5. Januar 2019 - 14:22 Uhr

Aktivistin Nazma Khan startete den "World Hijab Day"

Weil sie zeigen wollte, dass die Verschleierung von muslimischen Frauen keine Form der Unterdrückung ist, startete die US-Aktivistin Nazma Khan einen Twitter-Aufruf zum "World Hijab Day" (zu Deutsch: "Welt-Kopftuch-Tag") am 1. Februar. Diesen Tag hatte sie 2013 selbst ins Leben gerufen. Anlässlich des "World Hijab Day 2019" sollen Frauen in ihren Twitter-Posts erklären, inwieweit das Kopftuch für sie ein Symbol der Freiheit ist. Doch die Aktion ging völlig nach hinten los.

Frauen sollen Selfie mit Hashtag #FreeInHijab posten

Die Organisatoren des "World Hijab Day" wollen mit dem Tag ihre Meinung über die Verschleierung von Frauen im Islam ausdrücken. Kopftücher gelten für viele Menschen als ein Symbol der Unterdrückung der Frau. Aber es gebe auch zahlreiche Muslima, die es mit Stolz und aus freien Stücken tragen, so die Aktivisten.

Für eine Aktion auf Twitter forderten die Organisatoren muslimische Frauen deshalb dazu auf, ein Selfie zu posten und dazu ein Schild mit dem Hashtag #FreeInHijab (zu Deutsch: "Frei im Kopftuch") hochzuhalten. In dem Post sollten die Frauen außerdem schildern, warum sie sich mit Verschleierung frei fühlen.

Mehrheit der Muslimas reagiert genau gegenteilig

Einige Muslimas beteiligen sich an der Aktion, die deutliche Mehrheit der Tweets zu dem Hashtag beschreibt aber das genaue Gegenteil: Zahlreiche Frauen aus Saudi-Arabien und anderen arabischen Ländern schildern drastisch, dass sie von ihren Familien dazu gezwungen werden, sich zu verschleiern und sich damit diskriminiert und unterdrückt fühlen. Manche melden sich anonym zu Wort, weil sie es nicht wagen, ein Foto von sich zu zeigen.

Eine Frau schreibt, dass ihre Eltern sie dazu zwingen, ein Kopftuch zu tragen.

"Ich werde gezwungen, es zu tragen und wenn ich es nicht tue, werde ich umgebracht", schreibt eine andere Frau.

Ihre Mutter habe sie gezwungen, ein Kopftuch zu tragen und ihr mit dem Höllenfeuer gedroht. Ohne das Kopftuch sei sie endlich frei, schildert diese junge Frau.

Auch diese Frau schreibt, sie werde gezwungen, ein Kopftuch zu tragen. "Schaut euch dieses Bild an, ich kann kaum atmen", ergänzt sie.

"Kein kleines Mädchen will ein Kopftuch tragen!"

Wie können Feministinnen das Kopftuch feiern, wenn damit bereits neunjährige Mädchen sexualisiert werden? Kein kleines Mädchen will ein Kopftuch tragen! Das ist Kindesmisshandlung! Es nimmt kleinen Mädchen ihre Kindheit und rechtfertigt Kinderehen!", schreibt Twitter-Nutzerin "human_our" zu dem Hashtag.

Eine andere Frau erzählt, sie sei in Saudi-Arabien zum Kopftuch gezwungen worden. In Kanada könne sie es nun endlich abnehmen.

Auch Ensaf Haidar, die Ehefrau des in Saudi-Arabien inhaftierten Aktivisten und Bloggers Raif Badawi, schaltet sich ein: 

Wer gezwungen werde, ein Kopftuch zu tragen, dem sei die Menschlichkeit gestohlen worden, schreibt sie in einem Twitter-Post. Ihre Worte ergänzt Ensaf Haidar mit dem Hashtag #NoHijabDay.