DGB veröffentlicht Studie zur Gewalt im Öffentlichen Dienst

Freundin des GEZ-Eintreibers (†47) Kurt B.: „Die Angst lief mit ihm mit“

19. Februar 2020 - 15:23 Uhr

Erzieherin Karina P. im Video: Kurt hat seine Arbeit geliebt

Vollstreckungsbeamter Kurt B. wurde im Dezember 2019 in Köln mit einem Messer erstochen, als er an der Wohnungstür von Clemens K. klingelte, um Schulden einzutreiben. Der 47-Jährige trieb an diesem Tag unter anderem ausstehende Rundfunkbeiträge ein. Wir haben mit der besten Freundin des Beamten gesprochen. Karina P. kann noch immer nicht fassen, wie das passieren konnte, erzählt sie im Video.

"Er liebte seinen Job, es war sein Leben"

Es war nicht das erste Mal, dass der 60-jährige Clemens K. aus Köln einen städtischen Mitarbeiter angegriffen hatte. Schon im März attackierte er eine 38-jährige Beamtin mit einem Schraubenzieher und verletzte sie leicht. Damals begleiteten Polizisten die Frau und konnten den Angreifer überwältigten. Er wurde daraufhin in eine Klinik eingewiesen, kam aber wieder raus. Neun Monate später klingelte wieder ein Beamter bei dem 60-Jährigen, dieses Mal ohne Polizeischutz. Es war Kurt. Er sollte mit seiner Kollegin Geld im Auftrag der Stadt Köln eintreiben. Er konnte gerade noch seinen Namen sagen, da stach der Mann schon mit einem Messer zu.

Dass er nicht geschützt war, ist für Karina P. nicht nachvollziehbar. "Dass er nicht vorher wusste, zu wem er geht, ist erschreckend", sagt sie. Sie empfindet Wut und Unverständnis gegenüber dem Täter und den Leuten, die ihn hätten eigentlich schützen müssen. Die Erzieherin war Kurts beste Freundin, seinen Tod kann sie einfach nicht verkraften. "Er liebte seinen Job, es war sein Leben", sagt sie. Doch die "Angst lief mit ihm mit".

"Er war ja nicht unbedingt im Luxusbereich tätig"

Mit Kurt habe sie oft über seinen Job bei der Kölner Stadtkämmerei gesprochen. Aus Datenschutzgründen sei er aber nie konkret geworden. "Ich wusste oft, wo er gewesen ist, mit der Polizei bei Razzien zum Beispiel", so Karina. Er habe für seine Arbeit gelebt. Aber die "Angst hatte er immer im Rücken" gespürt. So habe er sich in seiner Freizeit auf der Straße immer umschauen müssen, ob er nicht plötzlich angegriffen werde. "Er musste halt vorsichtig sein", erzählt sie, "er war ja nicht unbedingt im Luxusbereich tätig." Wenn er mit der Polizei oder dem Ordnungsamt unterwegs gewesen sei, habe er sich sicher gefühlt. "Aber sonst musste er in Angst leben", sagt sie.

Immer mal wieder habe sie in Krimisendungen oder in Nachrichten gesehen, was in seinem Job passieren könne. Sie habe aber nie daran gedacht, dass es auch Kurt treffen könnte. "Dass es so nah an mich herankommt, habe ich nicht erwartet", sagt sie. Deshalb appelliert Karina an die Zuständigen für die Sicherheit von Beamten: Warnt sie vorher. Ein Hinweis über die Person, zu der sie gehen, sei besonders in dem Beruf lebenswichtig.

Aktionstag des DGB gegen Übergriffe auf Einsatzkräfte

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Logo des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Foto: Christoph Schmidt/dpa/Archivbild
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Unter dem Motto "Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch" ist am Mittwoch in Flensburg eine Kampagne gestartet, mit der der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auf die steigende Zahl von Übergriffen auf Einsatzkräfte, Mitarbeiter von Müllabfuhr, Ordnungsamt und Bahn aufmerksam machen will. "Die Gewalt gegen Beschäftigte, die öffentliche Aufgaben verrichten, nimmt seit Jahren zu, das geht von Beleidigungen, Anschreien und Anspucken bis zu Schlägen und Angriffen mit Waffen", sagte der Vorsitzende des DGB-Stadtverbandes, Joachim Sopha.

Matthias Pietsch von Verdi ergänzt, es handele sich nicht um Einzelfälle. "Alle haben das gleiche Problem. Das Klima wird rauer." Pietsch nimmt auch die Arbeitgeber in die Pflicht. Er fordert Pläne zur Gefahreneinschätzung sowie Schulungen und Betreuung, damit die Beschäftigten in heiklen Situationen besser reagieren können und sich nicht alleine gelassen fühlen.