Täter auf freiem Fuß

Fremder nahm Mädchen einfach mit: So erlebte eine Mutter den Spielplatz-Horror

02. Juli 2020 - 9:41 Uhr

Kinderfänger wohnt ganz in der Nähe

Plötzlich bildet sich eine Menschentraube, Eltern unterhalten sich aufgeregt. Nora (35) begreift sofort, dass etwas geschehen sein muss und erfährt, dass ein fremder Mann ein kleines Mädchen mitgenommen hat. Einfach so, am helllichten Tag, inmitten des fröhlichen Kindergewusels. Weshalb der Vorfall sie so sehr schockt und ob sie nun Angst um ihre kleine Tochter (6) hat –  im Video.

„Das muss innerhalb von Sekunden gewesen sein"

Die 35-Jährige sei schon immer wachsam gewesen, habe früh mit ihrer Tochter ein Codewort abgemacht und sie dazu erzogen, vorsichtig zu sein, Fremde zu siezen, um Umstehenden deutlich zu machen: Ich kenne diesen Mann oder diese Frau nicht. Sie sei sich der Gefahren durchaus bewusst gewesen und doch habe ihr der Vorfall auf dem Spielplatz am Boxhagener Platz in Berlin noch einmal vor Augen geführt: Im schlimmsten Fall kann alles verdammt schnell gehen.

"Das muss innerhalb von Sekunden gewesen sein, dass die Mutter das nicht mitbekommen hat", erzählt sie im RTL-Interview. Der Spielplatz ist gut einsehbar, nicht von Büschen umstellt. Dennoch konnte der Mann sich zunächst scheinbar unbehelligt mit dem kleinen Mädchen entfernen. "Ich frag mich halt, krass, wie schnell muss das gegangen sein? Und dann wird einem mal wieder bewusst, dass es wirklich nur Sekunden sind", so die Mutter. "Das ist schon erschreckend."

Eltern in Sorge: Täter ist wieder auf freiem Fuß

"Ich fand's vor allem richtig gut zu merken, dass Zivilcourage da ist, dass die anderen Eltern drauf geachtet haben. Denn es war ja eine andere Mutter, die gesagt hat: 'Irgendwas passt da nicht, das Bauchgefühl stimmt nicht'", so Nora. Die Mutter folgte dem Mann, alarmierte den Kioskmitarbeiter Zoran Zivcovic (44), der den Kinderfänger zur Rede stellte und zurück zum Spielplatz eskortierte, wo er der Polizei übergeben wurde. Nora ist froh, dass die aufmerksame Frau sich nicht davon abhalten ließ, dass sich die ganze Situation womöglich auch als peinlicher Irrtum hätte herausstellen können. "Lieber einmal zu viel fragen und gucken, ob alles okay ist, anstatt aus Peinlichkeit zu denken: 'Dann fühlt der andere sich auf den Schlips getreten, ich mach' das jetzt lieber nicht'".

Sie habe sich gewundert, dass die versuchte Kindesentführung erst nach zwei Wochen den Weg in die Presse gefunden hat. Nora hätte sich nach der Tat vom Ordnungsamt zumindest einen Aushang gewünscht, der auf den Fall aufmerksam macht und Eltern dafür sensibilisiert, die Augen offen zu halten. Denn der Täter ist wieder auf freiem Fuß – und lebt ganz in der Nähe des Spielplatzes. Ein Umstand, der vielen Eltern Angst macht. Wie sie selbst damit umgeht und ob sie sich nun noch mehr Sorgen um ihre Tochter macht, erzählt die 35-Jährige im Video.