihnen eigentlich das Recht, das zu tun?" Hat dann nicht umgekehrt auch jeder das Recht, Sprache so zu nutzen, wie sie oder er möchte? "Die Bevölkerung hat umgekehrt das Recht, dass gerade die mit Pflichtbeiträgen finanzierten Medien Rücksicht nehmen auf ihre Empfindungen und ihre Meinung", äußert Merz gegenüber dem "Spiegel". "Und die Studentinnen und Studenten an den Universitäten haben das Recht, dass ihre Prüfer auf sach- und wissenschaftsfremde Bewertungskriterien in den Prüfungsarbeiten verzichten." Er hoffe, auf die Klärung der Gerichte, betonte er im RTL-Interview.

Merz ist der Meinung, dass die Mehrheit der Deutschen, wie er, Gender-Sprache ablehnt, "eindeutig dagegen" ist. Außerdem, so der Politiker, würde ein Sternchen nicht zu Gleichberechtigung führen.

Merz wünscht sich eine Regelung, wie in Frankreich

Ginge es nach Merz, müsse es eine einheitliche Regelung geben. Dazu nennt der Politiker Frankreich als Beispiel: Dort hat die Regierung um Präsident Emmanuel Macron gendergerechte Sprache in allen staatlichen Institutionen verboten. "Die Franzosen haben offenbar ein besseres Feingefühl für den kulturellen Wert ihrer sehr schönen Sprache", argumentiert Merz im Spiegel-Interview. "Gerade in gesellschaftlich verantwortungsvollen Positionen kann das nicht jeder so machen, wie er das vielleicht gerne hätte."

Im Interview mit RTL sagt Merz zusammenfassend: "Das kann ja jeder machen – aber nicht im öffentlichen Raum."

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