Gruppenvergewaltigung vor Disco

Urteil in Freiburg: Hauptangeklagter muss 5 Jahre und 6 Monate ins Gefängnis

24. Juli 2020 - 11:00 Uhr

Zehn Angeklagte in Freiburg zu Haftstrafen verurteilt

Aus einer Party- wurde eine Horrornacht: ​In der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 2018 sollen elf Männer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren die damals 18-jährige Frau vor einer Disco im Gebüsch zwei Stunden lang vergewaltigt haben. Zwei Jahre nach dem abscheulichen Vorfall ist nun das Urteil gefallen: Der Hauptangeklagte Majd H. muss für fünf Jahre und sechs Monate ins Gefängnis, wie der Vorsitzende Richter am Donnerstag verkündete. Auch für die anderen Beteiligten gab es Haftsstrafen von vier Monaten bis vier Jahren.

Taten über einen Zeitraum von zweieinhalb Stunden

Die meisten der zur Tatzeit zwischen 18 und 30 Jahre alten Männer sind Flüchtlinge: Acht Syrer, zwei aus dem Irak und aus Algerien stammende Männer sowie ein Deutscher ohne Migrationshintergrund. Majd H. ist der Haupttäter und habe laut Richter alles ins Rollen gebracht. Der nun verurteilte Sexualstraftäter habe den Zustand des Opfers herbeigeführt, ausgenutzt und das Opfer zurückgelassen. Die Strafen für alle elf Angeklagten sehen wie folgt aus:

  • Majd H.: Verurteilt wegen Vergewaltigung, Haftstrafe: 5 Jahre und 6 Monate
  • Alaa A.: Verurteilt wegen Vergewaltigung, Haftstrafe: 4 Jahre und 3 Monate
  • Timo P.: Verurteilt wegen Vergewaltigung, Haftstrafe: 4 Jahre Haft
  • Ahmed A.: Verurteilt wegen Vergewaltigung und Handels mit Betäubungsmitteln, Jugendstrafe: 3 Jahre
  • Mustafa I.: Verurteilt wegen Vergewaltigung, Haftstrafe: 3 Jahre und 6 Monate
  • Jekar D.: Verurteilt wegen Vergewaltigung, Haftstrafe: 3 Jahre und 6 Monate
  • Mohamed H.: Verurteilt wegen Vergewaltigung, Haftstrafe: 3 Jahre Haft
  • Yahia H.: Verurteilt wegen Vergewaltigung, Jugendstrafe: 1 Jahr und 2 Monate
  • Muhanad M.: 11 Monate Jugendstrafe für Betäubungsmittelbesitz
  • Kosay A.: Verurteilt wegen Unterlassener Hilfeleistung, Haftstrafe: 4 Monate
  • Ayham A.: Verurteilt wegen unterlassener Hilfeleistung, 6 Monate Jugendstrafe zur Bewährung

Im Gefängnis müssten die Verurteilten laut Richter isoliert werden, weil eine "erhöhte Haftempfindlichkeit" vorliege. Damit wolle man Übergriffe auf sie verhindern. Bereits in Untersuchungshaft sollen die Männer oft von anderen Straftätern bedroht worden sein. Sexualstraftäter hätten es ziemlich schwer, da sie ganz unten in der Hierarchie stehen würden.

Der Richter warnte die Straftäter und sagte, dass wenn sie ihr Leben nicht ändern würden, sie einen Großteil ihrer Zeit in Deutschland im Gefängnis verbringen werden.

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Schon anderthalb Stunden vor Prozessbeginn belagerten die Journalisten den Eingangsbereich des Paulussaals in der Freiburger Innenstadt.
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© RTL

Die junge Frau sei zum Tatzeitpunkt nach Einnahme einer Ecstasy-Tablette wehr- und hilflos gewesen, hatte ein Mediziner vor Gericht ausgesagt. Zweieinhalb Stunden soll es gedauert haben, bis die Männer von ihrem Opfer abließen. Vor Gericht bestritten viele Beschuldigte eine Vergewaltigung oder schwiegen.

Die Täter hätten in Kauf genommen, dass die 18-Jährige zur Bildung eines entgegenstehenden Willens nicht in der Lage gewesen sei. Sie habe aufgrund von Ecstasy, Alkohol und Koffein nur noch einzelne und unzusammenhängende Erinnerungen an die Taten. Zeugenangaben unterstützten zudem die Aussagen der jungen Frau. Von mehreren Angeklagten sind laut Polizei später DNA-Spuren an der Frau gefunden worden. Außerdem hatten Gutachter angegeben, dass die Drogen, die das Opfer genommen hatte, keine Lust auf Sex machen würden.

Offenbar K.o.-Tropfen ins Getränk gemischt

Nach Angaben der Anklage war der jungen Frau in der Disco eine Ecstasy-Tablette angeboten worden, vermutlich von einem der Täter. Über Tattoos wären sie damals auf der Tanzfläche ins Gespräch gekommen. Anschließend sei ihr eine unbekannte Substanz - offenbar K.o.-Tropfen - ins Getränk gemischt worden.

Als sie gemeinsam mit dem Hauptangeklagten Majd H. die Disco verließ, soll er sie in ein Gebüsch gezerrt, ihr die Kleider vom Leib gerissen und sie vergewaltigt haben, so Staatsanwalt Rainer Schmid zum Prozessauftakt. Dann soll der 22-Jährige zurück in die Disko gegangen und die anderen Männer zu sexuellen Handlungen an ihr motiviert haben. Draußen liege eine Frau, "die man ficken könne", soll H. gesagt haben.

Teilweise hätten sich die Täter zeitgleich und ungeschützt an der jungen Frau vergangen, so der Staatsanwalt. Sie sei auch oral missbraucht worden. Mit ihren Fingernägeln und einem Stock versuchte sie sich gegen die Angreifer zu wehren - vergeblich.