Studie aus Schweden enthüllt:

Friedensforscher warnen: Atommächte modernisieren Nuklearwaffen

Ein Offizier geht an dem Marschflugkörper vom Typ 9M729.
Ein Offizier geht an dem Marschflugkörper vom Typ 9M729.
© deutsche presse agentur

15. Juni 2020 - 12:20 Uhr

13.400 Atomwaffen auf der Welt

Noch immer gibt es mehr als 13.000 Atomwaffen auf der Erde und das knapp drei Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges. Das hat das Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri herausgefunden. Die Zahl der nuklearen Sprengköpfe im Besitz der Atommächte ist 2019 zwar zurück gegangen. Dennoch werde den Atomarsenalen wieder eine wachsende Bedeutung beigemessen, warnten die Friedensforscher. Alle Atommächte seien dabei, ihre nuklearen Waffen weiter zu modernisieren.

Lebensdauer bis in die 2080er

Alle neun Atomwaffenstaaten wollen auf unbestimmte Zeit an ihren Arsenalen festhalten, sagte der Sipri-Experte Shannon Kile. Einige der Waffensysteme, die derzeit entwickelt würden, sollen eine erwartete Lebensdauer bis in die 2080er Jahre haben.

Zu Spitzenzeiten des Kalten Krieges verfügten die Atommächte über etwa 70.000 nukleare Sprengköpfe. Aktuell gibt es also weniger als ein Fünftel der Waffen. Zu den Supermächten zählen die USA und Russland – sie besitzen noch immer mehr als 90 Prozent aller Atomsprengköpfe.

Atomsprengköpfe gelten als einsatzbereit

Diese Staaten verfügen über Atomwaffen:

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  • Großbritannien (215)
  • Frankreich (290)
  • China (320)
  • Indien (150)
  • Pakistan (160)
  • Israel (90)

Die Zahl der Atomwaffen in Nordkorea wird auf 30 bis 40 geschätzt. Als sofort einsatzbereit gilt jedoch nur ein Teil der Atomsprengköpfe der USA, Russlands, Großbritanniens und Frankreichs - das bedeutet, dass sie bereits auf Raketen montiert sind oder sich auf aktiven Stützpunkten befinden.

Friedensforscher beunruhigt

Die Zahl der Atomwaffen hat abgenommen. Hauptsächlich weil die USA und Russland alte Waffen aussortiert haben. Dort sollen aber auch umfassende und kostspielige Programme laufen, die ihre Atomsprengköpfe, Raketen- und Flugzeugsysteme sowie nuklearen Produktionsanlagen ersetzen und modernisieren sollen.

Beide Länder räumten Atomwaffen in ihren Militärplänen neue und größere Rollen ein, was einem Trendwechsel im Vergleich zur Zeit nach dem Kalten Krieg entspreche. "Was uns insgesamt beunruhigt, ist die wachsende Bedeutung von Atomwaffen", sagte Kile. "Wir sehen einen entscheidenden Umschwung vom Trend nach dem Kalten Krieg zur allmählichen Marginalisierung nuklearer Waffen. Ich denke, das ist vielleicht die besorgniserregendste Entwicklung."

Nuklearwaffen: Aufbau statt Abbau

Der Abbau der atomaren Waffen verlangsamte sich:

  • 2018 wurden 600 Waffen weniger gezählt.
  • Im vergangenen Jahr lag der Rückgang nur noch bei 465.
  • In China kamen sogar 30 Atomwaffen hinzu.
  • Auch in Indien und Pakistan sowie in Israel und Großbritannien konnten die Forschenden einen leichten Anstieg bemerken. Zu den Briten merkte Sipri jedoch an, dass diese Bestände bereits wieder zurückgegangen sein könnten.

China befinde sich dagegen eindeutig in einer wesentlichen Modernisierung seines Atomwaffenarsenals, sagte Kile. Peking wolle eine sogenannte nukleare Triade aufbauen: bestehend aus Interkontinentalraketen, strategischen U-Booten und atomwaffenfähigen Flugzeugen.