Er kickt bisherigen Abgeordneten raus

Friedrich Merz wirft sich in den Staub und holt sich CDU-Bundestagskandidatur

Versammlung der CDU im Hochsauerlandkreis vor der Bundestagswahl: Friedrich Merz gewinnt die Kampfabstimmung.
Versammlung der CDU im Hochsauerlandkreis vor der Bundestagswahl: Friedrich Merz gewinnt die Kampfabstimmung.
© dpa, Jonas Güttler, jgu alf

17. April 2021 - 12:38 Uhr

Showdown im Sauerland: Friedrich Merz sägt Parteifreund ab

Hätte es nicht geklappt, wäre er weg gewesen: "Ich lege diesen letzten Abschnitt meines politischen Lebens heute in Ihre Hand." Das hat Friedrich Merz VOR der Kampfabstimmung um das CDU-Bundestagsmandat für den Hochsauerlandkreis gesagt. Der 65-Jährige hat alles auf eine Karte gesetzt – und gewonnen. Merz hat seinem partei-internen Gegenkandidaten und aktuellen Bundestagsabgeordneten Peter Sensburg die Kandidatur abgeluchst. 480 Delegierte mussten am Samstag entscheiden, ob Merz oder Sensburg (49) das Mandat bekommen.

Abstimmung im Sportstadion - Merz gewinnt mit deutlichem Vorsprung

Das Ergebnis: 327 Stimmen für Merz, Sensburg bekam 126 Stimmen. Die beiden hatten zuvor in jeweils über 20-minütigen Reden um die Zustimmung der Delegierten geworben. Während Sensburg vor allem auf seine Tätigkeit für den Wahlkreis in den vergangenen knapp zwölf Jahren verwies, kritisierte Merz den Zustand seiner Partei. Er versprach den Delegierten, keinen "bequemen und angepassten Abgeordneten" zu bekommen.

Vor Delegierten: Merz nennt sich selbst "instinktlos" und bittet um Entschuldigung

ARCHIV - 03.07.2020, Berlin;Nordrhein-Westfalen, Berlin: Die Foto-Kombo zeigt Patrick Sensburg (l) und Friedrich Merz (r), die beide für die CDU im Hochsauerlandkreis als Bundestagskandidaten antreten wollen. Am 17. April stimmen 480 Delegierte in Ar
Peter Sensburg (links) sitzt für die CDU als Abgeordneter im Bundestag und will im Herbst erneut antreten. Friedrich Merz (rechts) will ihm die Kandidatur abluchsen. Den Showdown im Hochsauerlandkreis hat Merz gewonnen.
© dpa, Christophe Gateau, cgt fdt aus wa pil

Merz wollte im Januar CDU-Bundesvorsitzender werden – und verlor. Daraufhin forderte er das Amt des Bundeswirtschaftsministers für sich. "Diese Entscheidung von mir war ein Fehler, ich hätte für das Amt eines stellvertretenden Parteivorsitzenden kandidieren sollen. Dies nicht getan zu haben, und stattdessen auch noch das Amt des Bundeswirtschaftsministers zu beanspruchen, war falsch und instinktlos."

Merz schießt gegen die Kanzlerin, die Regierung und das Gendern

In seiner Bewerbungsrede um das Bundestagsmandat rechnete Merz mit der Bundeskanzlerin und der Regierung ab – ohne jemanden beim Namen zu nennen: "Für eine solche Zurückhaltung gibt es hier und heute keine Veranlassung mehr." Merz sagte weiter: "Die CDU hat ihren Kompass verloren, unsere Wählerinnen und Wähler – soweit noch vorhanden – wissen nicht mehr, wofür wir eigentlich stehen. Wir verlieren beständig an die Grünen, vor allem im Westen, weiter an die AfD, vor allem im Osten. Ein beachtlicher Teil unser Wählerinnen und Wähler von früher resigniert und geht gar nicht mehr wählen." Merz kritisierte außerdem die Gendersprache mit den Worten: "Wer gibt diesen Leuten eigentlich das Recht, einseitig die deutsche Sprache zu verändern?" Merz Positionen sind auch in der CDU durchaus umstritten.

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