Gibt's nicht nur für Kinder

Freundebücher für Erwachsene: Wie Poesiealben - nur ohne lästige Gedichte

Ein Freundebuch für Erwachsene? Ja, so etwas gibt es - und die Teile sind ziemlich angesagt
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24. März 2020 - 16:39 Uhr

von Mireilla Zirpins

Was, das gibt es? Ich staune nicht schlecht, als ich meinem Sohn ein neues Freundschaftsbuch bestellen will. Er ist Vorschulkind, da ist das Büchlein irgendwann voll. Aber statt der bekannten Modelle mit der Eiskönigin oder dem kleinen Prinzen finde ich zahlreiche Angebote für Erwachsene. Da habe ich wohl einen Trend verschlafen. Bis jetzt!

Als Eltern füllen wir ständig solche Büchlein aus - für unsere Kita-Kids

Mädchen mit Buch
Bei Kindern stehen Freundebücher sowieso hoch im Kurs
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Früher haben wir uns in der Schule selbst Freundschaftsbücher gemacht - aus leeren Kladden. Lieblingsfarbe? Lieblingsstar? Wenn wir heute darin blättern, schaudern wir vor Scham und vor Fremdscham, aber irgendwie ist es doch lustig. Warum eigentlich haben wir damit jemals aufgehört?

Mal abgesehen von uns Eltern! Wir schreiben im Auftrag unserer Kindergartenkinder bei Lieblingsstar wahlweise Mark Forster oder Feuerwehrmann Sam rein – je nach Alter des Kindes. Und bei "Das mag ich nicht": Gemüse, Aufräumen. Im Grunde fülle ich ständig solche Bücher aus, nur dass ich dafür vorher ein kurzes Interview mit meinem Sechsjährigen führe und dann sein Foto einklebe - nicht meins. Die Freundschaftsbücher für Große funktionieren ähnlich - nur ironischer.

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Freundebuch für Erwachsene
Manche Fragen in Freundebüchern für Erwachsene sind ganz schön schräg, andere romantisch
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Es gibt die Büchlein für Erwachsene

Nur dass wir nun reinschreiben, was wir zuletzt gegoogelt haben (und natürlich lügen alle, wenn es ihr Ex war oder Sexpraktiken für eine spitze Zielgruppe), wovor wir "Schiss haben" oder was das Unnötigste war, das wir je gekauft haben.

In anderen kreuzen wir an, ob wir schon mal Popel gegessen haben - warum bitte wird nie in den Freunde-Büchern für Kids danach gefragt? Ob wir schon mal FFK-Urlaub gemacht haben? Nö, nicht mein Ding. Ohne Unterwäsche das Haus verlassen? Nur ohne BH zählt nicht, oder? Einen zu kurzen Rock getragen? Ständig. Wegen eines Haarschnitts geheult? Oh, mehrfach, bitterlich, sogar bei dem kurz vor der Hochzeit. Oder ein Körperteil auf einem Kopierer kopiert haben? Check. Hallo, eine Hand ist auch ein Körperteil!

Wahrheit oder Pflicht in Buchform - unserem Alter angemessen

Hat irgendwie was von Wahrheit oder Pflicht. Wer eine Frage nicht ehrlich beantwortet oder beim Lügen erwischt wird? Der kann ja das Buch drei Mal abschreiben. Und die Fragen für Menschen jenseits der Grundschule sind auch ein bisschen ironischer formuliert, als wir sie aus den Kennerbüchern von früher oder den Freunde-Büchern unserer Kids kennen: "Wenn ich gefragt werde, gebe ich dieses Alter an" – auf diese Frage habe ich gewartet!

Es gibt also gute Gründe, warum Freundschaftsbücher für Große eine feine Sache sind.

