„Fridays for Future“

Das sind die deutschen Klima-Rebellen

Klimarebellen reden Klartext Pressekonferenz: Fridays for Future
01:32 min
Pressekonferenz: Fridays for Future
Klimarebellen reden Klartext

20 weitere Videos

So ticken die jungen Aktivisten

Sie machen keinen Führerschein, versuchen auf Fleisch zu verzichten und sind rhetorisch dem einen oder anderen Politiker überlegen. Berlin am Montagmittag – vier junge Vertreter der Klimaschutzbewegung „Friday for Future“ halten eine Pressekonferenz im Museum für Naturkunde ab. Die Hauptstadtpresse lässt sich nicht lumpen, das mediale Interesse ist groß, alles drängt sich um die kleine Bühne. Mit ernster Miene und hoch konzentriert warten vier Klima-Aktivisten auf ihren Einsatz. RTL.de war vor Ort und wollte wissen, wer sind die deutschen Klima-Rebellen?

Fragen zur Person? Unerwünscht!

 Die Klima-Aktivisten Svenja Kannt (r-l), Sebastian Grieme, Linus Steinmetz und Sana Strahinjic stellen zusammen mit Moderator Tom Patzelt und dem Generaldirektor des Naturkundemuseums, Johanes Vogel, bei einer Pressekonferenz im S
Großer Presseauflauf in Berlin zur Pressekonferenz von Fridays for Future.
bvj tba, dpa, Bernd von Jutrczenka

Anlass der Pressekonferenz ist die Vorstellung des konkreten Forderungskatalogs, den die Aktivisten mit vereinten Kräften in den letzten Wochen erarbeitet haben. Svenja, Sebastian, Linus und Sana sind nach Berlin gereist, um der Politik zu erklären, welche konkreten Maßnahmen sie sehen wollen, um die Klimaziele zu erreichen. Die vier besuchen die neunte Klasse und kommen aus verschiedenen Bundesländern.

Während der fünfzehnjährige Linus heute einen Tag seiner Osterferien opfert, schwänzt Sana aus Mannheim die Schule. Aber mit diesen Nebensächlichkeiten, wie sie es nennen, möchten sich die Schüler nicht befassen. Die Presse gehorcht, alle stellen brav Fragen zu den geforderten Klimazielen.

Schüler? Nein! Hier sitzen Medienprofis!

Linus Steinmetz im Interview mit RTL.
Der Klima-Aktivist Linus Steinmetz (15) aus Göttingen.
Franca Lehfeldt, rtl.de

Ein Versuch ist es wert! Nach zahlreichen Fragen zum CO2 Ausstoß und dem Abschalten der Kohlekraftwerke, eine Frage zum Alltag der Vier: „Ihr habt Eure Forderungen vorgetragen, was macht ihr konkret im Alltag, um diese zu unterstützen und zu beschleunigen?“ – es folgt ein kritischer Blick, dann wird abgestimmt, wer diese Frage beantworten soll.

Schließlich nimmt Linus (15) das Mikrofon in die Hand und beginnt zu erklären, dass es heute nur um die konkreten Forderungen geht. Das „Kollektiv“ müsse handeln, nicht das „Individuum“. Alles klar, Linus ist Medienprofi. Nachdem er erneut erklärt, was die Politik alles verpasst und welche Ziele ganz oben auf der Liste stehen, gibt er ein paar knappe Antworten zu seiner Person. Er würde kein Fleisch mehr essen und zuhause achtet er mit darauf, dass der Jogurt nicht aus dem Plastik-, sondern aus dem Glasbecher kommt. Seine Eltern hätten sich inzwischen daran gewöhnt und würden ihn unterstützen. Das sei nicht selbstverständlich, erklärt der Neuntklässler.

Seit Dezember engagiert er sich, geht mit Freunden und Gleichgesinnten regelmäßig auf die Straße! Die Demos bezeichnet er als seine Pflicht, es sei das, was er tun könnte, um auf die Thematik aufmerksam zu machen. Was die Umsetzung angeht, da müssten ganz klar die Politiker ran. Ablenken oder schmeicheln, lässt er sich nicht. Viele Parteien und Politiker hätten die Jugendlichen zu sich eingeladen, aber damit sei es nicht getan, erklärt Linus mit strenger Miene. Er hätte nichts gegen eine Einladung ins Kanzleramt, am Ende wäre es aber nur ein Erfolg, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel feste Zusagen machen würde. Nur um einmal im Kanzleramt zu stehen, dafür würde sich ein Besuch nicht lohnen.

„Was ich für die Umwelt tue? Ich mache keinen Führerschein!“

Die Klima-Aktivisten Svenja Kannt (l-r), Sebastian Grieme, Linus Steinmetz und Sana Strahinjic stellen bei einer Pressekonferenz im Sauriersaal des Museums für Naturkunde die konkreten Forderungen der deutschen Bewegung von Friday
Sana (im Bild rechts) erklärt ihre Ansichten der Hauptstadtpresse
bvj tba, dpa, Bernd von Jutrczenka

Rechts neben Linus sitzt seine junge Kollegin Sana (15) aus Mannheim. Ob sie aufgeregt gewesen sei vor der Pressekonferenz? Nein, aufgeregt war sie nicht, das Ganze sei schließlich eine Chance, mehr Menschen zu erreichen. Auch Sana ist auffällig professionell im Umgang mit der Presse und ihrer persönlichen Kommunikation. Auf die Frage, was sie persönlich im Alltag tue, um die Umwelt zu schützen erwidert sie selbstbewusst: „Ich mache keinen Führerschein. Ich fahre mit der Bahn und mit dem Fahrrad. Ist Radfahren nicht eh gesünder?“. Auf Fleisch verzichtet Sana nicht komplett, spricht aber davon bewusster tierische Produkte zu konsumieren.

Was ihre Familie dazu sagt? Sie sei sehr penetrant, was den Lebensstil betrifft. Ob Plastikmüll oder Urlaubsplanung Sana mischt sich zuhause ein. Der Familienurlaub würde nie außerhalb von Europa stattfinden, alles sei gut mit dem Zug erreichbar und somit keine Diskussion wert. Wenn Sana spricht, klingt sie glaubwürdig. Schnell wird klar: sie lebt vor, was sie fordert. Am Ende fasst sie zusammen: „Lieber opfere ich meine Fernreise, als meine Zukunft.“

Und wann ist Schluss mit Schule schwänzen?

Kaum ist der Satz gesagt, muss sie weiter. Übrigens, keiner der vier gehört einer Partei an – der Grund dafür? Es gebe schlichtweg keine Partei, die all ihren Forderungen nachkommen würde, kein Programm sei vollständig. Welche Partei oder welcher Politiker sie erhört, sei nebensächlich. Ruhe werden sie erst geben, wenn auf Worte Taten folgen, darin sind sie sich stellvertretend für die gesamte Bewegung einig.