Friedensnobelpreis für Wikileaks?

© dpa, Oliver Berg

3. Februar 2011 - 10:44 Uhr

Die USA dürften nicht begeistert sein

Wikileaks-Gründer Julian Assange könnte der nächste Empfänger des Friedensnobelpreises werden. Ein norwegischer Parlamentsabgeordneter hat das Internet-Enthüllungsportal jetzt offiziell für die Auszeichnung nominiert.

Der linkssozialistische Parlamentsabgeordnete Snorre Valen begründete seinen Vorschlag damit, dass Wikileaks "einer der wichtigsten Beiträge dieses Jahrhunderts zu Meinungsfreiheit und Transparenz" sei. Als jüngstes Beispiel verwies er auf die Enthüllung der persönlichen Bereicherung des tunesischen Ex-Präsidenten Ben Ali. Dies habe zum Ende einer knapp 25 Jahre währenden Diktatur beigetragen. Die Berichte aus Tunesiens Hauptstadt Tunis sind Teil der etwa 250.000 US-Botschaftsdokumente, die Wikileaks schrittweise zusammen mit Medienpartnern veröffentlicht.

"Wikileaks hat mit seinen Publikationen Korruption, Rechtsbrüche durch Regierungen und Unternehmen und vor allem auch gesetzwidrige Überwachung, Kriegsverbrechen und Folter durch eine Reihe von Staaten enthüllt", sagte Valen über die besonders von den USA wegen der Veröffentlichung geheimer Diplomatenberichte kritisch gesehene Seite.

Nicht selten umstrittene Preisträger

Friedensnobelpreis für Wikileaks?
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Der Osloer TV-Sender 'NRK' nannte als weitere nominierte Kandidaten die Präsidentin von Liberia, Ellen Johnson-Sirleaf, sowie die in dem afrikanischen Land geborene Menschenrechtlerin Leymah Roberta Gbowee und den kubanischen Oppositionellen Oswaldo Paya Sardinas. Vorschläge einreichen können unter anderem frühere Preisträger und Parlamentsabgeordnete aus aller Welt. Der Preis ist mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,1 Million Euro) dotiert.

Die Osloer Juroren entscheiden im Oktober unter gut 200 Anwärtern. Sie scheuen sich nicht, umstrittene Entscheidungen zu treffen. Im vergangenen Jahr hatte das Preiskomitee den chinesischen Menschenrechtler Liu Xiaobo ausgezeichnet, der wegen seiner elfjährigen Haftstrafe nicht zur Verleihung kommen konnte.

Einer seiner ebenfalls umstrittenen Vorgänger war US-Präsident Barack Obama. Dessen Regierung wertet die Wikileaks-Veröffentlichungen der Botschaftsdokumente als schweren Rechtsbruch einschließlich der Gefährdung von Menschenleben. Washington hat mehrfach Überlegungen bestätigt, Assange in den USA juristisch zu belangen.