Kein Ärger mit Gaspreisen

Aussteiger Friedmunt Sonnemann: "Ich lebe seit 32 Jahren alleine im Wald und mir fehlt es an nichts"

11.11.2022, Rheinland-Pfalz, Longkamp: Friedmunt Sonnemann steht am frühen Morgen vor seinem Haus. Seit mehr als drei Jahrzehnten lebt er als Aussteiger in einer selbst gebauten Lehmhütte im Wald. (zu dpa-Text: Ein Aussteiger im Wald - «Mir fehlt es
Aussteiger Friedmunt Sonnemann vor seinem Lehmhaus.
wst, dpa, Harald Tittel

Friedmunt Sonnemann hat keine Probleme mit Strom und Gas. Denn er lebt seit 32 Jahren im Wald. In einer Lehmhütte ohne Strom und Wasseranschluss. Wenn der Ofen in der Stube an ist, findet er 14 Grad ganz angenehm.

RTL hat Friedmunt Sonnemann vor einigen Jahren besucht - so lebt er im Wald:

So lebt Friedmunt Sonnemann im Wald Wir haben ihn 2014 besucht
02:54 min
Wir haben ihn 2014 besucht
So lebt Friedmunt Sonnemann im Wald

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Geheizt wird mit Holz

Horrende Strom- und Gaspreise? „Das alles tangiert mich nicht“, sagt er in einer selbstgebauten Lehmhütte in einem abgelegenen Waldstück im Hunsrück bei Longkamp. Seit 32 Jahren lebt er mitten in der Natur - ohne Strom- und ohne Wasseranschluss. „Mir fehlt es an nichts“, sagt der 56-Jährige, der langes Haar und langen Bart trägt, auf seinem kleinen Bauernhof, der „Königsfarm“. „Das hier ist die einzige Art, wie ich leben möchte.“

Das Wasser zum Trinken holen er und seine „Mitstreiter“, wie er temporäre Mitbewohner nennt, aus einer nahe gelegenen Quelle. Zum Kochen und Waschen wird meist Regenwasser genommen. „Das Klo ist Trockenkompostierung.“ Und geheizt wird mit Holz. „Wenn in dem Raum ein Ofen an ist und das Thermometer in der Ecke 14 Grad zeigt, dann empfinden wir das als angenehm“, sagt der gebürtige Bonner, der in Köln aufgewachsen ist.

11.11.2022, Rheinland-Pfalz, Longkamp: Friedmunt Sonnemann sitzt in der Küche seines Lehmhauses und streicht Samen aus getrockneter Nachtkerze in eine Schüssel. Seit mehr als drei Jahrzehnten lebt er als Aussteiger in einer selbst gebauten Lehmhütte
Friedmunt Sonnemann in seinem Haus.
wst, dpa, Harald Tittel
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„Wir ziehen uns im Winter auch warm an.“

„Auf keinen Fall“ werde in der kalten Jahreszeit die Stube auf 20 oder 21 Grad geheizt. „Das wäre wirklich Verschwendung“, sagt der schlanke Mann. „Wir ziehen uns im Winter auch warm an.“ Das Holz holt sich Sonnemann von eigenen Flächen, aber auch von außerhalb. „Da sind die Preise natürlich auch gestiegen. Aber damit kann ich leben, das ist nicht so dramatisch.“

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Insgesamt, meint Sonnemann, könne der Mensch mit weniger auskommen als er annehme. Ihm sei klar, dass nicht jeder so wie er im Wald leben könnte. „So viele Plätze gibt es in Deutschland nicht.“ Aber die Lebensweise in den Industrieländern, die der überwiegende Teil der Bevölkerung genossen habe, werde auf Dauer nicht zu halten sein, meint er. „Es wird auf jeden Fall ein Umdenken einsetzen.“

Sogar Besucher aus Mexiko

Bei der Arbeit helfen ihm Menschen, die für eine gewisse Zeit mit auf der Farm wohnen. „Gerade sind wir acht.“ Sie kämen auch, um „einen gewissen Abstand“ zu „der Welt draußen“ zu bekommen. „Wir leben hier nicht in einer separaten Welt. Aber die Auswirkungen von dem, was gerade in der Welt passiert, sind vergleichsweise klein.“ Manchmal kämen Leute sogar aus Mexiko oder aus Taiwan auf den Hof.

Man rede viel über das, was in der Welt passiere. Von Corona sei die Farm bisher verschont geblieben. „Wenn, dann hatte ich es mit einem sehr leichten Verlauf“, sagt Sonnemann, der in den letzten Jahren nur beim Zahnarzt war. „Ich bin eigentlich mein eigener Heiler.“

Jahrelang hatte Sonnemann gegen den Bau der Hochmoselbrücke in der Nähe seiner Farm gekämpft, über die nun seit drei Jahren der Verkehr läuft. Zeitweise, bei Ostwind, höre er „schon kräftig den Lärm“, sagt er. Aber es bleibe ihm nichts anderes übrig, „als sich damit zu arrangieren“. Die für das Projekt erfolgte „Landschaftszerstörung“ finde er aber nach wie vor „ganz furchtbar“.

11.11.2022, Rheinland-Pfalz, Longkamp: Friedmunt Sonnemann zeigt in seinem Garten eine Huacatay (Gewürztagetes) aus den Anden in Südamerika. Seit mehr als drei Jahrzehnten lebt er als Aussteiger in einer selbst gebauten Lehmhütte im Wald. (zu dpa-Tex
Sonnemann züchtet auf seinem Land seltene Pflanzen.
wst, dpa, Harald Tittel

Zweites Lehmhaus mit Waschmaschine

Die Bewohner von Longkamp im Kreis Bernkastel-Wittlich respektieren ihren Nachbarn im Wald. „Die Arbeit, die er macht, wird hier akzeptiert“, sagt Ortsbürgermeister Horst Gorges (CDU). Die wenigsten aber im Ort könnten nachvollziehen, wie Sonnemann dort lebe.

Auf dem Gelände, das Sonnemann gehört, ist inzwischen ein zweites Lehmhaus entstanden. Und auf einer Scheune habe man ein Solarpanel angebracht, um ab und an mal eine Waschmaschine laufen lassen zu können oder den Akkuschrauber aufzuladen.

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Von Kräutern, Kürbis, Äpfeln und Quitten alleine können die Farmbewohner aber nicht leben. „Wir kaufen auch Reis oder Nudeln dazu“, sagt Sonnemann, der sich nicht als Einsiedler oder Aussteiger sieht, sondern eher als Lebenskünstler. „Ich wohne nicht alleine und ich bin aus der Welt nicht ausgestiegen, sondern hier eingestiegen. Ich mache das ja nicht alles alleine nur für mich selber.“ (dpa/eon)

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