23. Januar 2019 - 18:30 Uhr

Dorfbewohner schmieren Brote und verteilen Decken

Es ist inzwischen eineinhalb Wochen her, dass Julen in Totalán in ein tiefes Bohrloch stürzte. Rund 300 Helfer sind Tag und Nacht im Einsatz, um den Zweijährigen dort herauszuholen – teilweise unter Extrembedingungen. Denn in den Tunneln mangelt es nicht nur an Licht und Platz, sondern auch an Sauerstoff. Um die Helfer zu unterstützen, packen auch die Dorfbewohner mit an, wo sie können – auch wenn es nicht viel mehr ist, als Butterbrote zu schmieren und zu hoffen.

"Unter normalen Umständen würde so eine Aktion Monate dauern"

Volunteers cook food for the rescue personnel at the area where Julen, a Spanish two-year-old boy, fell into a deep well eight days ago when the family was taking a stroll through a private estate, in Totalan, southern Spain January 21, 2019. REUTERS
Freiwillige kochen Essen für die Retter.
© REUTERS, JON NAZCA, JN/ MOS

Um den Jungen aus dem Loch zu holen, kamen Minenexperten, Ingenieure und Arbeiter aus dem ganzen Land in das Dorf in der Nähe von Málaga. Während sie arbeiten, versuchen die Dorfbewohner die Retter mit dem Nötigsten zu versorgen. "Wir machen Sandwiches und geben Obst, Saft und Erfrischungsgetränke – das was eben gebraucht wird. Genau wie in jedem Dorf", erzählt ein junger Mann im Supermarkt. Im Video erzählen Nachbarn, wie sie versuchen, die Helfer zu unterstützen und wie schwierig die Situation für alle in Totalán ist.

Eigentlich hatten die Helfer gehofft, den Jungen viel schneller aus dem Loch zu befreien, aber die Rettungsarbeiten verzögerten sich immer wieder. Ángel García Vidal, der Sprecher der Einsatzkräfte, schätzt, dass bei den Bohrungen rund 40.000 Tonnen Material abgetragen wurden. "Unter normalen Umständen würde so eine Aktion Monate dauern", betonte er. So viel Zeit haben die Retter in diesem Fall aber nicht. Je mehr Zeit vergeht, desto geringer werden Julens Überlebenschancen.

"Die Natur hat hier das Sagen"

A member of Civil Protection and a volunteer carry a pot with food for the rescue personnel at the area where Julen, a Spanish two-year-old boy, fell into a deep well eight days ago when the family was taking a stroll through a private estate, in Tot
Die Menschen in Totalán halten zusammen.
© REUTERS, JON NAZCA, JN/ MOS

Innerhalb weniger Tage musste ein Parallelschacht gebohrt werden. Nun müssen die Helfer horizontalen einen Verbindungstunnel graben, um an Julen heranzukommen. "Das größte Problem war die Schwierigkeit des Geländes", erklärte ein Feuerwehrsprecher. "Das Gelände hat es unmöglich gemacht, dass wir so schnell vorangekommen sind, wie wir es uns gewünscht hätten", erklärte er. "Die Natur hat hier das Sagen."

Julen stürzte bei einem Sonntagsausflug mit seinen Eltern in den 107 Meter tiefen, vermutlich illegal gebohrten Schacht. Seitdem gibt es kein Lebenszeichen mehr von dem Kind. Mit einer mobilen Kamera entdeckten die Helfer in rund 70 Metern tiefe in dem schmalen Schacht eine Tüte Süßigkeiten, die der Zweijährige bei sich hatte. Weiter kamen die Retter mit der Kamera nicht, denn lose Erde verstopfte den Durchgang.