Norbert Kremsreiter kann den Lockdown nicht aushebeln

Modehändler wollte mit Klopapier-Trick Corona-Regeln umgehen - Behörden machen Laden dicht

Klopapier statt Fashion - so leicht konnte Norbert Kremsreiter den Lockdown nicht umgehen.
Klopapier statt Fashion - so leicht konnte Norbert Kremsreiter den Lockdown nicht umgehen.
© REUTERS, ANDREAS GEBERT, geb

17. April 2021 - 13:45 Uhr

"Klopapier & Fashion Store" in Freyung muss schließen

Mit einem Trick wollte er die Corona-Regeln umgehen, verkaufte in seinem Modeladen plötzlich Klopapier. Doch Norbert Kremsreiter (46) aus Freyung (Bayern) hat die Rechnung ohne die Behörden gemacht. Seit Donnerstag ist klar: Der Modehändler muss seinen "Klopapier & Fashion Store" wieder schließen und darf Waren nur noch per Click & Meet verkaufen.

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Modehändler aus Bayern bangt um Existenz

Die Idee schien so einfach wie genial: Im März packte Norbert Kremsreiter einen Teil der Pullis und Hosen ins Lager und bot in seiner Boutique fortan auch Toilettenpapier und Lebensmittel an. "Wir sind am Rande unserer Existenz", erklärte der 46-Jährige. Den Schritt gehe er, um seine Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zu holen.

So leicht lässt sich der Corona-Lockdown nicht umgehen

Klopapier & Fashion Store von Norbert Kremsreiter
Bizarres Bild im "Klopapier & Fashion Store": Während Kunden Klamotten aussuchen, stapelt sich im Hintergrund das Toilettenpapier.
© REUTERS, ANDREAS GEBERT, geb

Doch dass sich der Lockdown so leicht umgehen lässt, war schon zu dem Zeitpunkt umstritten. Kremsreiter berief sich auf die sogenannte Mischbetriebsregelung. Die besagt, dass Betriebe öffnen dürfen, wenn der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit (über 50 Prozent) im erlaubten Bereich liegt. Und weil etwa der Verkauf von Lebensmitteln und Drogerieartikeln erlaubt ist, wähnte sich der Boutiquebesitzer im Recht – solange jene Artikel mehr als die Hälfte seines Sortiments ausmachen.

Das bayerische Gesundheitsministerium wies allerdings darauf hin, dass es sich dabei um das "übliche Sortiment" handeln müsse. Also Waren, die dort auch sonst verkauft werden. Weil das im Falle von Hygieneartikeln im Modeladen nicht zutrifft, gab's jetzt die Schließungsanordnung vom Landratsamt. Die Umstellung des Sortiments diene lediglich dem Zweck, Regeln zu umgehen, argumentierte die Behörde.

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Norbert Kremsreiter beklagt Umsatzeinbruch von 90 Prozent

Für Kremsreiter bedeutet das, dass er Kunden nur noch nach Terminvereinbarung in seine Boutique lassen darf. Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 100 und 200 müssen sie zusätzlich einen negativen Coronatest vorlegen. Der Modehändler ist sauer: "Ich habe mehrere tausend Euro in Umbau und Sortimentsumstellung gesteckt. Nicht zum Spaß, sondern damit ich meinen Laden retten und meinen Mitarbeitern ein Auskommen ermöglichen kann", sagt er.

Ob ihm das gelingt, ist ungewiss. Schon durch die Ankündigung, auf Click & Meet plus Test umzustellen, sei sein Umsatz um 90 Prozent eingebrochen, erklärte der Boutiquebesitzer.

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