Freital: Flüchtlinge geraten mitten in heftige Proteste gegen Asylunterkunft

25. Juni 2015 - 19:22 Uhr

Rund 100 Polizisten vor Ort

Erneut hat es in Freital bei Dresden Proteste gegen die Unterbringung von Asylbewerbern in einem ehemaligen Hotel gegeben. Dabei gerieten Männer, Frauen und kleine Kinder, die auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind, mitten in die Proteste. Sie wurden von rund 160 Gegnern des Flüchtlingsheims an der Zufahrt zu dem Gebäude empfangen – mit Hassparolen.

Proteste Freital bei Dresden
Mit einer deutsch-russischen Flagge protestierten die Gegner des Aslybewerberheims.
© dpa, Oliver Killig

Auch etwa 80 vorwiegend linke Demonstranten fanden sich ein, um Übergriffe auf die Flüchtlinge zu verhindern, wie sie selbst erklärten. Rund 100 Einsatzkräfte der Polizei trennten die Lager.

Die 50 Asylbewerber kamen überraschend mitten während des Protests an. Auch die Beamten seien von der Ankunft der neuen Flüchtlinge mitten im Trubel der Demonstrationen erst kurzfristig unterrichtet worden, sagte ein Polizeisprecher.

"Die Polizei beschützt uns. Ich bin Deutschland sehr dankbar", sagte ein junger Flüchtling. Ein anderer sagte: "Wenn sie mich kennen und ich sie, wird alles gut. Jetzt wissen die Menschen zu wenig über uns." Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) schlug in die gleiche Kerbe: "Sorgen und unbegründete Vorbehalte müssen im Dialog besprochen werden."

Nach dem Ende der Versammlungen am späten Abend wurden der Polizei zufolge einige der Linken mit Flaschen beworfen. Dabei wurde ein Mann leicht verletzt. Wer die Flaschen warf, ist nach Angaben der Polizei noch unklar.

Experten sind besorgt

Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), zeigte sich angesichts der Proteste besorgt: "Mir ist wichtig, deutlich zu sagen, dass ein Aufruf zu Gewalt gegen Flüchtlinge in keiner Weise akzeptabel ist", sagte sie der 'Berliner Zeitung'. Es gebe in Freital offensichtlich Menschen, die aufwiegeln und eine bösartige Stimmung erzeugen wollten. "Das weckt durchaus schlimme Erinnerungen."

Sachsens Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth (CDU) warf den Organisatoren der Proteste aggressive Stimmungsmache vor. "Manche Formulierungen der Rädelsführer enthalten zumindest zwischen den Zeilen Aufrufe zu Gewalt gegen Personen und Sachen", erklärte er. Die Opferberatung RAA und das Kulturbüro Sachsen sehen die Proteste gegen die Asylunterkunft klar rassistisch motiviert.

Freital gilt als Hochburg der Pegida-Bewegung. Deren Mitinitiator Lutz Bachmann hatte zum Protest gegen die Unterkunft aufgerufen. Bereits am Montagabend waren die ersten Flüchtlinge von Gegnern der Unterkunft empfangen worden. Am Dienstagabend positionierten sich rund 200 Menschen vor der Unterkunft, um von ihnen befürchtete Übergriffe seitens der rund 80 Asyl-Gegner zu verhindern. Im Anschluss waren einige von ihnen von mutmaßlichen Heimgegnern angegriffen worden.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat die Unterkunft inzwischen besucht, um sich ein Bild zu machen. Er verwies auf den "enormen Zustrom" an Flüchtlingen, der auch anderenorts in Deutschland und Europa eine große Herausforderung sei. "Völlig inakzeptabel sind aber Drohungen, Hetze und Gewalt gegen Bürgermeister und Landräte, die sich engagieren, für eine menschenwürdige Unterkunft zu sorgen", sagte Tillich. Hier würden "Recht und Gesetz ihre volle Anwendung finden". Bei seinem Besuch in dem früheren Hotel kam Tillich auch mit einer Flüchtlingsfamilie zusammen.