Selbstbestimmt blättern statt sich den Algorithmen auszuliefern

Freundebücher lassen uns selbstbestimmt blättern - eine Alternative zur Timeline
Lieber selbstbestimmt blättern als nur in die Timeline gucken: Freundschaftsbücher
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Zwar sind wir alle ständig in Kontakt via Whatsapp, Instagram, Facebook & Co. – auch mit Menschen, die weit weg wohnen. Aber selbst digital verliert man sich schnell aus den Augen. Weil ein Algorithmus Menschen, die nicht so viel posten, vielleicht nach ganz unten in unsere Timeline spült. Weil wir uns täglich zig Beiträge merken, die wir dann doch nie mehr ansehen. Oder weil jemand in unserer Whatsapp-Liste für immer ganz unten liegt. Und was, wenn das Netzwerk oder der Dienst mal eingestellt wird? Vielleicht ist es ganz schön, ein Büchlein auf dem Couch- oder Nachttisch zu haben, in dem man ganz selbstbestimmt blättern kann. Und das bei uns bleibt – sofern wir es immer wieder brav zurückgeschickt bekommen.

Freundschaftsbücher fördern die Kreativität

Selbst die von uns, die sich im Kunstunterricht immer versucht haben, unsichtbar zu machen, malen irgendwas in dieses leere Feld – zum Beispiel unserer Lieblingsessen auf einen leeren Teller. Come on, eine Pizza oder ein Eis kriegt noch jeder hin! Und es muss ja nicht perfekt sein. Wir wollen ja auch in ein paar Jahren noch was zum Lachen haben.

Noch schöner ist nur: Das Freundschaftsbuch wie früher einfach selber machen. Dann haben die Fragen auch genau das Humor-Level, das man schätzt und seinen Freunden guten Gewissens zutrauen kann. Und man kann sich gestalterisch mal so richtig austoben. Ein Grund mehr, das gerade total angesagte Handlettering mal zu lernen. Gar nicht so Ihr Ding? Man kann Freundschaftsbücher auch digital selbst erstellen mit Hilfe von Vorlagen. Da muss man nur noch beim Fragen-Texten kreativ werden.

Ein Freundschaftsbuch bringt uns wieder in Kontakt

Lässt uns wieder zum Telefon greifen: ein Freundschaftsbuch für Erwachsene
Ein Freunschaftsbuch bringt uns wieder in Kontakt
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Beim Durchblättern fällt uns plötzlich ein, wen wir die ganze Zeit schon anrufen wollten. Anrufen, nicht whatsappen! Oder wir haben plötzlich Gesprächsbedarf, weil wir lesen, dass jemand von unseren Freunden schon mal was geklaut hat und uns das neugierig macht. Wieso weiß ich nichts davon? Welchen Ex hat sie gecyberstalkt? Oder weil wir einfach gerührt sind über das, was er oder sie in der "Weißt du noch"-Rubrik mit allen geteilt hat.

Ein wahrer Schatz an Erinnerungen

Lassen uns über uns selbst reflektieren: Freundschaftsbücher für Erwachsene
Freundschaftsbücher lassen uns über uns selbst nachdenken
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So ein Buch ist auch ein schöner Fotoalbum-Ersatz. Sowas haben viele von uns ja gar nicht mehr. Die Bilder werden mit ein bisschen Glück mal sortiert und an Weihnachten als Fotobuch verschenkt, meist verschwinden sie aber in der Versenkung auf einem Smartphone oder einem Rechner. Im Grunde ist es wie ein Poesiealbum, nur ohne die lästige Verpflichtung, etwas Gereimtes oder Sinnstiftendes abzusondern. Im Freundebuch schreiben lieben Menschen uns noch was zu ihrem Foto dazu. Dinge, die etwas über sie selbst enthüllen. Und über uns.

Wir denken beim Ausfüllen über uns selbst nach

Und wenn wir selbst derjenige sind, der sich im Freunde-Buch verewigt, erfahren auch wir selbst etwas über uns. Denn die Fragen lassen uns nicht nur schmunzeln oder zusammenzucken, beim Ausfüllen denken wir über uns selbst nach. Sozusagen ein erster Schritt für alle, die sich nicht trauen, ein Tagebuch zu führen (hier geht's zum Selbstversuch: Warum uns Tagebuchschreiben so gut tut). Das ist eine wertvolle Selbstreflektion, es ist Zeit mit uns selbst. Bis wir dann zum Telefon greifen und den Besitzer des Buches anrufen. Weil wir uns gefreut haben, dass er an uns gedacht hat, dass ihm unser Eintrag wichtig war. Oder weil wir jetzt mal übers Popelessen und die Sache mit dem Kopierer reden müssen.

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