Politiker von Stephan E. ermordet

Freund von Walter Lübcke: Mitangeklagter Nazi frei - das macht mich wütend

Rainer Hahne auf einem Erinnerungsfoto mit Walter Lübcke
Rainer Hahne auf einem Erinnerungsfoto mit Walter Lübcke
© RTL

28. Januar 2021 - 18:14 Uhr

Bewährungsstrafe für Mitangeklagten macht Rainer Hahne wütend

Reiner Hahne war ein enger Freund des ermordeten Walter Lübcke. Das Urteil nach dem langen Gerichtsprozess ist für ihn unbefriedigend. Es sei nichts Halbes und nichts Ganzes, meint Hahne mit Blick auf die ausgebliebende Entscheidung über Sicherungsverwahrung bei Stephan Ernst und die Bewährungsstrafe für den Mitangeklagten. Letztere macht den Journalisten, der Lübcke vor 25 Jahren kennen lernte, wütend.

Endlich hat die Geschichte ein Ende

Gespannt hat Rainer Hahne das Urteil im Gerichtsprozess gegen Stephan Ernst und dessen vermeintlichen Komplizen Markus H. verfolgt. Der Hauptangeklagte Stephan Ernst ist zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Dazu kommt die besondere Schwere der Schuld.

Für Rainer Hahne nicht genug. Er ist wütend, dass der Richter nicht auch noch die Sicherungsverwahrung ausgesprochen hat. Er glaubt, dass der Richter so milde entschieden habe, damit das Urteil nicht angefochten wird.

„Sie müssen ihn nicht mehr ansehen“

Erst vor wenigen Tagen hatte Rainer Hahne Kontakt zu Walter Lübckes Söhnen: "Sie haben auf die letzten Prozesstage resigniert gewirkt." Für die Familie freue er sich, dass sie Stephan Ernst nicht mehr in die Augen sehen müssten. Hahne glaubt aber, dass auch die Angehörigen nicht zufrieden mit dem Urteil seien.

RTL.de empfiehlt

Anzeigen:

Im Video: RTL-Reporter berichtet aus dem Gericht von der Urteilsverkündung

25 Jahre Freundschaft

Rainer Hahne
Rainer Hahne erinnert sich im RTL-Interview an seinen Freund und Urlaubsgefährten Walter Lübcke
© RTL

Rainer Hahne ist Chefredakteur der Zeitung "Extra Tip" und kannte Lübcke seit 25 Jahren. Die beiden trafen sich häufig im Fitnessstudio, abends auch mal in der Kneipe: "Wir haben relativ schnell nach den ersten Gesprächen gemerkt, dass man sich aufeinander verlassen kann. Er wusste, wenn er mir was erzählt, dass ich das nicht sofort in die Zeitung schreibe und ihn nicht, auf gut Deutsch, in die Pfanne haue."

Rainer Hahne und Walter Lübcke verband eine sehr enge Freundschaft. Die beiden machten oft zusammen Urlaub, erst im Mai, einen Monat vor Lübckes Tod, waren sie im Allgäu. Rainer Hahne beschreibt Walter Lübcke so: "Walter trat auf, wie er sich wohlfühlt, egal wo wir hingekommen sind. Er war niemand, der sich was auf seinen Job einbildet, sondern er war Walter und kam sofort mit den Leuten ins Gespräch." Walter Lübcke fehle ihm sehr, so der Journalist. "Wir hatten vor seinem Tod schon Urlaubspläne für die kommenden Jahre."

Hahne sah Prozess phasenweise als Farce an

In den vergangenen Wochen konnte Rainer Hahne mit dem Kopfschütteln oft gar nicht aufhören, wie er im RTL-Interview berichtet. Das Verfahren fühlte sich für den langjährigen Freund Walter Lübckes phasenweise wie eine Farce an: "Wenn ich diese dummen Sprüche von den Anwälten, insbesondere der von Stephan E., gehört habe – da wird mir richtig übel." Zudem kritisiert der Journalist, dass die Verhandlung in einem viel zu kleinen Raum stattgefunden habe.

Ein exklusives Interview mit dem Strafverteidiger von Stephan Ernst – vor dem Urteil – lesen Sie hier.

Bewährungsstrafe für Markus H. - Hahne fürchtet Grund zum Feiern für Nazi-Szene

Richtig sauer mache Rainer Hahne das Urteil gegen Markus H., der zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt wurde – wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Ursprünglich war er wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. "Jetzt kann der durch Kassel laufen und weiter sein rechtsradikales Gedankengut verbreiten." Markus H. sei ein Nazi, der jetzt in der Nazi-Szene gefeiert werde. Die Bewährungsstrafe sei einfach nur lächerlich, betont Hahne.

Auch interessant