Kasseler Bioprofessor freigesprochen

Freispruch: Wissenschaftler nannte gleichgeschlechtliche Paare "asexuelle Erotik-Duos"

Der Wissenschaftler Ulrich Kutschera wurde vom Kasseler Landgericht freigesprochen. Foto: Göran Gehlen/dpa/Archivbild
Der Wissenschaftler Ulrich Kutschera wurde vom Kasseler Landgericht freigesprochen. Foto: Göran Gehlen/dpa/Archivbild
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03. März 2021 - 7:26 Uhr

Uniprofessor wird vom Kasseler Landgericht freigesprochen

Weil er sich im Internet menschenverachtend und hetzerisch geäußert haben soll, wurde der Kasseler Biologieprofessor Ulrich Kutschera im August 2020 zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 100 Euro verurteilt. Weil er das Urteil so nicht hinnehmen wollte, legte er Revision ein und wurde nun vom Kasseler Landgericht freigesprochen. Das bestätigte ein Gerichtssprecher der Nachrichtenagentur AFP. Kutscheras Aussagen seien eine vom Grundgesetz geschützte Meinung, die auch scharf und verletzend sein dürfe.

Zuvor: Kritische "Meinung" in Online-Interview

Der Grund für Kutscheras Anklage wegen Beleidigung im vergangenen Jahr liegt in einem Interview auf der Webseite kath.net, indem er sich negativ über homosexuelle Eltern äußerte. "Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen", so wird der Kasseler Biologieprofessor Ulrich Kutschera in besagtem Interview zitiert. Desweiteren sprach er von "asexuellen Erotikduos".

Dass die von dem 66-Jährigen getätigten Aussagen Homosexuelle verletzen oder herabsetzen könnten, konnte Kutschera nicht verstehen. Nach seiner Verurteilung in erster Instanz sagte er in Hinblick auf das Interview: "Es finden sich dort gerade einmal drei bis vier Sätze, die herausgegriffen worden sind, um mich als Homohasser hinzustellen."

Freispruch stößt auf Unverständnis

Dass Kutschera für seine Aussagen nun keinerlei rechtliche Konsequenzen zu befürchten hat, stößt auf Gegenwind. So hat sich Timon Gremmels (SPD), Kasseler MdB, auf Twitter zu dem Freispruch geäußert. Der 45-Jährige sieht die Aussagen von Kutschera als "zutiefst verletztend und menschenverachtend" an.

Auch die Uni Kassel hatte sich bereits im vergangenen Jahr von Kutscheras Aussagen distanziert. Mitglieder aus der queeren Community und aus Studentenkreisen hatten immer wieder gegen die Meinung von Kutschera protestiert.