Fressgewohnheiten von Edmontosaurier geben wieder Rätsel auf

Die Edmontosaurus-Mumie in der Dauerausstellung des Senckenberg Naturmuseums. Foto: Senckenberg Naturmuseum/dpa
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03. April 2020 - 14:40 Uhr

Fast 100 Jahre gingen Wissenschaftler davon aus, dass die auch als Entenschnabelsaurier bekannten Edmontosaurier Pflanzenfresser waren. Dabei stützten sie sich auf einen 1922 veröffentlichten Artikel. Nun hat ein Wissenschaftler des Frankfurter Senckenberg-Instituts für Naturforschung festgestellt, dass die bisherigen Annahmen auf einer Fehleinschätzung beruhten. Was tatsächlich auf dem Speiseplan der Saurier stand - möglicherweise auch Fische oder andere Pflanzen als bisher gedacht - ist noch zu erforschen.

Bisher galt ein 1922 veröffentlichter Artikel über den versteinerten Mageninhalt einer Edmontosaurus-Mumie im Senckenberg-Museum als Nachweis für die Fressgewohnheiten der Tiere. Senckenberg-Wissenschaftler Dieter Uhl kamen Zweifel, als er sich den Text vornahm: Dem Artikel zufolge lag der fossile Verdauungsapparat auf einem Knochenfortsatz des Edmontosaurier-Beckens.

Ursprünglich vermuteten die Wissenschafter, dass "die Mumie rechts auf der Seite lag, der Mageninhalt auf diesen Knochen abgesunken sei und dort versteinerte", erläuterte Uhl. Die Fundsituation des Sauriers sei aber eine ganz andere gewesen: Er lag mit dem Bauch auf der Erde, wie Uhl bei seiner Recherche in alten Unterlagen feststellte. "Der Magen hätte in dieser Position nicht an der beschriebenen Stelle versteinern können – es sei denn, der bis zu zehn Tonnen schwere Dinosaurier hätte sich lange nach seinem Ableben nochmal gedreht."

Auch für die mikroskopischen Pflanzenreste aus dem mutmaßlichen Mageninhalt fand Uhl eine Erklärung. Es handele sich vermutlich um eine Zusammenschwemmung von Blattresten im Sandstein, die lange nach dem Tod des Tieres zufällig entstand, sagte Uhl. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass unsere uralte Dinomumie noch viele ganz aktuelle Fragen aufwirft."

Quelle: DPA